Unsere Tests sind unabhängig. Wir finanzieren uns über Affiliate-Links. Kaufen Sie ein Produkt über Links, die mit markiert sind, erhalten wir ggf. eine kleine Provision. Mehr dazu.

Die besten Bücher für Grundschul­kinder

last updateZuletzt aktualisiert:
Bücher für Grundschul­kinder Test: Grundschulkinder Bücher
Kerstin Güntzel

Kerstin Güntzel

arbeitet als Journalistin unter anderem für ELTERN und ELTERN family. Sie hat für die Süddeutsche Zeitung, BILD, Vanity Fair und dpa geschrieben und ist als zweifache Mutter immer auf der Suche nach Dingen, die das Familienleben einfacher machen.

Jippie! Aktuell lesen wieder mehr Kinder. Damit ihnen der literarische Nachschub nicht ausgeht, haben wir ein paar Empfehlungen parat: Von der ungewöhnlichen französischen Graphic Novel bis hin zum schwedischen Kinderbuchklassiker.

Update 27. Oktober 2020

Wir haben den Artikel überprüft und die Verfügbarkeit einzelner Produkte aktualisiert. Unsere Empfehlungen sind nach wie vor aktuell.

Kulturpessimisten unken gern: »Doch, die Jugend liest – zumindest ihr Handy-Display.« Aber stimmt dieses so griffige wie simple Klischee vom lesefaulen Kind tatsächlich? Von wegen – Ihr ewigen Schwarzseher: Die Kurzen greifen sogar wieder mehr zum Buch. 2016 taten das nämlich 68 Prozent der Sechs- bis 19-Jährigen, während es im Vorjahr nur 61 Prozent waren.

Das jedenfalls ermittelte die Studie »Trend Tracking Kids 2016«, für die rund 1500 Kinder und Jugendliche befragt wurden. Ebenfalls Hoffnung für Lese-Deutschland gibt die KIM-Studie 2016 (Kinder + Medien, Computer + Internet), für die unter anderem 1200 Jungen und Mädchen zwischen sechs und 13 Jahren Auskunft gaben.

Bücher für Grundschul­kinder Test: Grundschulkinder Bücher
Mädchen sind regelmäßigere Leserinnen als Jungs.

Demnach liest immerhin fast jedes zweite Kind (48%) regelmäßig. Und ganze 84 Prozent hocken zumindest ab und zu mal vor einem Buch. Nicht überraschend: Mädchen sind mit 59 Prozent deutlich regelmäßigere Leserinnen als Jungs mit nur 39 Prozent.

Und – unglaublich, Ihr Kassandras! – die machen das sogar freiwillig. Gar als Hobby: Immerhin mehr als die Hälfte schmökert gerne oder sogar sehr gerne. Allerdings zeigt sich auch hier ein vertrautes Bild: Mit 28 Prozent lesen Mädchen mehr als doppelt so häufig sehr gerne – im Vergleich zu den Jungs mit 12 Prozent.

Die haben dafür die Nase vorn bei Comics. Diese Bildergeschichten lesen immerhin 47 Prozent der Jungs regelmäßig. Unter den Mädchen hat daran nur jede Dritte Spaß.

Jugend liest …

Was finden Mädchen und Jungs aber nun besonders spannend? Erste Wahl sind laut KIM-Studie 2016 die Bände von »Harry Potter«, »Die drei Fragezeichen«, »Gregs Tagebuch«, »Fünf Freunde« oder »Hanni und Nanni«. Die Bücher aus der Vampir- und Mystery-Serie »Twilight« und »Die Tribute von Panem« wurden 2016 nicht mehr so oft gelesen wie noch zwei Jahre zuvor.

Und: Im Schnitt besitzen Kinder zwischen 6 und 13 Jahren 25 eigene Bücher. Die Jugend lässt dafür auch reichlich Geld springen: Laut der Studie »Trend Tracking Kids 2016« gaben 30 Prozent der befragten 6- bis 19-Jährigen ihr Taschengeld für Bücher, Zeitschriften und Comics aus. Und zwar insgesamt 696 Millionen Euro!

Im Ausgabenranking, angeführt von Mode und Schmuck, liegt Literatur damit an achter Stelle. Von wegen Handy-Junkies!

Hoffentlich hat Ihr Kind gerade noch ein bisschen Budget frei – denn in unserer ultimativen Alles-Beste-Bücherliste ist das Geld sehr gut investiert.

Bücher für Grundschul­kinder Test: Grundschulkinder Bücher

Tolle Kinderbücher abseits des Mainstreams

»Der Träumer« von Pam Muños Ryan

Reime sind doof – außer bei den »Fanta Vier«? Und Gedichte sind eh von gestern? Nicht, wenn das Spiel mit Worten so leicht und elegant in eine Geschichte verwoben wird wie in »Der Träumer«. Die Amerikanerin Pam Muños Ryan widmet sich hier den Jugendjahren eines südamerikanischen Nationalheiligen, des Poeten Pablo Neruda.

Das hat rein gar nichts mit braver Biographie-Nachplapperei zu tun. Denn sie schafft es mit fantasievollen Bildern, den Leser in die surrealistische und mystische Innenwelt des jungen Dichters zu entführen. Dieser tut sich mit den äußeren Umständen rund um die verregnete Stadt Temuco im Süden Chiles äußerst schwer.

Illustrator Peter Sís bringt, passend zur poetischen Geschichte, federleichte Zeichnungen aufs Papier. Die Bilder sind wunderschön mit philosophischen Fragen betitelt, die Muños Ryan Neruda in den Mund gelegt hat: »Wohin tragen die Wellen die Dinge, die sie im Sand vorfinden?« Da legt man gern mal eine Lesepause zum Nachdenken ein.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Der junge Neftalí – Neruda hieß eigentlich Ricardo Eliécer Neftalí Reyes Basoalto – lebt in den Wolken, sieht Schätze in den kleinsten Dingen, sammelt von der Uhr bis zum Karussellpferd einfach alles. Außerdem ist er ein Einzelgänger, schreibt Gedichte und stottert manchmal vor Unsicherheit. Für seinen Patriarchen-Vater im Südamerika des frühen 20. Jahrhunderts ist er eine einzige Enttäuschung.

Dies lässt er ihn auch spüren: »Er ist so in seiner eigenen Welt versunken, dass er kaum reden kann. Wenn ich nur wüsste, was mal aus ihm werden soll«, erniedrigt er ihn vor der Verwandtschaft. Später verbrennt er seine Hefte. Was für eine Genugtuung empfindet doch der Leser, wenn er nach vielen Seiten des Mitleidens endlich mit Neruda über die engstirnige Weltanschauung des Vaters triumphieren kann, die nur eine Lebensweise, nämlich seine, zulässt.

Man freut sich mit ihm über den langsam anlaufenden Erfolg: Erste Veröffentlichungen in Studentenzeitschriften, die erste in einer überregionalen Tageszeitung … Schließlich feuert man Neruda regelrecht an, wenn er seinem Elternhaus den Rücken kehrt und nach Santiago de Chile flieht: In die geistige Weite.

Und man weiß, wie es endet: 1971 bekommt Neruda den Nobelpreis für Literatur. Ein Happy End! Nicht nur junge Leser kriegen so vermittelt: Glaub an dich und deine Träume – egal, was sich dir in den Weg stellt!« – Ab 9 Jahren.

»Königin des Sprungturms« von Martina Wildner

Eigentlich liegen bei diesem Buch gleich zwei Ausschlusskriterien vor: »Königin des Sprungturms« ist erstens ein Mädchenbuch und zweitens handelt es von Leistungssportlerinnen – den beiden Turmspringerinnen Nadja und Karla. Ist das interessant? Will man das lesen? Seltsamerweise ja. Das liegt an der Autorin Martina Wildner, die sich selbst mit 48 Jahren richtig gut in diese normal-verrückte Teenie-Welt einfühlen kann.

Typische Mädchenfreundschaften inklusive Zickenkrieg und Neid, noch dazu unter dem Brennglas des Leistungssports und den ersten Schwärmereien. Dazu die sommerliche Berliner Plattenbau- und Freibadstimmung und auch noch der neue Freund von Karlas Mutter, der das Mädchen völlig aus dem Konzept bringt – auch sportlich.

Plötzlich gelingen ihre Sprünge nicht mehr. Es gibt jedenfalls genügend Ecken und Kanten in dieser Geschichte, die knirschen. Genau so muss süchtig machender Lesestoff sein. Auch wenn im Vergleich zu den vielen Fantasy-Storys und Jugendkrimis tatsächlich wenig Aufregendes passiert (außer dem Turmspringen): Kein Vampir biegt um die Ecke, kein Gangster bedroht die Mädchen.

Aber der Alltag ist hier spannend genug: Zum Beispiel wenn es im Getränke- und Snack-Automat in der Schwimmhalle plötzlich Kondome zu kaufen gibt und die Jungs deshalb blöde Witze vor Nadja reißen. Wie peinlich!

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Nach zwei Tagen hat man es fertig gelesen und wundert sich, wo die Zeit geblieben ist. Ein Roman, der süchtig macht. Ein weiterer netter Nebeneffekt: Da Nadjas Familie aus Russland stammt, kriegt man – als Zugabe – einen interessanten Einblick in eine fremde Mentalität. – Ab 10 Jahren.

»Der unvergessene Mantel« von Frank Cottrell Boyce

Dieser Roman wirbt auf wunderbare Weise für Toleranz. Und gleichzeitig ist er so spannend, dass man ihn am liebsten in einem Rutsch durchlesen möchte. Dabei kommt die Story keinesfalls marktschreierisch daher, sondern eher leise: Die Sechstklässlerin Julie soll sich um ihren neuen Klassenkameraden Dschingis kümmern, einen Flüchtlingsjungen aus der Mongolei.

Denn der hat Nachholbedarf beim europäischen Lifestyle. Er weiß nichts vom Fußballspielen. Er hat keine Ahnung, dass ein Pelzmantel bei strahlendem Sonnenschein in England nicht wirklich angebracht ist. Aber auch Julie lernt viel von ihm: Über die Mongolei und deren Riesenblumenbäume.

Oder dass Adler dort eine Mütze auf den Kopf kriegen, um sich zu entspannen. Und plötzlich sieht Julie auch ihr eigenes Land mit anderen Augen. Die beiden werden jedenfalls ziemlich beste Freunde. Bis Dschingis und seine Familie von der britischen Einwanderungsbehörde nachts aus dem Bett geholt und in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Eine traumatische Erfahrung für die Kinder!

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: F.C. Boyce‘ Roman beruht auf einer wahren Geschichte, die den Autor stark mitgenommen hat. Wohl auch deshalb geriet sein Roman »Der unvergessene Mantel« zum heftigen Plädoyer gegen Fremdenhass und für Nächstenliebe.

Das Buch zeigt, was man gewinnen kann, wenn man Verständnis und Neugier für das Unbekannte entwickelt. Gerade heutzutage ist der Stoff aktueller denn je. Kinder haben in den Schulen mit Flüchtlingskindern zu tun und müssen lernen, andere Kulturen kennenzulernen und zu akzeptieren.

Kindern gefällt besonders, dass hier nichts beschönigt wird, niemand verkauft einen für blöd. Das glückliche Ende bleibt aus – so wie es eben auch manchmal im wirklichen Leben läuft. – Ab 10 Jahren.

»Frerk, Du Zwerg!« von Finn-Ole Heinrich

Mit so einem kann man sich doch wunderbar identifizieren: »Frerk, du Zwerg!« schreien die Kinder, wenn er ankommt – egal ob auf dem Spielplatz oder in der Klasse. Dabei ist Frerk nicht mal der Kleinste.

Aber das reimt sich halt so schön auf seinen Namen. Schön doof! Wobei: Die anderen können ihn mal. Wenn er doch nur einen riesengroßen Hund kriegen würde: »So ein Hund würde nicht Stöckchen holen, sondern Bäume fällen, nicht Männchen machen, sondern über Befehle lachen.« Aber seine Mutter ist leider gegen alles allergisch, was Spaß macht.

Also keinen Köter. Stattdessen findet Frerk ein Ei. Ein Seltsames, Knallbuntes, Funkelndes. Er steckt es sich in die Hosentasche – und brütet es aus Versehen aus. Und dann nimmt die Anarchie seinen Lauf …

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Allein schon für solch einen Satz muss man es einfach lieben: »Man wünscht sich was, zum Beispiel einen Hund oder eine Kirschbrause oder einen Bart – und was man dann bekommt, ist nur ein Ei.«

Also wundern Sie sich nicht, wenn aus dem Kinderzimmer ab und zu schrille Laute dringen: Ihr Kind hat wohl gerade einen Lachanfall. Und sei es auch nur, weil es sich die bösen Illus von Ran Flygenring reinzieht. Die 91 Seiten dieses genialen Quatsch-Buches hauen jedenfalls selbst Buchhasser weg wie Leberkässemmel. – Ab 7 Jahren.

»Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen« von Emile Bravo und Jean Regnaud

Ein Buch der Superlative: Denn als erster Comic überhaupt bekam »Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen« den Deutschen Jugendliteraturpreis verliehen.

Die Kraft der Fantasie

Emile Bravo "Meine Mutter ist in Amerika und hat Buffalo Bill getroffen"

Der Zeichner Bravo und der Autor Regnaud haben tatsächlich ein Meisterwerk geschaffen. Es ist ein tragik-komischer Roman in Bildern über den Erstklässler Jean, der glaubt, dass seine Mutter in Amerika sei. Tatsächlich ist sie jedoch tot.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Die Grafic Novel mit den wenigen, aber dafür umso pointierteren Sätzen, überzeugt auch Kinder vom Lesen, die – nett ausgedrückt – nicht auf Bleiwüsten stehen.

Außerdem ist das Buch so charmant geschrieben und gezeichnet, dass ihm selbst Erwachsene verfallen werden: Allein mit welcher überbordenden Fantasie Jean den Verlust eines geliebten Menschen angeht, um ihn überhaupt ertragen zu können … Einfach zum Heulen schön! – Ab 8 Jahren.

»Letzten Donnerstag habe ich die Welt gerettet« von Antje Herden

Kurt ist jetzt nicht so der Coole von der Schule. Sondern ein Nerd mit Brillengläsern, dick wie Fensterglas, und Omas Strickmütze auf dem Kopf. Trotzdem oder gerade deshalb ist er es, der mit seinen Freuden Sandro und Tilda, der Prinzessin, die Welt rettet. Vor gruseligen, dunklen Rattenmännern.

Die Kraft der Klugheit

Antje Herden "Letzten Donnerstag habe ich die Welt gerettet"

Anfangs bemerken die drei nur, dass Eltern nach und nach ihre Kinder vergessen, sie nicht mehr von der Schule abholen oder nicht mehr für sie kochen. Bis dann eines Tages alle Erwachsenen verschwunden sind und stattdessen fiese Nagertypen auftauchen. Also machen sich die drei Gefährten auf einen unheimlichen und ekligen Trip in die Kanalisation, um Mamas und Papas zu befreien.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Weil unsere junge Testleserin, die so schwer fürs Lesen zu begeistern ist, wie ein Faultier zum Hundertmeterlauf, diesen humorvollen Fantasy-Roman mit neun Jahren nur so verschlungen hat. Was ihr besonders gut an »Letzten Donnerstag habe ich die Welt gerettet« gefiel? »Die Kanalisation und dass die Kapitel immer so spannend aufhören. Da will man unbedingt immer weiterlesen. Und natürlich die Abschnitte, als sich die Eltern nicht mehr um die Kinder kümmern und sie deshalb auch keine Schule mehr haben.« – Ab 9 Jahren.

»Izzy Sparrow: Die Geheimnisse von Lundinor« von Jennifer Bell

Harry Potter in der Girly-Version: Die elfjährige Isabelle »Izzy« Sparrow lebt ebenfalls in England und taucht auch in eine fremde, magische Welt ab. Alles beginnt, als ihre Grandma Sylvie einen mysteriösen Unfall erleidet, eine schwarze Feder wie von Zauberhand Warnungen an die Küchenwand kritzelt und dunkle Gestalten sie und ihren älteren Bruder Seb verfolgen. Bei der rasanten Jagd stürzen die Geschwister in einen Koffer – und landen in der magischen Stadt Lundinor, die sich in Londons Untergrund verbirgt.

Im Kampf gegen die Schattenwanderer

Jennifer Bell "Izzy Sparrow: Die Geheimnisse von Lundinor"

Sie betreten eine surreale Welt, in der Klobürsten Blitze schießen und Zitronenpressen Licht spenden. Und die von der bösen Gilde der Schattenwanderer bedroht wird. Immer mehr erkennt Izzy, dass alles mit Oma Sylvie zusammenhängt, die vor 40 Jahren aus Lundinor flüchtete.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: »Izzy Sparrow: Die Geheimnisse von Lundinor« ist eindeutig eine dieser Fantasy-Geschichten, die auch Kinder begeistert, die sonst mit Literatur nicht viel am Hut haben. Die Geschichte ist geheimnisvoll und besitzt die richtige Prise Grusel. Die Londoner Autorin Jennifer Bell kam übrigens auf die Buchidee, als sie ihren Urlaubskoffer packte und sich wünschte, einfach in ihn reinkriechen zu können und direkt an ihrem Ferienort wieder herauszukommen. Unsere Testleserin jedenfalls fieberte dem zweiten Teil förmlich entgegen. Nun ist auch »Izzy Sparrow: Die verschwundene Tür« erschienen. Hier kehren die Geschwister nach Lundinor zurück und erlernen unter anderem die Kunst des Tränkebrauens. – Ab 9 Jahren.

Kommentare

avatar
  Nächste Seite
Seite 1Jugend liest …
Seite 2Kinderbuchklassiker