Bücher für Grundschul­kinder Test: Grundschulkinder Bücher
ratgeber
Letztes Update: 26.3.2021

Die besten Bücher für Grundschul­kinder

Jippie! Aktuell haben wieder mehr Kinder Freude am Lesen. Damit ihnen der literarische Nachschub nicht ausgeht, haben wir ein paar Empfehlungen parat: Von der ungewöhnlichen französischen Graphic Novel bis hin zum schwedischen Kinderbuchklassiker – hier ist für jeden etwas dabei.

Kerstin Güntzel
arbeitet als Journalistin unter anderem für ELTERN und ELTERN family. Sie hat für die Süddeutsche Zeitung, BILD, Vanity Fair und dpa geschrieben und ist als zweifache Mutter immer auf der Suche nach Dingen, die das Familienleben einfacher machen.
Letztes Update: 26. März 2021

Wir haben den Artikel überprüft und die Verfügbarkeit einzelner Produkte aktualisiert. Unsere Empfehlungen sind nach wie vor aktuell.

Kulturpessimisten unken gern: »Doch, die Jugend liest – zumindest ihr Handy-Display.« Aber stimmt dieses so griffige wie simple Klischee vom lesefaulen Kind tatsächlich? Von wegen – Ihr ewigen Schwarzseher: Die Kurzen greifen sogar wieder mehr zum Buch. 2016 taten das nämlich 68 Prozent der Sechs- bis 19-Jährigen, während es im Vorjahr nur 61 Prozent waren.

Das jedenfalls ermittelte die Studie »Trend Tracking Kids 2016«, für die rund 1500 Kinder und Jugendliche befragt wurden. Ebenfalls Hoffnung für Lese-Deutschland gibt die KIM-Studie 2016 (Kinder + Medien, Computer + Internet), für die unter anderem 1200 Jungen und Mädchen zwischen sechs und 13 Jahren Auskunft gaben.

Bücher für Grundschul­kinder Test: Grundschulkinder Bücher
Mädchen sind regelmäßigere Leserinnen als Jungs.

Demnach liest immerhin fast jedes zweite Kind (48%) regelmäßig. Und ganze 84 Prozent hocken zumindest ab und zu mal vor einem Buch. Nicht überraschend: Mädchen sind mit 59 Prozent deutlich regelmäßigere Leserinnen als Jungs mit nur 39 Prozent.

Und – unglaublich, Ihr Kassandras! – die machen das sogar freiwillig. Gar als Hobby: Immerhin mehr als die Hälfte schmökert gerne oder sogar sehr gerne. Allerdings zeigt sich auch hier ein vertrautes Bild: Mit 28 Prozent lesen Mädchen mehr als doppelt so häufig sehr gerne – im Vergleich zu den Jungs mit 12 Prozent.

Die haben dafür die Nase vorn bei Comics. Diese Bildergeschichten lesen immerhin 47 Prozent der Jungs regelmäßig. Unter den Mädchen hat daran nur jede Dritte Spaß.

Jugend liest …

Was finden Mädchen und Jungs aber nun besonders spannend? Erste Wahl sind laut KIM-Studie 2016 die Bände von »Harry Potter«, »Die drei Fragezeichen«, »Gregs Tagebuch«, »Fünf Freunde« oder »Hanni und Nanni«. Die Bücher aus der Vampir- und Mystery-Serie »Twilight« und »Die Tribute von Panem« wurden 2016 nicht mehr so oft gelesen wie noch zwei Jahre zuvor.

Und: Im Schnitt besitzen Kinder zwischen 6 und 13 Jahren 25 eigene Bücher. Die Jugend lässt dafür auch reichlich Geld springen: Laut der Studie »Trend Tracking Kids 2016« gaben 30 Prozent der befragten 6- bis 19-Jährigen ihr Taschengeld für Bücher, Zeitschriften und Comics aus. Und zwar insgesamt 696 Millionen Euro!

Im Ausgabenranking, angeführt von Mode und Schmuck, liegt Literatur damit an achter Stelle. Von wegen Handy-Junkies!

Hoffentlich hat Ihr Kind gerade noch ein bisschen Budget frei – denn in unserer ultimativen Alles-Beste-Bücherliste ist das Geld sehr gut investiert.

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Tolle Kinderbücher abseits des Mainstreams

Die Kraft, an sich selbst zu glauben: »Der Träumer« von Pam Muños Ryan

Reime sind doof – außer bei den »Fanta Vier«? Und Gedichte sind eh von gestern? Nicht, wenn das Spiel mit Worten so leicht und elegant in eine Geschichte verwoben wird wie in »Der Träumer«. Die Amerikanerin Pam Muños Ryan widmet sich hier den Jugendjahren eines südamerikanischen Nationalheiligen, des Poeten Pablo Neruda.

Die Kraft, an sich selbst zu glauben

Pam Muños Ryan "Der Träumer"

Das hat rein gar nichts mit braver Biographie-Nachplapperei zu tun. Denn sie schafft es mit fantasievollen Bildern, den Leser in die surrealistische und mystische Innenwelt des jungen Dichters zu entführen. Dieser tut sich mit den äußeren Umständen rund um die verregnete Stadt Temuco im Süden Chiles äußerst schwer.

Illustrator Peter Sís bringt, passend zur poetischen Geschichte, federleichte Zeichnungen aufs Papier. Die Bilder sind wunderschön mit philosophischen Fragen betitelt, die Muños Ryan Neruda in den Mund gelegt hat: »Wohin tragen die Wellen die Dinge, die sie im Sand vorfinden?« Da legt man gern mal eine Lesepause zum Nachdenken ein.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Der junge Neftalí – Neruda hieß eigentlich Ricardo Eliécer Neftalí Reyes Basoalto – lebt in den Wolken, sieht Schätze in den kleinsten Dingen, sammelt von der Uhr bis zum Karussellpferd einfach alles. Außerdem ist er ein Einzelgänger, schreibt Gedichte und stottert manchmal vor Unsicherheit. Für seinen Patriarchen-Vater im Südamerika des frühen 20. Jahrhunderts ist er eine einzige Enttäuschung.

Dies lässt er ihn auch spüren: »Er ist so in seiner eigenen Welt versunken, dass er kaum reden kann. Wenn ich nur wüsste, was mal aus ihm werden soll«, erniedrigt er ihn vor der Verwandtschaft. Später verbrennt er seine Hefte. Was für eine Genugtuung empfindet doch der Leser, wenn er nach vielen Seiten des Mitleidens endlich mit Neruda über die engstirnige Weltanschauung des Vaters triumphieren kann, die nur eine Lebensweise, nämlich seine, zulässt.

Man freut sich mit ihm über den langsam anlaufenden Erfolg: Erste Veröffentlichungen in Studentenzeitschriften, die erste in einer überregionalen Tageszeitung … Schließlich feuert man Neruda regelrecht an, wenn er seinem Elternhaus den Rücken kehrt und nach Santiago de Chile flieht: In die geistige Weite.

Und man weiß, wie es endet: 1971 bekommt Neruda den Nobelpreis für Literatur. Ein Happy End! Nicht nur junge Leser kriegen so vermittelt: Glaub an dich und deine Träume – egal, was sich dir in den Weg stellt!« – Ab 9 Jahren.

Die Kraft eines Sommers: »Königin des Sprungturms« von Martina Wildner

Eigentlich liegen bei diesem Buch gleich zwei Ausschlusskriterien vor: »Königin des Sprungturms« ist erstens ein Mädchenbuch und zweitens handelt es von Leistungssportlerinnen – den beiden Turmspringerinnen Nadja und Karla. Ist das interessant? Will man das lesen? Seltsamerweise ja. Das liegt an der Autorin Martina Wildner, die sich selbst mit 48 Jahren richtig gut in diese normal-verrückte Teenie-Welt einfühlen kann.

Die Kraft eines Sommers

Martina Wildner "Königin des Sprungturms"

Typische Mädchenfreundschaften inklusive Zickenkrieg und Neid, noch dazu unter dem Brennglas des Leistungssports und den ersten Schwärmereien. Dazu die sommerliche Berliner Plattenbau- und Freibadstimmung und auch noch der neue Freund von Karlas Mutter, der das Mädchen völlig aus dem Konzept bringt – auch sportlich.

Plötzlich gelingen ihre Sprünge nicht mehr. Es gibt jedenfalls genügend Ecken und Kanten in dieser Geschichte, die knirschen. Genau so muss süchtig machender Lesestoff sein. Auch wenn im Vergleich zu den vielen Fantasy-Storys und Jugendkrimis tatsächlich wenig Aufregendes passiert (außer dem Turmspringen): Kein Vampir biegt um die Ecke, kein Gangster bedroht die Mädchen.

Aber der Alltag ist hier spannend genug: Zum Beispiel wenn es im Getränke- und Snack-Automat in der Schwimmhalle plötzlich Kondome zu kaufen gibt und die Jungs deshalb blöde Witze vor Nadja reißen. Wie peinlich!

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Nach zwei Tagen hat man es fertig gelesen und wundert sich, wo die Zeit geblieben ist. Ein Roman, der süchtig macht. Ein weiterer netter Nebeneffekt: Da Nadjas Familie aus Russland stammt, kriegt man – als Zugabe – einen interessanten Einblick in eine fremde Mentalität. – Ab 10 Jahren.

Die Kraft des Fremden: »Der unvergessene Mantel« von Frank Cottrell Boyce

Dieser Roman wirbt auf wunderbare Weise für Toleranz. Und gleichzeitig ist er so spannend, dass man ihn am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Dabei kommt die Story keinesfalls marktschreierisch daher, sondern eher leise: Die Sechstklässlerin Julie soll sich um ihren neuen Klassenkameraden Dschingis kümmern, einen Flüchtlingsjungen aus der Mongolei.

Die Kraft des Fremden

Frank Cottrell Boyce "Der unvergessene Mantel"

Denn der hat Nachholbedarf beim europäischen Lifestyle. Er weiß nichts vom Fußballspielen. Er hat keine Ahnung, dass ein Pelzmantel bei strahlendem Sonnenschein in England nicht wirklich angebracht ist. Aber auch Julie lernt viel von ihm: Über die Mongolei und deren Riesenblumenbäume.

Oder dass Adler dort eine Mütze auf den Kopf kriegen, um sich zu entspannen. Und plötzlich sieht Julie auch ihr eigenes Land mit anderen Augen. Die beiden werden jedenfalls ziemlich beste Freunde. Bis Dschingis und seine Familie von der britischen Einwanderungsbehörde nachts aus dem Bett geholt und in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Eine traumatische Erfahrung für die Kinder!

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: F.C. Boyce‘ Roman beruht auf einer wahren Geschichte, die den Autor stark mitgenommen hat. Wohl auch deshalb geriet sein Roman »Der unvergessene Mantel« zum heftigen Plädoyer gegen Fremdenhass und für Nächstenliebe.

Das Buch zeigt, was man gewinnen kann, wenn man Verständnis und Neugier für das Unbekannte entwickelt. Gerade heutzutage ist der Stoff aktueller denn je. Kinder haben in den Schulen mit Flüchtlingskindern zu tun und müssen lernen, andere Kulturen kennenzulernen und zu akzeptieren.

Kindern gefällt besonders, dass hier nichts beschönigt wird, niemand verkauft einen für blöd. Das glückliche Ende bleibt aus – so wie es eben auch manchmal im wirklichen Leben läuft. – Ab 10 Jahren.

Die Kraft des Humors: »Frerk, Du Zwerg!« von Finn-Ole Heinrich

Mit so einem kann man sich doch wunderbar identifizieren: »Frerk, du Zwerg!« schreien die Kinder, wenn er ankommt – egal ob auf dem Spielplatz oder in der Klasse. Dabei ist Frerk nicht mal der Kleinste.

Die Kraft des Humors

Finn-Ole Heinrich "Frerk, Du Zwerg!"

Aber das reimt sich halt so schön auf seinen Namen. Schön doof! Wobei: Die anderen können ihn mal. Wenn er doch nur einen riesengroßen Hund kriegen würde: »So ein Hund würde nicht Stöckchen holen, sondern Bäume fällen, nicht Männchen machen, sondern über Befehle lachen.« Aber seine Mutter ist leider gegen alles allergisch, was Spaß macht.

Also keinen Köter. Stattdessen findet Frerk ein Ei. Ein Seltsames, Knallbuntes, Funkelndes. Er steckt es sich in die Hosentasche – und brütet es aus Versehen aus. Und dann nimmt die Anarchie seinen Lauf …

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Allein schon für solch einen Satz muss man es einfach lieben: »Man wünscht sich was, zum Beispiel einen Hund oder eine Kirschbrause oder einen Bart – und was man dann bekommt, ist nur ein Ei.«

Also wundern Sie sich nicht, wenn aus dem Kinderzimmer ab und zu schrille Laute dringen: Ihr Kind hat wohl gerade einen Lachanfall. Und sei es auch nur, weil es sich die bösen Illus von Ran Flygenring reinzieht. Die 91 Seiten dieses genialen Quatsch-Buches hauen jedenfalls selbst Buchhasser weg wie Leberkässemmel. – Ab 7 Jahren.

Die Kraft der Fantasie: »Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen« von Emile Bravo und Jean Regnaud

Ein Buch der Superlative: Denn als erster Comic überhaupt bekam »Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen« den Deutschen Jugendliteraturpreis verliehen.

Die Kraft der Fantasie

Emile Bravo "Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen"

Der Zeichner Bravo und der Autor Regnaud haben tatsächlich ein Meisterwerk geschaffen. Es ist ein tragik-komischer Roman in Bildern über den Erstklässler Jean, der glaubt, dass seine Mutter in Amerika sei. Tatsächlich ist sie jedoch tot.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Die Grafic Novel mit den wenigen, aber dafür umso pointierteren Sätzen, überzeugt auch Kinder vom Lesen, die – nett ausgedrückt – nicht auf Bleiwüsten stehen.

Außerdem ist das Buch so charmant geschrieben und gezeichnet, dass ihm selbst Erwachsene verfallen werden: Allein mit welcher überbordenden Fantasie Jean den Verlust eines geliebten Menschen angeht, um ihn überhaupt ertragen zu können … Einfach zum Heulen schön! – Ab 8 Jahren.

Im Kampf gegen die Schattenwanderer: »Izzy Sparrow: Die Geheimnisse von Lundinor« von Jennifer Bell

Harry Potter in der Girly-Version: Die elfjährige Isabelle »Izzy« Sparrow lebt ebenfalls in England und taucht auch in eine fremde, magische Welt ab. Alles beginnt, als ihre Grandma Sylvie einen mysteriösen Unfall erleidet, eine schwarze Feder wie von Zauberhand Warnungen an die Küchenwand kritzelt und dunkle Gestalten sie und ihren älteren Bruder Seb verfolgen. Bei der rasanten Jagd stürzen die Geschwister in einen Koffer – und landen in der magischen Stadt Lundinor, die sich in Londons Untergrund verbirgt.

Im Kampf gegen die Schattenwanderer

Jennifer Bell "Izzy Sparrow: Die Geheimnisse von Lundinor"

Sie betreten eine surreale Welt, in der Klobürsten Blitze schießen und Zitronenpressen Licht spenden. Und die von der bösen Gilde der Schattenwanderer bedroht wird. Immer mehr erkennt Izzy, dass alles mit Oma Sylvie zusammenhängt, die vor 40 Jahren aus Lundinor flüchtete.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: »Izzy Sparrow: Die Geheimnisse von Lundinor« ist eindeutig eine dieser Fantasy-Geschichten, die auch Kinder begeistert, die sonst mit Literatur nicht viel am Hut haben. Die Geschichte ist geheimnisvoll und besitzt die richtige Prise Grusel. Die Londoner Autorin Jennifer Bell kam übrigens auf die Buchidee, als sie ihren Urlaubskoffer packte und sich wünschte, einfach in ihn reinkriechen zu können und direkt an ihrem Ferienort wieder herauszukommen. Unsere Testleserin jedenfalls fieberte dem zweiten Teil förmlich entgegen. Nun ist auch »Izzy Sparrow: Die verschwundene Tür« erschienen. Hier kehren die Geschwister nach Lundinor zurück und erlernen unter anderem die Kunst des Tränkebrauens. – Ab 9 Jahren.

ratgeber: Die besten Bücher für Grundschul­kinder – Kind liest

Kinderbuchklassiker

Die Kraft der Magie: »Harry Potter« von Joanne K. Rowling

1990 saß Joanne K. Rowling in einem überfüllten Zug von Manchester nach London, als ihr plötzlich die Idee für ihren Helden in den Kopf purzelte: »Ich habe eigentlich immer geschrieben, seitdem ich sechs bin, aber ich war noch nie zuvor von einem Einfall so begeistert. Ich saß einfach da und dachte nach, für ganze vier (verspätete Zug-) Stunden.

Die Kraft der Magie

Joanne K. Rowling "Harry Potter und der Stein der Weisen"

Alle Details blubberten in meinem Gehirn hoch, und dieser dürre, schwarzhaarige, bebrillte Junge, der nicht wusste, dass er ein Zauberer ist, wurde für mich immer realer.« Die Britin beendete »Harry Potter und der Stein der Weisen« schließlich 1995, und eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang.

Von der alleinerziehenden Sozialhilfeempfängerin wurde sie dank Harry zur reichsten Frau Großbritanniens – noch vor der Queen. Und ihre Zauberlehrlingsserie zur meistverkauften Kinderbuchreihe der Welt mit rund 500 Millionen Büchern.

Warum uns gerade diese Bücher gefallen: Rowling hat nicht einfach eine gute Story erfunden, sondern gleich eine ganze Welt: Mit Zauberinternat (Hogwarts), einer Art Fußball in der Luft (Quidditch), magischer Parallelwelt (dem Londoner Einkaufsviertel für Hexen und Zauberer), cooler Clique und ultimativem Bösewicht (Lord Voldemort). Das gelang in diesem Umfang, dieser Großartigkeit und Detailverliebtheit zuletzt nur J.R.R. Tolkien in den 40er Jahren mit »Der Hobbit« (übrigens das meistverkaufte Einzelbuch aller Zeiten mit circa 100 Millionen) und »Der Herr der Ringe«.

Gleichzeitig macht Harry eine spannende Entwicklung mit einigen Brüchen durch – er reift vom ängstlichen Buben zum selbstsicheren, jungen Erwachsenen. Dank der geschickten Verknüpfung klassischer Coming-of-Age-Themen wie die erste Liebe, Freundschaft, Mobbing, Trauer oder Depression können sich seine Fans völlig mit ihm identifizieren.

Laut Rowling geht es in den sieben Bänden jedoch hauptsächlich um den Tod: »Die Bücher beginnen mit dem Tod von Harrys Eltern. Dann ist dort auch Voldemorts Obession, den Tod zu überwinden und Unsterblichkeit um jeden Preis zu erlangen, das Ziel eines jeden Magiers. Ich verstehe gut, warum Voldemort den Tod besiegen möchte. Wir fürchten uns doch alle vor ihm.« – Ab 9 Jahren.

Die Kraft der Anarchie: »Pippi Langstrumpf« von Astrid Lindgren

»Pippi Langstrumpf», Tochter eines Piratenkapitäns, ist zwar ein Mädchen, aber stark wie zehn Männer. Und sie lebt mit einem Affen, einem Pferd, einem sagenhaften Goldschatz – aber ohne Eltern – in der Villa Kunterbunt.

Die Kraft der Anarchie

Astrid Lindgren "Pippi Langstrumpf"

Doch diese Erfolgsgeschichte kennt ja mittlerweile ohnehin die ganze Welt. Kein Wunder, dass die jungen Leser von Lovelybooks die Abenteuergeschichte um das ungezähmte Mädchen sogar auf Platz eins ihrer Top 10 der besten Kinderbücher aller Zeiten wählten.

Die quirlige Rothaarige, die Lindgren 1941 erfand, als ihre Tochter mit Lungenentzündung im Bett lag, ist noch keinesfalls altersmüde, sondern erobert sich immer wieder aufs Neue das Herz der jüngsten Generation. Ja, es gehört oft schon zur guten Familientradition, dass Eltern dieses Buch an ihre Kinder weiterreichen.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: »Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.«: Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf hält nichts vom braven Mädchentum, sondern ist ein wahres feministisches Role Model – und das schon zu einer Zeit, in der das Wort Feminismus noch nicht mal erfunden war. Echte Avantgarde. – Ab 8 Jahren.

Die Kraft des Auserwählten: »Die unendliche Geschichte« von Michael Ende

Der zehnjährige Bastian Balthasar Bux ist ein unglückliches Kind. Klein, dick und fantasiebegabt, wie er ist, wird er von anderen, grob gestrickteren Kindern, gequält. Zuflucht findet er im Antiquariat des alten Karl Konrad Koreander. Dort stößt er auf einen seidengebunden Schmöker, der ihn magnetisch anzieht: »Die unendliche Geschichte».

Die Kraft des Auserwählten

Michael Ende "Die unendliche Geschichte"

Er klaut das Buch und liest auf dem Schulspeicher heimlich vom Reich Phantásien, in dem sich auf unheimliche Weise das Nichts ausbreitet. Der Grund dafür ist die Krankheit der »Kindlichen Kaiserin«. Nur ein neuer Name kann sie heilen. Und nur ein Menschenkind kann ihr diesen verleihen.
Womöglich ist Bastian ja der Auserwählte …

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Michael Endes Märchen ist eine Ode an all die Menschen, die vor der rauen Wirklichkeit, der Unfreundlichkeit, der Härte, Kälte und Oberflächlichkeit gern mal in eine schönere, buntere und fantastischere Welt fliehen: In die der Buchstaben. Der Autor zeigt am Beispiel von Bastian, dass so viel mehr in schüchternen, introvertierten Menschen steckt, als sie meist nach außen zeigen.

Oft mehr als in den vielen Laut- und Großsprechern, die sich gerne in den Vordergrund drängen. Die Moral der »Unendlichen Geschichte« lautet also: Selbst der größte »Schwächling« kann zum Helden werden, wenn er sich nur seinen Aufgaben stellt.

Außerdem muss man Michael Endes einfache, aber präzise Sätze, die eine ganz neue, bunte Welt aufleben lassen können, einfach lieben. Einer unserer Favoriten im Buch lautet: »Ich möchte wissen«, sagte er vor sich hin«, was eigentlich in einem Buch los ist, solang es zu ist.« – Ab 10 Jahren.

Die Kraft der Gewitzheit: »Die kleine Hexe« von Otfried Preußler

»Es war einmal eine kleine Hexe, die war erst einhundertsiebenundzwanzig Jahre alt, und das ist ja für eine Hexe noch gar kein Alter.«

Die Kraft der Gewitztheit

Ottfried Preußler "Die kleine Hexe"

Originell beginnt Otfried Preußlers fast 50 Jahre altes Märchen. Genau wegen dieser Originalität finden es auch Kinder im 21. Jahrhundert noch cool. Außerdem sind »Die kleine Hexe« und ihr Rabe Abraxas einfach zum Anbeißen: So liebenswert und süß. Gleichzeitig lassen sie sich aber nicht die Butter vom Brot nehmen, wenn’s ein Problem gibt.

Da sie nämlich noch so jung ist, nehmen sie die »großen« Hexen, allen voran die böse Wetterhexe Rumpumpel, nicht Ernst und verbieten ihr auch den Blocksberg. Natürlich will die kleine Hexe es ihnen nun mal so richtig zeigen und löst damit ein ziemliches Tohuwabohu aus.
Aber da sie auch ziemlich klug, gewitzt und frech ist, zahlt sie es den alten Hexen am Ende heim.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Sehr witzig geschrieben das Ganze! Vor allem werden sich die Kinder am Ende des Buches diebisch darüber freuen, dass die bösen Weiber ihr Fett weg kriegen. Ganz nach dem Motto: »Wer zuletzt lacht, lacht am besten.« Übrigens eignet sich das Buch auch schon perfekt zum Vorlesen bei Vorschulkinder. – Ab 6 Jahren.

Die Kraft der zwei Herzen: »Die Brüder Löwenherz« von Astrid Lindgren

Erst mit neun oder zehn Jahren werden sich Kinder bewusst, dass sie auch selbst einmal sterben müssen. Für manche eine knallharte Landung. Mädchen und Jungs, die sich (zu) sehr ängstigen, tröstet Astrid Lindgrens Roman »Die Brüder Löwenherz».

Die Kraft der zwei Herzen

Astrid Lindgren "Die Brüder Löwenherz"

Ach was, eigentlich sollte das Märchen um das paradiesische Land Nangijala Pflichtlektüre für jedes Kind sein – Angst hin oder her. Auch wenn das Buch von allen Lindgren-Werken am heftigsten Kritik einstecken musste: Der Tod werde darin verharmlost, hieß es.

Doch damit unterschätzt man Kinder und ihr Urteilsvermögen ziemlich. Und auch Lindgren wird Unrecht getan: Denn sie wollte nur ein Trostbuch schreiben. Was ihr Weltklasse gelang. Deshalb ist ihr Roman auch für trauernde und fantasiebegabte Erwachsene eine Offenbarung.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Es wäre viel zu schade, wenn Ihr Kind dieses Meisterwerk alleine verschlingen würde. Packen Sie es lieber in die große Familienrunde und lesen Sie es reihum vor. Mutter, Vater, Kind – jeder wird so veranlasst, seine Ängste, Sorgen und Hoffnungen auszusprechen. Genauso wie es der todkranke Krümel im Buch vor seinem größeren Bruder Jonathan macht: »Weißt du, dass ich bald sterben muss? … Wie kann es so etwas Schreckliches geben, dass manche sterben müssen, wenn sie noch nicht mal zehn Jahre alt sind?«

Jonathan antwortet ihm darauf mit den Worten: »Was da liegt, ist doch nur so eine Schale von dir. Du selber fliegst ganz woanders hin.« Von nun an erzählt er ihm jeden Abend vom Land Nangijala – dem Land der Sagen und der Märchen, in das die Menschen nach ihrem Tod reisen. Schneller als erwartet, treffen sich die Brüder Löwenherz dort im friedlichen Kirschtal wieder.

Und es kommt der Vorstellung vom biblischen Paradies recht nah. Denn auch die Schlange wartet dort schon – in Form eines dunklen Tyrannen und seines Drachen. Werden es die tapferen Brüder schaffen, Nangijala zu befreien? – Ab 10 Jahren.

Die Kraft der Freundschaft: »Der kleine Vampir« von Angela Sommer-Bodenburg

Anton Bohnsack ist abends allein zuhause, seine Eltern haben ihren Ausgehsamstag. Trotzdem zieht er sich einen Gruselschmöker rein. Und kriegt fast einen Herzinfarkt, als plötzlich ein leibhaftiger Vampir im Wohnzimmer steht. Aber hallo: Der ist ja viel kleiner als Anton selbst! »Na und? Ich bin eben als Kind gestorben«, antwortet Rüdiger, der Blutsauger, schlagfertig.

Die Kraft der Freundschaft

Angela Sommer-Bodenburg "Der kleine Vampir"

Eben jener Wortwitz macht den deutschen Kinderbuch-Klassiker von 1979 so beliebt. Sogar zur Schullektüre hat er es geschafft. Außerdem spielt Angela Sommer-Bodenburg wunderbar mit Klischees. Denn »Der kleine Vampir« ist mal kein Kotzbrocken, der Menschen ausschlürft, sondern ein richtig netter Kerl.

Nur eins bereitet Anton Kopfzerbrechen: Wie erklärt er seinen Eltern, warum sein neuer Kumpel immer so eine fertige, schwarze Kutte trägt, seine Hand stets verschämt vor den Mund hält und einen ziemlich modrigen Duft verströmt?

Was uns besonders an diesem Buch gefällt: Es hält uns vor Augen, dass wir besser ganz genau hinschauen sollten, vor was wir so furchtbare Angst haben. Denn manchmal bereitet einem das, was einem anfangs die schlimmsten Schauer über den Rücken laufen lässt, später die größte Freude. Spaß haben Anton und Rüdiger nach dem ersten Schreck jedenfalls eine Menge. – Ab 6 Jahren.

Ein Kasperl-Krimi: »Der Räuber Hotzenplotz« von Otfried Preußler

Was für ein Ekel: »Der Räuber Hotzenplotz« rülpst, bedroht Kasperls Großmutter mit der Pistole und raubt frech ihre schicke Kaffeemühle, die »Alles neu macht der Mai« spielt, wenn man daran kurbelt. Sapperlott, der Mann mit den sieben Messern entführt sogar Kasperl und Seppel, die Oma zu Hilfe eilen wollen und verschachert Kasperl auch noch an den bitterbösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann.

Ein Kasperl-Krimi

Otfried Preußler "Der Räuber Hotzenplotz"

Zu dieser illustren Kasperltheater-Gesellschaft gesellt sich der herrlich vertrottelte Wachtmeister Dimpfelmoser. Junge Leser wissen bald nicht mehr, ob sie sich gruseln, den Räuber ob seiner Unverfrorenheit bewundern oder sich wegen lustiger Wörter wie »Papperlapapp« vor Lachen kringeln sollen. Recht so!

Was uns besonders an diesem Buch gefällt: Kinder lieben politische Unkorrektheit. Deshalb lieben sie auch den Räuber Hotzenplotz. Obwohl der schon 55 Jahre auf dem Buckel hat. Sie identifizieren sich mit dem schlauen Kasperl und seinem Freund Seppel, die am Ende der Geschichte stets über die Bösen triumphieren. Was Sie vielleicht noch nicht wussten: Sein geistiger Vater Otfried Preußler benannte den Räuber nach der schlesischen Stadt Hotzenplotz, deren Namen ihn als Kind sehr beeindruckt hatte. – Ab 6 Jahren.

Reise in die Vergangenheit: »Das magische Baumhaus« von Mary Pope Osborne

Man kann sich streiten, ob die Zeitreisereihe »Das magische Baumhaus« ein Recht darauf hat, schon als Kinderbuchklassiker bezeichnet zu werden. Wir finden: ja. Denn die Idee der Serie bewährt sich seit vielen Jahren – der erste Band »Im Tal der Dinosaurier« erschien in Deutschland immerhin schon im Jahr 2000. Zudem gehören die mittlerweile 55 Bände sowohl in Deutschland als auch in den USA zu den beliebtesten Kinderbüchern.

Reise in die Vergangenheit

Mary Pope Osborne "Im Tal der Dinosaurier"

Allein bis 2009 verkaufte Mary Pope Osborne weltweit mehr als 40 Millionen Bücher. Die Autorin, die in Connecticut lebt, spazierte irgendwann in den 90ern mit ihrem Ehemann Will durch den Wald, als sie auf ein verfallenes Baumhaus stieß. Die Geschichte rund um die Geschwister Anne und Philipp, die ein Baumhaus voller Bücher entdecken, war geboren. Die Kinder können nämlich sämtliche Orte besuchen, die in den Büchern vorkommen. So starten sie in fremde Welten und in die Vergangenheit.

Was uns besonders an diesem Buch gefällt: Lernen macht selten so viel Spaß! Vor allem weil man gar nicht merkt, wie viel Wissen man sich gerade »erlesen« hat, zum Beispiel rund um die Pharaonen, Wikinger oder die Maya-Kultur. Weil Historisches in den Bänden so fesselnd präsentiert wird, merken sich die Kinder die Infos automatisch – ganz ohne Büffeln und Auswendiglernen. – Ab 8 Jahren.

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