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Bücher für Grundschul­kinder Test: Grundschulkinder Bücher
Kerstin Güntzel

Kerstin Güntzel

arbeitet als Journalistin unter anderem für ELTERN und ELTERN family. Sie hat für die Süddeutsche Zeitung, BILD, Vanity Fair und dpa geschrieben und ist als zweifache Mutter immer auf der Suche nach Dingen, die das Familienleben einfacher machen.

Kinderbuchklassiker

»Harry Potter« von Joanne K. Rowling

1990 saß Joanne K. Rowling in einem überfüllten Zug von Manchester nach London, als ihr plötzlich die Idee für ihren Helden in den Kopf purzelte: »Ich habe eigentlich immer geschrieben, seitdem ich sechs bin, aber ich war noch nie zuvor von einem Einfall so begeistert. Ich saß einfach da und dachte nach, für ganze vier (verspätete Zug-) Stunden.

Alle Details blubberten in meinem Gehirn hoch, und dieser dürre, schwarzhaarige, bebrillte Junge, der nicht wusste, dass er ein Zauberer ist, wurde für mich immer realer.« Die Britin beendete »Harry Potter und der Stein der Weisen« schließlich 1995, und eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang.

Von der alleinerziehenden Sozialhilfeempfängerin wurde sie dank Harry zur reichsten Frau Großbritanniens – noch vor der Queen. Und ihre Zauberlehrlingsserie zur meistverkauften Kinderbuchreihe der Welt mit rund 500 Millionen Büchern.

Warum uns gerade diese Bücher gefallen: Rowling hat nicht einfach eine gute Story erfunden, sondern gleich eine ganze Welt: Mit Zauberinternat (Hogwarts), einer Art Fußball in der Luft (Quidditch), magischer Parallelwelt (dem Londoner Einkaufsviertel für Hexen und Zauberer), cooler Clique und ultimativem Bösewicht (Lord Voldemort). Das gelang in diesem Umfang, dieser Großartigkeit und Detailverliebtheit zuletzt nur J.R.R. Tolkien in den 40er Jahren mit »Der Hobbit« (übrigens das meistverkaufte Einzelbuch aller Zeiten mit circa 100 Millionen) und »Der Herr der Ringe«.

Gleichzeitig macht Harry eine spannende Entwicklung mit einigen Brüchen durch – er reift vom ängstlichen Buben zum selbstsicheren, jungen Erwachsenen. Dank der geschickten Verknüpfung klassischer Coming-of-Age-Themen wie die erste Liebe, Freundschaft, Mobbing, Trauer oder Depression können sich seine Fans völlig mit ihm identifizieren.

Laut Rowling geht es in den sieben Bänden jedoch hauptsächlich um den Tod: »Die Bücher beginnen mit dem Tod von Harrys Eltern. Dann ist dort auch Voldemorts Obession, den Tod zu überwinden und Unsterblichkeit um jeden Preis zu erlangen, das Ziel eines jeden Magiers. Ich verstehe gut, warum Voldemort den Tod besiegen möchte. Wir fürchten uns doch alle vor ihm.« – Ab 9 Jahren.

»Pippi Langstrumpf« von Astrid Lindgren

»Pippi Langstrumpf», Tochter eines Piratenkapitäns, ist zwar ein Mädchen, aber stark wie zehn Männer. Und sie lebt mit einem Affen, einem Pferd, einem sagenhaften Goldschatz – aber ohne Eltern – in der Villa Kunterbunt.

Doch diese Erfolgsgeschichte kennt ja mittlerweile ohnehin die ganze Welt. Kein Wunder, dass die jungen Leser von Lovelybooks die Abenteuergeschichte um das ungezähmte Mädchen sogar auf Platz eins ihrer Top 10 der besten Kinderbücher aller Zeiten wählten.

Die quirlige Rothaarige, die Lindgren 1941 erfand, als ihre Tochter mit Lungenentzündung im Bett lag, ist noch keinesfalls altersmüde, sondern erobert sich immer wieder aufs Neue das Herz der jüngsten Generation. Ja, es gehört oft schon zur guten Familientradition, dass Eltern dieses Buch an ihre Kinder weiterreichen.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: »Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt.«: Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf hält nichts vom braven Mädchentum, sondern ist ein wahres feministisches Role Model – und das schon zu einer Zeit, in der das Wort Feminismus noch nicht mal erfunden war. Echte Avantgarde. – Ab 8 Jahren.

»Die unendliche Geschichte« von Michael Ende

Der zehnjährige Bastian Balthasar Bux ist ein unglückliches Kind. Klein, dick und fantasiebegabt, wie er ist, wird er von anderen, grob gestrickteren Kindern, gequält. Zuflucht findet er im Antiquariat des alten Karl Konrad Koreander. Dort stößt er auf einen seidengebunden Schmöker, der ihn magnetisch anzieht: »Die unendliche Geschichte«.

Die Kraft des Auserwählten

Michael Ende "Die unendliche Geschichte"

Test besten Bücher für Grundschulkinder: Michael Ende "Die unendliche Geschichte"

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Er klaut das Buch und liest auf dem Schulspeicher heimlich vom Reich Phantásien, in dem sich auf unheimliche Weise das Nichts ausbreitet. Der Grund dafür ist die Krankheit der »Kindlichen Kaiserin«. Nur ein neuer Name kann sie heilen. Und nur ein Menschenkind kann ihr diesen verleihen.
Womöglich ist Bastian ja der Auserwählte …

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Michael Endes Märchen ist eine Ode an all die Menschen, die vor der rauen Wirklichkeit, der Unfreundlichkeit, der Härte, Kälte und Oberflächlichkeit gern mal in eine schönere, buntere und fantastischere Welt fliehen: In die der Buchstaben. Der Autor zeigt am Beispiel von Bastian, dass so viel mehr in schüchternen, introvertierten Menschen steckt, als sie meist nach außen zeigen.

Oft mehr als in den vielen Laut- und Großsprechern, die sich gerne in den Vordergrund drängen. Die Moral der »Unendlichen Geschichte« lautet also: Selbst der größte »Schwächling« kann zum Helden werden, wenn er sich nur seinen Aufgaben stellt.

Außerdem muss man Michael Endes einfache, aber präzise Sätze, die eine ganz neue, bunte Welt aufleben lassen können, einfach lieben. Einer unserer Favoriten im Buch lautet: »Ich möchte wissen«, sagte er vor sich hin«, was eigentlich in einem Buch los ist, solang es zu ist.« – Ab 10 Jahren.

»Die kleine Hexe« von Otfried Preußler

»Es war einmal eine kleine Hexe, die war erst einhundertsiebenundzwanzig Jahre alt, und das ist ja für eine Hexe noch gar kein Alter.«

Originell beginnt Otfried Preußlers fast 50 Jahre altes Märchen. Genau wegen dieser Originalität finden es auch Kinder im 21. Jahrhundert noch cool. Außerdem sind »Die kleine Hexe« und ihr Rabe Abraxas einfach zum Anbeißen: So liebenswert und süß. Gleichzeitig lassen sie sich aber nicht die Butter vom Brot nehmen, wenn’s ein Problem gibt.

Da sie nämlich noch so jung ist, nehmen sie die »großen« Hexen, allen voran die böse Wetterhexe Rumpumpel, nicht Ernst und verbieten ihr auch den Blocksberg. Natürlich will die kleine Hexe es ihnen nun mal so richtig zeigen und löst damit ein ziemliches Tohuwabohu aus.
Aber da sie auch ziemlich klug, gewitzt und frech ist, zahlt sie es den alten Hexen am Ende heim.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Sehr witzig geschrieben das Ganze! Vor allem werden sich die Kinder am Ende des Buches diebisch darüber freuen, dass die bösen Weiber ihr Fett weg kriegen. Ganz nach dem Motto: »Wer zuletzt lacht, lacht am besten.« Übrigens eignet sich das Buch auch schon perfekt zum Vorlesen bei Vorschulkinder. – Ab 6 Jahren.

»Die Brüder Löwenherz« von Astrid Lindgren

Erst mit neun oder zehn Jahren werden sich Kinder bewusst, dass sie auch selbst einmal sterben müssen. Für manche eine knallharte Landung. Mädchen und Jungs, die sich (zu) sehr ängstigen, tröstet Astrid Lindgrens Roman »Die Brüder Löwenherz«.

Die Kraft der zwei Herzen

Astrid Lindgren "Die Brüder Löwenherz"

Ach was, eigentlich sollte das Märchen um das paradiesische Land Nangijala Pflichtlektüre für jedes Kind sein – Angst hin oder her. Auch wenn das Buch von allen Lindgren-Werken am heftigsten Kritik einstecken musste: Der Tod werde darin verharmlost, hieß es.

Doch damit unterschätzt man Kinder und ihr Urteilsvermögen ziemlich. Und auch Lindgren wird Unrecht getan: Denn sie wollte nur ein Trostbuch schreiben. Was ihr Weltklasse gelang. Deshalb ist ihr Roman auch für trauernde und fantasiebegabte Erwachsene eine Offenbarung.

Warum uns gerade dieses Buch gefällt: Es wäre viel zu schade, wenn Ihr Kind dieses Meisterwerk alleine verschlingen würde. Packen Sie es lieber in die große Familienrunde und lesen Sie es reihum vor. Mutter, Vater, Kind – jeder wird so veranlasst, seine Ängste, Sorgen und Hoffnungen auszusprechen. Genauso wie es der todkranke Krümel im Buch vor seinem größeren Bruder Jonathan macht: »Weißt du, dass ich bald sterben muss? … Wie kann es so etwas Schreckliches geben, dass manche sterben müssen, wenn sie noch nicht mal zehn Jahre alt sind?«

Jonathan antwortet ihm darauf mit den Worten: »Was da liegt, ist doch nur so eine Schale von dir. Du selber fliegst ganz woanders hin.« Von nun an erzählt er ihm jeden Abend vom Land Nangijala – dem Land der Sagen und der Märchen, in das die Menschen nach ihrem Tod reisen. Schneller als erwartet, treffen sich die Brüder Löwenherz dort im friedlichen Kirschtal wieder.

Und es kommt der Vorstellung vom biblischen Paradies recht nah. Denn auch die Schlange wartet dort schon – in Form eines dunklen Tyrannen und seines Drachen. Werden es die tapferen Brüder schaffen, Nangijala zu befreien? – Ab 10 Jahren.

»Der kleine Vampir« von Angela Sommer-Bodenburg

Anton Bohnsack ist abends allein zuhause, seine Eltern haben ihren Ausgehsamstag. Trotzdem zieht er sich einen Gruselschmöker rein. Und kriegt fast einen Herzinfarkt, als plötzlich ein leibhaftiger Vampir im Wohnzimmer steht. Aber hallo: Der ist ja viel kleiner als Anton selbst! »Na und? Ich bin eben als Kind gestorben«, antwortet Rüdiger, der Blutsauger, schlagfertig.

Die Kraft der Freundschaft

Angela Sommer-Bodenburg "Der kleine Vampir"

Eben jener Wortwitz macht den deutschen Kinderbuch-Klassiker von 1979 so beliebt. Sogar zur Schullektüre hat er es geschafft. Außerdem spielt Angela Sommer-Bodenburg wunderbar mit Klischees. Denn »Der kleine Vampir« ist mal kein Kotzbrocken, der Menschen ausschlürft, sondern ein richtig netter Kerl.

Nur eins bereitet Anton Kopfzerbrechen: Wie erklärt er seinen Eltern, warum sein neuer Kumpel immer so eine fertige, schwarze Kutte trägt, seine Hand stets verschämt vor den Mund hält und einen ziemlich modrigen Duft verströmt?

Was uns besonders an diesem Buch gefällt: Es hält uns vor Augen, dass wir besser ganz genau hinschauen sollten, vor was wir so furchtbare Angst haben. Denn manchmal bereitet einem das, was einem anfangs die schlimmsten Schauer über den Rücken laufen lässt, später die größte Freude. Spaß haben Anton und Rüdiger nach dem ersten Schreck jedenfalls eine Menge. – Ab 6 Jahren.

»Der Räuber Hotzenplotz« von Otfried Preußler

Was für ein Ekel: »Der Räuber Hotzenplotz« rülpst, bedroht Kasperls Großmutter mit der Pistole und raubt frech ihre schicke Kaffeemühle, die »Alles neu macht der Mai« spielt, wenn man daran kurbelt. Sapperlott, der Mann mit den sieben Messern entführt sogar Kasperl und Seppel, die Oma zu Hilfe eilen wollen und verschachert Kasperl auch noch an den bitterbösen Zauberer Petrosilius Zwackelmann.

Zu dieser illustren Kasperltheater-Gesellschaft gesellt sich der herrlich vertrottelte Wachtmeister Dimpfelmoser. Junge Leser wissen bald nicht mehr, ob sie sich gruseln, den Räuber ob seiner Unverfrorenheit bewundern oder sich wegen lustiger Wörter wie »Papperlapapp« vor Lachen kringeln sollen. Recht so!

Was uns besonders an diesem Buch gefällt: Kinder lieben politische Unkorrektheit. Deshalb lieben sie auch den Räuber Hotzenplotz. Obwohl der schon 55 Jahre auf dem Buckel hat. Sie identifizieren sich mit dem schlauen Kasperl und seinem Freund Seppel, die am Ende der Geschichte stets über die Bösen triumphieren. Was Sie vielleicht noch nicht wussten: Sein geistiger Vater Otfried Preußler benannte den Räuber nach der schlesischen Stadt Hotzenplotz, deren Namen ihn als Kind sehr beeindruckt hatte. – Ab 6 Jahren.

»Das magische Baumhaus« von Mary Pope Osborne

Man kann sich streiten, ob die Zeitreisereihe »Das magische Baumhaus« ein Recht darauf hat, schon als Kinderbuchklassiker bezeichnet zu werden. Wir finden: ja. Denn die Idee der Serie bewährt sich seit vielen Jahren – der erste Band »Im Tal der Dinosaurier« erschien in Deutschland immerhin schon im Jahr 2000. Zudem gehören die mittlerweile 55 Bände sowohl in Deutschland als auch in den USA zu den beliebtesten Kinderbüchern.

Allein bis 2009 verkaufte Mary Pope Osborne weltweit mehr als 40 Millionen Bücher. Die Autorin, die in Connecticut lebt, spazierte irgendwann in den 90ern mit ihrem Ehemann Will durch den Wald, als sie auf ein verfallenes Baumhaus stieß. Die Geschichte rund um die Geschwister Anne und Philipp, die ein Baumhaus voller Bücher entdecken, war geboren. Die Kinder können nämlich sämtliche Orte besuchen, die in den Büchern vorkommen. So starten sie in fremde Welten und in die Vergangenheit.

Was uns besonders an diesem Buch gefällt: Lernen macht selten so viel Spaß! Vor allem weil man gar nicht merkt, wie viel Wissen man sich gerade »erlesen« hat, zum Beispiel rund um die Pharaonen, Wikinger oder die Maya-Kultur. Weil Historisches in den Bänden so fesselnd präsentiert wird, merken sich die Kinder die Infos automatisch – ganz ohne Büffeln und Auswendiglernen. – Ab 8 Jahren.

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