Die besten Elternratgeber fürs erste Kind

Es gibt unzählige Elternratgeber für die erste Zeit mit dem eigenen Baby. Um herauszufinden, welche aktuell und nützlich sind, haben wir eine Mutter, die die ersten Monate schon hinter sich hat, zwölf ganz unterschiedliche Ratgeber lesen lassen. Wir sagen Ihnen, welcher sich für wen eignet.

Schreien, Schlafen, Stillen: Wenn es um den richtigen Umgang mit einem Baby geht, gibt es unzählige Meinungen. Oma rät oft was anderes als der mütterliche Instinkt. Und wenn man in der Krabbelgruppe zehn Mütter fragt, dann sind sich selten alle einig, wie man sich am besten verhält, wenn sich das Kind nicht ablegen lässt, wenn es viel weint oder wenn es die Nacht zum Tag macht. Hinzu kommt: Junge Menschen haben heute oft keinerlei Erfahrung im Umgang mit Säuglingen, wenn sie zum ersten Mal Eltern werden.

Kein Wunder, dass gerade beim ersten Kind die Verunsicherung groß ist. Da liegt es nahe, Rat in Büchern zu suchen. Doch welcher Ratgeber ist wirklich hilfreich?

Rund 630 Titel findet man bei Amazon, wenn man nach einem Elternratgeber zum Thema Baby sucht. Da ist es für Schwangere oder junge Eltern nicht leicht, den richtigen zu finden.

Eins vorneweg: Hören Sie unbedingt auch auf Ihre Intuition! Denn Mütter sind oft die besten Experten für ihr Baby und jedes Kind ist anders. Schema F funktioniert oft nicht, auch wenn das manche Ratgeber suggerieren.

Die zwölf beliebten Ratgeber, die wir uns angesehen haben.

Wissenschaftlich fundiert

»Babyjahre« von Remo H. Largo

Der Schweizer Remo H. Largo ist Professor für Kinderheilkunde und untersucht seit vielen Jahrzehnten die Entwicklung von Kindern. Er führte die bedeutendste Langzeitstudie über die kindliche Entwicklung im deutschsprachigen Raum durch: Für die »Longitudinalstudie« der Zürcher Universität hat er die Entwicklung von mehr als 700 Kindern von der Geburt bis ins Erwachsenenalter beobachtet und aufgezeichnet.

Kindliche Entwicklung: »Babyjahre« von Remo H. Largo

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Remo Largo Babyjahre
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von 12 Lesern gekauft

Sein Buch »Babyjahre« ist ein Klassiker, der erstmals 1993 erschienen ist und immer wieder überarbeitet und aktualisiert wurde. Kein Wunder, dass Largo in fast allen anderen Babyratgebern immer wieder zitiert wird.

Auf knapp 600 Seiten behandelt der Schweizer Kinderarzt die Themen Beziehungsverhalten, Motorik, Schlafverhalten, Schreiverhalten, Spielverhalten, Sprachentwicklung, Trinken und Essen, Wachstum sowie Trocken- und Sauberwerden. Im Anhang finden sich Meilensteine der ersten vier Lebensjahre, Gewichts- und Längenkurven ebenso wie Fragen, die man einer Tagesmutter oder einer Kindertagesstätte stellen sollte.

Jedes Kapitel ist unterteilt in verschiedene Altersstufen. Schon Schwangere finden darin Informationen, denn auch die Zeit vor der Geburt wird behandelt. Danach geht Largo jeweils auf die einzelnen Lebensmonate ein, bis hin zum 48. Monat. Am Ende jedes Kapitels wird das Wichtigste nochmals kurz zusammengefasst. Der durchdachte Aufbau erleichtert das Querlesen und das gezielte Suchen von Themen.

In dem Buch gibt es viele Tabellen und Grafiken, die die enorme Bandbreite normaler kindlicher Entwicklung veranschaulichen. Die Fotos sind nicht im Studio oder von professionellen Fotografen gemacht, sondern sehen aus wie aus dem Fotoalbum ganz normaler Familien – sie stammen auch zum Großteil vom Autor. Das Layout wirkt insgesamt ein bisschen altbacken, dafür ist der Inhalt um so besser.

Das Tolle an diesem überaus nützlichen Nachschlagwerk für Eltern ist, dass Largo eindrücklich zeigt, wie vielfältig die Entwicklung von Kindern verläuft und dass das völlig normal ist. Die Lektüre ist vor allem für jene Eltern beruhigend, deren Kind in manchen Bereichen nicht zu den allerschnellsten gehört.

Largo appelliert an die Eltern, ihr Kind nicht immer mit anderen zu vergleichen. Er erklärt die biologischen Voraussetzungen für bestimmtes Verhalten und ermöglicht es Eltern so, ihr Kind besser zu verstehen und zu erkennen, was sie schon von ihm erwarten können und was nicht. Er schreibt Eltern nicht vor, was sie genau zu tun haben, damit das Kind beispielsweise nachts durchschläft, gut isst und sich artig benimmt. Er pocht darauf, dass eben jedes Kind anders ist. Viele Schwierigkeiten im Umgang mit Kindern ergeben sich seiner Ansicht nach allein daraus, dass wir uns auf diese Vielfalt nicht wirklich einstellen.

Mein Fazit: Wenn man sich nur einen einzigen Babyratgeber zulegen will, dann findet man in Remo H. Largos »Babyjahre« (Piper Verlag) alle Informationen, die man in den ersten vier Jahren benötigt, übersichtlich und vor allem auch wissenschaftlich fundiert aufbereitet.

Hintergrundinformationen

»Kinder verstehen« von Herbert Renz-Polster

Warum tut mein Kind, was es tut?: »Kinder verstehen« von Herbert Renz-Polster

Während Remo H. Largo die kindliche Entwicklung beschreibt, geht Herbert Renz-Polster in »Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt« auf das »Warum« ein: Warum verhalten sich Kinder so »seltsam«, wie sie sich oft verhalten?

Wer das verstehen will, der ist mit dem gut 500 Seiten dicken Buch, das 2009 zum ersten Mal erschienen ist und seither acht neue Auflagen und Aktualisierungen erfahren hat, gut beraten. Herbert Renz-Polster ist Kinderarzt und Dozent an der Universität Heidelberg. Außerdem ist er Vater von vier Kindern.

Das Buch ist ein ziemlicher Wälzer und hat 18 Kapitel, die meisten davon haben nochmal ein Unterkapitel. Verschiedene Schriftfarben sollen Orientierung bieten bei dem etwas unübersichtlichen Aufbau. Außerdem gibt es zahlreiche Fußnoten in zwei Farben, zu einigen findet man die Anmerkungen im Anhang des Buches, andere führen auf die Webseite zum Buch. Das ist zwar ganz innovativ, wer es ganz genau wissen will, muss das Buch aber in der Nähe eines Rechners oder Smartphones mit Internetzugang lesen.

Die ersten Kapitel sind den wichtigen Themen im Leben des Babys gewidmet: Es geht darum, wie Kinder essen und schlafen lernen, ums Stillen und ums Beifüttern. Renz-Polster behandelt außerdem die Themen Familienbett, Schreien, und Trocken- und Sauberwerden, gefolgt von einem Kapitel zum Thema Evolution.

Im zweiten Teil gibt es dann Kapitel zu den Themen Bindung, Fremdeln, natürlicher Umgang mit Säuglingen, Persönlichkeiten von Kindern und wie man kompetent erzieht. Das Buch umfasst im Grunde die gesamte Kindheit, sogar die Jugendzeit wird teilweise behandelt.

Der Autor gibt immer wieder Tipps aus evolutionärer Sicht und legt den Fokus auf die Potenziale der Kinder statt nach ihren Defiziten zu suchen. Renz-Polsters These zu kindlichem Verhalten ist: Kinder haben alle uns manchmal unverständlich erscheinenden Verhaltensweisen im Laufe der Evolution entwickelt, um besser mit ihrer Umwelt zurechtzukommen und für das Leben gerüstet zu sein. Die »schlimmen« Kinder sind in Wirklichkeit (Über)lebenskünstler.

Mein Fazit: Das Buch »Kinder verstehen« von Herbert Renz-Polster (Kösel-Verlag) eignet sich gut als Navigationshilfe für eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, Verhaltensweisen von Kindern nachzuvollziehen. Der Autor zeigt verständliche Gründe für kindliches Verhalten auf und weckt Verständnis für das Verhalten der Kinder.

Wer dieses Buch gelesen hat, geht wahrscheinlich entspannter mit dem Thema Erziehung um, auch wenn es anders als andere Ratgeber nur wenige konkrete Tipps parat hat. Als Hintergrundinformation für Eltern, die sich für das »Warum« interessieren und gerne lesen, ist es auf jeden Fall empfehlenswert.

Begleiter für das erste Jahr

»Das große Buch für Babys erstes Jahr« von Stephan Nolte und Annette Nolden

Im Gräfe und Unzer Verlag sind gleich mehrere Ratgeber erschienen, die Eltern im ersten Lebensjahr begleiten sollen. Das dickste und teuerste ist »Das große Buch für Babys erstes Jahr« von Stephan Nolte und Annette Nolden.

Homöopathisch: »Das große Buch für Babys erstes Jahr« von S. Nolte/A. Nolden

Der Ratgeber ist erstmals 2013 erschienen. Stephan Nolte ist Mediziner und arbeitete als leitender Oberarzt an der Universitäts-Kinderklinik Marburg. Danach praktizierte er als niedergelassener Arzt. Er hat psychotherapeutische und homöopathische Weiterbildungen absolviert und auch ein Buch zum Thema »Homöopathie für Kinder« verfasst. Annette Nolden ist dagegen Sprach- und Literaturwissenschaftlerin und Autorin im Bereich Gesundheit und Lebenshilfe. Sie ist selbst Mutter eines Sohnes.

Der Ratgeber hat rund 400 Seiten. In je einem ausführlichen Kapitel werden die Themen Geburt, Stillen und Füttern, Schlafen und Trösten sowie Babys Gesundheit behandelt.

Den größten Teil des Buches nimmt allerdings »Monat für Monat« ein. Jeder Lebensmonat im ersten Jahr wird darin behandelt, auf jeweils rund 10 Seiten, untergliedert in Wachstum und Entwicklung, geistige und die emotionale Entwicklung, gesund bleiben, Elterncoach und ein Extra für Mütter.

Das Layout ist ansprechend und modern, es werden immer wieder Infos und Tipps hervorgehoben, außerdem sind Kapitel eingestreut, die Praxistipps wie beispielsweise das Wickeln mit Stoffwindeln behandeln oder wie man sein Kind beim Baden richtig festhält.

Das erste Kapitel ist eher theoretisch und in den weiteren werden leider etliche Informationen verbreitet, die falsch oder nicht ganz korrekt sind. So ist beispielsweise die Rede davon, dass man Babys mit Muttermilch überfüttern kann und dass Kinder, die nach dem ersten Geburtstag noch mehrmals gestillt werden, Gefahr laufen, eine zu enge Bindung mit der Mutter einzugehen. Statt von Fluorid zur Kariesprophylaxe ist doch tatsächlich von Fluor die Rede – das ist etwas völlig anderes! Und wenn man im Ausland oder im Zug stillen will, rät das Buch Müttern allen Ernstes dazu, die Brust vor dem Stillen mit abgekochtem Wasser oder Trinkwasser aus der Flasche abzuwaschen.

Die Themen Tragen im Tuch oder in einer Tragehilfe kommen in dem Buch zu kurz, es gibt keine Hinweise, auf was zu achten ist. Dafür gibt es eine Doppelseite zum Thema Wickeln mit Stoffwindeln, allerdings wird dort eine sehr alte Technik vorgestellt. Dass der Stoffwindelmarkt heutzutage sehr viel komfortablere und modernere Wickelsysteme anbietet, davon erfährt der Leser leider nichts.

Ein ganzes Kapitel ist dem Thema Homöopathie gewidmet, was aber nicht verwunderlich ist – Nolte ist auch Autor eines Buches über Homöopathie für Kinder. Wie auch immer man zu Homöopathie steht – erwähnt werden sollte zumindest, dass es für homöopathische Behandlungen trotz sehr vieler Studien zu dem Thema keinen wissenschaftlichen Nachweis einer Wirksamkeit gibt, die über den Placebo-Effekt hinausgeht.

Positiv hervorzuheben ist, dass auch dem Wochenbett ein Unterkapitel gewidmet ist und auch Übungen zur Kräftigung des Beckenbodens gezeigt werden – dieses wichtige Thema kommt in anderen Ratgebern oft viel zu kurz. Die monatlichen Checklisten, was jeweils ansteht, sind ganz nützlich, ebenso der Überblick über Krankheiten.

Mein Fazit: Für ein Standardwerk – so der Untertitel – sind in »Das große Buch für Babys erstes Jahr« von Stephan Nolte und Annette Nolden (GU) zu viele fragwürdige Informationen enthalten, während andere wichtige Themen zu kurz kommen. Mich haben andere Ratgeber für das erste Lebensjahr mehr überzeugt.

»Das Baby 1×1« von Birgit Laue

Tipps zur Babypflege: "Das Baby 1x1" von Birgit Laue

Eine Alternative aus Hebammensicht ist »Das Baby 1×1« von Birgit Laue. Die freiberufliche Hebamme hat über 20 Jahre Erfahrung in klinischer und außerklinischer Geburtshilfe, ist in der Fortbildung für medizinische Fachleute tätig und hat als Medizinjournalistin mehrerer Bücher zum Thema Kinder- und Frauengesundheit geschrieben.

Ihr broschierter Ratgeber ist 2012 das erste Mal erschienen und hat 160 Seiten. Darin geht es um die wichtigsten Hebammentipps fürs erste Jahr, die Schwangerschaft spielt in diesem Buch keine Rolle.

Insgesamt gibt es 302 Tipps. Das Buch ist untergliedert in sieben Kapitel. Von der Ernährung bis zur Gesundheit Ihres Babys ist alles dabei. Außerdem gibt es einen Service-Teil zum Nachschlagen mit Büchern und Adressen, die weiterhelfen und ein Register. Layout und Fotos sind ansprechend und modern.

Das Buch ist leicht lesbar, in jedem Kapitel gibt es eine kurze Einleitung und dann folgen sehr sachlich geschriebene Tipps. Das Buch ist allerdings eher oberflächlich und geht nicht in die Tiefe. Birgit Laue beschreibt zwar zutreffend, wie Babys ticken, Hintergründe, warum Babys so ticken, wie sie ticken, fehlen aber. Zudem wird immer wieder darauf verwiesen, seine Hebamme zu fragen oder sich etwas von ihr zeigen zu lassen. In Zeiten des Hebammenmangels ist das allerdings nicht jeder Frau möglich, viele haben überhaupt keine Nachsorgehebamme mehr.

Nützlich sind ganz praktische Tipps wie man beispielsweise einen Kohlwickel bei schmerzenden Brüsten macht, wie man einen Sauger richtig reinigt oder wie man beim Schwimmengehen Brustwarzen vor Chlorwasser und Schwimmbadkeimen schützt.

Laue gibt nicht nur Informationen zum Thema Stillen, sie hat auch Tipps parat, wie man abstillt und die verschiedenen Säuglingsanfangsnahrungen werden erklärt. Außerdem gibt es ausführliche Tipps zur Flaschenfütterung.

Die Informationen sind leider häufig nicht auf dem neuesten Stand – beispielsweise bezüglich der Zulassung von Kindersitzen und – was besonders ärgerlich ist – auch was die Empfehlungen zur Beikost betrifft. Laue schreibt, Eier und Gluten sollten im ersten Lebensjahr wegen Allergiegefahr gemieden werden. Diese Empfehlung ist seit November 2009 veraltet – sie wurde also bereits drei Jahre vor dem ersten Erscheinen des Ratgebers geändert. Zudem werden an Eltern-Kind-Kursen nur PEKiP-Kurse erwähnt, nicht aber die inzwischen zahlreichen anderen Anbieter. Auch das Thema Tragen kommt ein bisschen zu kurz.

Und wie zahlreiche Hebammen ist auch Laue eine Verfechterin der Homöopathie. Sie empfiehlt immer wieder homöopathische Mittel und hält die Homöopathie für ein »seriöses Naturheilverfahren« – obwohl es für deren Wirksamkeit wie gesagt keinen wissenschaftlichen Beweis gibt.

Mein Fazit: Für Eltern, die keine Nachsorgehebamme gefunden haben, kann »Das Baby 1×1« von Birgit Laue (GU) vielleicht ganz nützlich sein, vor allem wenn man noch keinerlei Erfahrungen mit Babypflege hat. Allerdings sind einige Informationen veraltet. Wer wirklich erfahren will, warum sein Baby so tickt, wie es tickt, dem würde ich einen anderen Ratgeber empfehlen.

»Babys erstes Jahr – alles was wichtig ist« von Vivian Weigert und Franz Paky

Treffend und aktuell: »Babys erstes Jahr« von Vivian Weigert

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Vivian Weigert Babys erstes Jahr
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Der dritte Ratgeber für das erste Jahr, das Buch »Babys erstes Jahr – alles was wichtig ist« von Vivian Weigert und Franz Paky hat mich mehr überzeugt als die beiden anderen. Er erschien erstmals 2015 und ist somit sehr aktuell.

Vivian Weigert leitet die Fachstelle für Bindungsfördernde Eltern-Baby-Beratung im Zentrum für Natürliche Geburt und Elternsein e.V. in München. Sie ist zudem im »Arbeitskreis Stillen« des Gesundheitsreferats der Stadt München als Referentin aktiv und arbeitet als Heilpraktikerin. Franz Paky ist Kinderarzt, als solcher leitete er die Kinderabteilung des Landeskrankenhauses im österreichischen Vöcklabruck. Er hat mehrere Schreiambulanzen gegründet und ist Referent für kindliche Schlafstörungen auf internationalen Tagungen.

Der Ratgeber von Weigert und Paky hat 190 Seiten und ist ansprechend modern gestaltet. Untergliedert ist er nach Altersstufen, außerdem gibt es noch einen ausführlichen Service-Teil. Die Kapitel sind jeweils untergliedert in Unterkapitel, die sich mit Pflege, Gesundheit, Schlaf und Motorik beschäftigen.

Das Buch behandelt alle wichtigen Themen rund ums Kind sehr umfassend, auch wenn es nicht besonders dick ist. Die Informationen sind – von Empfehlung für Globuli mal abgesehen – auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand und verlässlich. Es bestärkt Eltern in einem bindungsorientierten Weg. Die wichtigen Themen Tragen, langes Stillen und Schlafen im Familienbett werden vorurteilsfrei und ausführlich dargestellt. Sogar »windelfrei« kommt vor und die Beikost-Methode »babygeführtes Abstillen« (Baby Led Weaning – BLW).

Eltern finden in diesem Ratgeber sowohl Rezepte für Beikost als auch Kniereiterspiele und Reime. Auch wichtige gesetzliche Regelungen zu Mutterschutz und Elterngeld werden vorgestellt.

Mein Fazit: »Babys erstes Jahr« von Vivian Weigert und Franz Paky (GU) ist ein durchaus empfehlenswerter Ratgeber, der die wichtigsten Themen im ersten Jahr kurz, aber ausreichend und wissenschaftlich auf dem neuesten Stand behandelt. Von den drei vorgestellten Büchern fürs erste Jahr aus dem Gräfe und Unzer Verlag ist dieses mein klarer Favorit.

Ratgeber für bindungsorientierte Elternschaft

Bindungsorientierte Elternschaft, auch Attachment Parenting genannt, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Und so gibt es inzwischen eine Reihe von Ratgebern, in denen die Bedürfnisse der Babys im Vordergrund stehen und die für eine naturnahe Erziehung plädieren. Ich habe vier davon gelesen.

»Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust« von Julia Dibbern

Mit Schwangerschaft: »Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust« von Julia Dibbern

»Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust« von Julia Dibbern ist ein Ratgeber im Taschenbuchformat, der 275 Seiten umfasst und 2014 erschienen ist. Er ist stellenweise in Ich-Form geschrieben und die Autorin schildert darin auch ihre eigenen Erfahrungen. Ansonsten spricht sie ihre Leser ganz direkt an. Julia Dibbern hat mal Architektur studiert, ist Fachjournalistin und Autorin mehrerer Bücher und hat einen Sohn.

In ihrem Buch bietet sie neun Verwöhn-Bausteine für Babys an, denn ein Baby kann man gar nicht genug verwöhnen – sogar schon vor der Geburt. Diesen Ratgeber kann man sich bereits in der Frühschwangerschaft zulegen, denn zwei Kapitel behandeln die Themen Schwangerschaft und Geburt. Die Autorin gibt sich undogmatisch, sie schreibt: »Keiner dieser Verwöhn-Bausteine« ist ein Muss. Man soll sich so bedienen, wie es für die Familie passt.

Bei der Lektüre kommt einiges dann aber doch ziemlich dogmatisch daher. Dibbern plädiert fürs Stillen und für Baby Led Weaning, dem Baby Brei zu geben wird überhaupt nicht in Erwägung gezogen, in dieser Hinsicht ist der Ratgeber ein bisschen eindimensional. Außerdem finden sich in dem Buch ein Plädoyer für das Tragen und für Windelfrei.

Ihre Ansichten versucht die Autorin mit Quellenangaben wissenschaftlich zu unterfüttern, die Auswahl der Quellen erscheint mir aber ein bisschen tendenziös. Was ins eigene Weltbild passt, wird aufgeführt, was nicht, eher verschwiegen.

Mein Fazit: Julia Dibbern ermutigt in »Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust« (Beltz-Verlag) Eltern dazu, auf ihr Baby zu hören und ihm zu vertrauen. Das ist ein sehr kindgerechter Ansatz. Sie nimmt Eltern auch die Angst, sie könnten ihr Baby zu sehr verwöhnen und gibt ihnen Argumente an die Hand, mit denen sie ihren bedürfnisorientierten Weg gegen die häufig verbreiteten Ansichten der älteren Generation gehen können. Der Ratgeber eröffnet neue Perspektiven gegen den Erziehungs-Mainstream, ist aber in manchen Punkten meiner Meinung nach zu einseitig.

»Artgerecht – Das andere Baby-Buch« von Nicola Schmidt

So tickt das Kind: »Artgerecht« von Nicola Schmidt

Die Autorin Nicola Schmidt ist mit Julia Dibbern befreundet, zusammen haben sie das Artgerecht-Projekt gegründet, das sich dafür einsetzt, dass Menschenkinder artgerecht aufwachsen. In »Artgerecht – Das andere Baby-Buch« hat Nicola Schmidt zusammengetragen, was Babys biologisch gesehen brauchen, um körperlich und seelisch gesund aufzuwachsen. Es ist 2015 erschienen und soll Eltern auf knapp 290 ansprechend gestalteten Seiten helfen, ihren eigenen Weg zu finden – im Einklang mit der Natur des Kindes. Das Buch umfasst auch Kapitel zum Thema »Artgerecht schwanger« und »Artgerecht zur Welt kommen« und eignet sich daher auch schon für Schwangere.

Nicola Schmidt ist Wissenschaftsjournalistin, Bloggerin und Social-Media Expertin. Ihr Buch soll Eltern vermitteln, wie ihr »Steinzeitbaby« tickt und sie gibt ganz konkrete Tipps, wie man das im Alltag praktisch umsetzen kann. Sie ermutigt Eltern, das Konzept an ihre persönliche Lebensrealität anzupassen. Ihre Herangehensweise ist weniger eine persönliche, als eine wissenschaftliche. So gibt es in jedem Kapitel ein Unterkapitel »das sagt die Wissenschaft«. In das Buch sind außerdem Zitate von Eltern eingestreut, was sie gerne vorher über ihre Babys gewusst hätten.

Schmidt vertritt die These, dass artgerechtes Familienleben am Anfang aufwändiger ist, später aber viel Arbeit spart. Und sie vertritt vehement die Meinung, dass zu einer funktionierenden Eltern-Kind-Beziehung auch ein funktionierendes Netz unterstützender Menschen gehört, der Clan. Sie gibt auch Anregungen, wie sich Mütter einen solchen Clan schaffen können und ermutigt sie, sich von Anfang an so viel Unterstützung zu suchen, wie sie kriegen können.

Mein Fazit: Nicola Schmidts »Artgerecht – Das andere Baby-Buch« (Kösel Verlag) trägt zum besseren Verständnis von Babys bei und zeigt einen Weg auf, der im wahrsten Sinne des Wortes »artgerecht« ist. Und zwar nicht nur für die Säuglinge, sondern auch für die Eltern, deren Bedürfnisse nicht vernachlässigt werden. Die Informationen in diesem Ratgeber sind sehr fundiert und das Buch räumt mit unzähligen Ammenmärchen auf.

Dabei ist es vollkommen undogmatisch, auch wenn es in vielen Punkten Alternativen zur Mainstream-Erziehung von Babys aufzeigt. Ich kann Schmidts Ratgeber jeder Schwangeren empfehlen, die bereit ist, althergebrachte Vorstellungen auch mal kritisch zu hinterfragen. Es ist auf jeden Fall eine gute Ergänzung zu einem »herkömmlichen« Baby-Ratgeber.

»Mein kompetentes Baby« von Nora Imlau

Was Babys alles können: »Mein kompetentes Baby« von Nora Imlau

Die Autorin Nora Imlau lenkt in »Mein kompetentes Baby« den Blick darauf, welche Kompetenzen Babys schon von Geburt aus mitbringen, statt zu sagen, was sie alles noch nicht können. Diese Erkenntnis ist stark von Herbert Renz-Polster geprägt. Auf 200 Seiten erklärt sie, wie Kinder zeigen, was sie brauchen.

Der Ratgeber ist 2016 erschienen und mit Farbfotos illustriert. Nora Imlau ist Journalistin und Fachautorin für Familienthemen, sie schreibt unter anderem für ELTERN und hat zahlreiche Elternratgeber veröffentlicht. Sie ist selbst Mutter dreier Kinder.

Imlaus These: Wenn man Kinder als kompetente Wesen begreift und darauf hört, was sie brauchen, kann das das Familienleben erheblich erleichtern. Im Buch legt sie dar, was ein Neugeborenes schon alles kann, sie schreibt über kompetente Stillkinder und kompetente Essanfänger, kompetente kleine Schläfer und zeigt auf, wie kompetente Babys mit uns kommunizieren und ihre Motorik entwickeln.

Zuletzt geht es darum, wie kompetente Babys soziales Verhalten und Empathie entwickeln. Wer Imlaus Buch liest, kommt zu dem Schluss, dass viele Probleme, beispielsweise was den Beikoststart betrifft oder das Thema Schlafen, aus unrealistischen Erwartungen an das Baby resultieren.

Mein Fazit: »Mein kompetentes Baby« von Nora Imlau (Kösel Verlag) hilft Eltern, ihre Kinder besser zu verstehen und nimmt ihnen einige Last von den Schultern. Dieses bessere Verständnis führt häufig zu einem entspannteren Alltag mit dem Kind. Der Ratgeber ist nicht zu dick, gut lesbar und empfehlenswert für alle, die ihr Baby besser verstehen wollen.

»Das Geheimnis zufriedener Babys« von Nora Imlau

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Das zweite Buch von Nora Imlau, »Das Geheimnis zufriedener Babys« richtet sich bereits an Schwangere und hat einen stärkeren Ratgebercharakter. Anders als andere Ratgeber aus dem Gräfe und Unzer Verlag ist das Buch emotionaler gehalten und persönlicher. Imlau erzählt darin auch von ihren eigenen Erfahrungen und denen ihrer Freundinnen. Zudem sind Zitate berühmter Persönlichkeiten eingestreut.

Erschienen ist das Buch bereits 2013, es hat gut 190 Seiten und ist modern und ansprechend gestaltet. Es beinhaltet sieben Geheimnisse als Sammlung der besten Strategien für ein liebevolles und bedürfnisorientiertes Familienleben. Sie sollen Eltern helfen, eine feste Bindung zu ihrem Baby aufzubauen. Die sieben Geheimnisse sind: Liebevoll begrüßen, Mamas gute Milch, gemeinsam gut schlafen, Babys verstehen, ins Leben tragen, liebevoll betreuen und nicht zuletzt zufriedene Eltern.

So schreibt Imlau denn auch: »Schon Babys können lernen, dass sie immer bekommen sollen, was sie brauchen, aber nicht immer, was sie wollen – weil andere Menschen in der Familie auch Bedürfnisse haben und diese ebenfalls wichtig sind.« Bedürfnisorientierte Erziehung heißt für die Autorin nicht, das Baby alles machen zu lassen, sondern ihm alles zu geben, was es braucht.

Mein Fazit: Nora Imlau verteilt in »Das Geheimnis zufriedener Babys« (GU) keine Ratschläge, sie belehrt nicht und sie gibt auch keine Anweisungen. Sie fasst vielmehr das Wesentliche der bedürfnisorientierten Erziehung anschaulich und undogmatisch zusammen. Die Mischung aus Erklärungen, Zitaten und konkreten Tipps ist vor allem für Eltern geeignet, die es gerne ein bisschen emotionaler haben und nicht so sachlich-trocken.

Ratgeber für Eltern mit Schreibabys

»Das glücklichste Baby der Welt« von Harvey Karp

Für Schreibabys: »Das glücklichste Baby der Welt« von Dr. Harvey Karp

Das Buch »Das glücklichste Baby der Welt« von Harvey Karp richtet sich an Eltern mit Kindern bis drei Monate, die viel schreien. Es verspricht eine Methode zur einfachen Beruhigung schreiender Babys.

Dr. Harvey Karp ist ein amerikanischer Kinderarzt, der sich seit 30 Jahren mit Babys und Kleinkindern beschäftigt. Das Taschenbuch hat 380 Seiten und der Text ist mit comicartigen Illustrationen bebildert. Es besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: »Warum Babys weinen – und warum manche so viel weinen« und »Die alte Kunst des Beruhigens erlernen«.

Karps These ist, dass Babys evolutionsbedingt drei Monate zu früh geboren werden und deshalb so viel schreien, weil sie sich erst an das Leben außerhalb der Gebärmutter gewöhnen müssen. Eltern können ihre Babys deshalb großartig beruhigen, wenn sie in den ersten drei Lebensmonate die Bedingungen im Mutterleib nachahmen. In traditionellen Kulturen sei das gang und gäbe. Deshalb ahme fast jede traditionelle Beruhigungstechnik das nach, was Babys in der Gebärmutter spüren, so Karp.

Er beschäftigt sich in seinem Buch ausführlich mit verschiedenen Kolik-Theorien, seine Argumentation ist gut nachvollziehbar und verhilft Eltern zu einem besseren Verständnis der Drei-Monats-Koliken, unter denen viele Säuglinge leiden.

Und Karp gibt Eltern Rüstzeug an die Hand, mit dem sie das Baby beruhigen können: Die 5-S-Methode besteht aus strammem Einwickeln (Pucken), Seiten-Bauchlage, um den Moro-Reflex zu inaktivieren, Schhhh-Lauten, Schaukeln und Saugen. Karp erklärt ganz genau und detailliert, wie man die einzelnen »S«s anwendet, um den Beruhigungsreflex des Babys zu aktivieren, den er als eine Art Aus-Schalter sieht.

Als Beleg für die Wirksamkeit seiner Methode nennt er unter der Überschrift »Zeugenaussagen von der Babyfront« immer wieder Beispiele von Eltern, denen sie geholfen hat.

Mein Fazit: »Das glücklichste Baby der Welt« von Harvey Karp (Goldmann Verlag) ist für Eltern mit Schreibabys in jedem Fall eine Anschaffung wert. Wie es Amerikanern oft eigen ist, ist Karp felsenfest davon überzeugt, dass seine Methode bei jedem Kind erfolgreich ist und in diesem (amerikanischen) Stil ist das Buch auch geschrieben.

Diese Garantie würde ich nicht geben, aber seine Methode erscheint sehr plausibel und das Buch trägt in jedem Fall zu einem besseren Verständnis der Drei-Monats-Koliken bei.

»Oje, ich wachse!« von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij

Entwicklungssprünge: »Oje, ich wachse!« von H. van Rijt/F. X. Plooij

Das überaus populäre Buch »Oje, ich wachse!« von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij hat ebenfalls den Anspruch, bei schreienden Babys zu helfen – aber auf eine ganz andere Art und Weise. Es geht darin auf 440 Seiten um die zehn Sprünge in der mentalen Entwicklung des Kindes während der ersten 20 Monate – und wie Eltern damit umgehen können.

Das Buch ist bereits 1994 auf Deutsch erschienen, die aktuelle Ausgabe wurde 2015 erweitert und aktualisiert. Illustriert ist sie mit kindlichen Zeichnungen in schwarz-weiß. Die Autoren stammen aus den Niederlanden und sind Psychologen. Sie haben sich jahrzehntelang mit der Beziehung zwischen Eltern und Babys beschäftigt.

Von dem Buch gibt es übrigens auch eine Taschenbuchversion, die die acht Sprünge in der mentalen Entwicklung Ihres Kindes während der ersten 14 Monate behandelt. (Goldmann Verlag, 10,99 Euro)

In dem Buch wird dargelegt, dass es immer einen Grund für Schreiattacken gibt. Wenn das Baby gewickelt und gefüttert ist und auch sonst keine Anzeichen für eine Erkrankung aufweist, könnte das Weinen an einem Entwicklungsschub liegen. Und es ist völlig normal, wenn Babys schreien, denn die Entwicklungssprünge sind rasant und stellen die Lebenswelt des Säugling jedes Mal auf den Kopf.

Nach einer Einleitung geht es darum, wie das Baby größer wird und wie Neugeborene ihre Welt erleben. Danach werden die zehn Sprünge in chronologischer Reihenfolge abgearbeitet. Der Aufbau der Kapitel ist immer der gleiche: Der Sprung kündigt sich an, was macht den Sprung aus und wie können Sie dem Baby beim Lernen helfen. Schließlich ist der Sprung geschafft und es beginnt eine unkomplizierte Phase.

Eingestreut sind immer wieder die Zitate von 52 Müttern mit gesunden Babys. Sie sollen dem Leser wohl vermitteln: Anderen Müttern geht es genauso wie Dir, die haben die selben Gefühle und Probleme mit ihrem Kind. Väter kommen im dem Buch übrigens so gut wie gar nicht vor. Zudem enthält jedes Kapitel Kästen, in die man die individuellen Verhaltensweisen seines Kindes notieren kann – es ist also eine Art Arbeitsbuch.

Vieles in dem Buch ist äußerst redundant geschrieben, so sind nicht nur die Unterüberschriften bei den einzelnen Sprung-Kapiteln identisch, es wird auch in jedem Kapitel exakt das gleiche wiederholt und man muss lange danach suchen, was jetzt eigentlich gerade vor sich geht.

In jedem Kapitel wird mantra-artig darüber aufgeklärt, dass sich das Baby unsicher fühlt und Nähe braucht. Dass es mehr schreit, schlechter schläft und sich mehr an Mama klammert. Das nervt ganz schön. Und es wird auch nicht erklärt, warum es das tut, welche Bedürfnisse dahinter stecken. Der Fokus der Autoren liegt allein darauf, dass ein Baby oft »schwierig« ist, danach aber eine neue Eigenschaft erlernt hat.

Dass Entwicklungssprünge bei allen Kindern mehr oder weniger einheitlich sind und stets aus einer »schwierigen« Phase bestehen, die nach dem Sprung geschafft ist, ist nicht wirklich wissenschaftlich abgesichert.

Und dann gibt es da noch diese Auflistungen, was das Kind nach den diversen Schüben eventuell schon kann. Zwar steht auch dabei, dass einzelne Dinge auch erst viel später kommen können, aber diese Listen führen dazu, dass man sein Baby unweigerlich vergleicht und tragen wenig zur Entspannung bei. Geht es nach diesen Listen, so sind auch fast alle mir bekannten Babys entwicklungsverzögert. Da ist es hilfreich, wenn man sich dank Largo vor Augen führt, wie breit die normale Entwicklungsspanne ist.

Das Buch ist in dieser Hinsicht zu simpel, aber seine Kernbotschaft, dass ein Baby eben manchmal schwierig ist und dass das damit zu tun hat, dass es einen Entwicklungsschub durchmacht, kann durchaus hilfreich sein. Ein anstrengendes Baby lässt sich leichter ertragen, wenn man einen Grund für sein Verhalten findet und wenn man die Hoffnung hat, dass jeder schwierigen Phase auch mal wieder eine leichtere folgt.

Mein Fazit: Mehr Sachlichkeit und Konzentration auf das Wesentliche täten dem Buch »Oje, ich wachse!« von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij (Mosaik Verlag) gut – dann würde es auch mit einem Viertel der Seiten auskommen. Die vielen Zitate (mit teilweise fragwürdigem Inhalt) kann man getrost überlesen und die Angaben, was sein Kind wann können könnte, sollte man mit größter Vorsicht genießen.

Wer sich für die mentale Entwicklung seines Kindes interessiert und wem damit geholfen ist, wenn er für schwierige Phasen eine (mögliche) Erklärung bekommt, für den könnte das Buch dennoch hilfreich sein.

Speziell für Väter

»Baby Betriebsanleitung« von Joe und Louis Borgenicht

Handbuch für Väter: »Baby Betriebsanleitung« von J. und L. Borgenicht

Der Ratgeber »Baby Betriebsanleitung Inbetriebnahme, Wartung und Instandhaltung« von Joe und Louis Borgenicht bemüht sich um Originalität und ist im Stil einer Betriebsanleitung geschrieben, um vor allem Väter anzusprechen. Das Taschenbuch umfasst 245 Seiten, wurde aus dem Amerikanischen übersetzt und erschien erstmals 2003. 2014 wurde es aktualisiert und überarbeitet.

Die Autoren sind ein amerikanischer Kinderarzt aus Utah und sein Sohn, der als Autor und Unternehmer arbeitet und zwei Söhne hat.

Das Konzept ist originell, das Buch schön illustriert und wird deshalb gerne an frischgebackene Väter verschenkt. Die sieben Kapitel sind beispielsweise mit »Allgemeine Wartungshinweise«, »Energieversorgung des Babys« oder »Programmierung des Schlafmodus« überschrieben. Der Kinderarzt wird in dem Buch »Service-Provider« genannt, und statt von Wickeln ist von »Windeln installieren« die Rede. Die Informationen umfassen das erste Lebensjahr des Kindes.

Allerdings enthält das Buch eine ganze Reihe fragwürdiger Tipps und falsche Informationen – was sicher auch damit zusammenhängt, dass es ursprünglich für den amerikanischen Markt verfasst wurde.

Mein Fazit: Als Gag ist die »Baby Betriebsanleitung von Joe und Louis Borgenicht (Mosaik Verlag) vielleicht ein nettes Geschenk für Väter, zum besseren Verständnis des Kindes und was in seiner Entwicklung passiert, trägt dieses Buch allerdings nichts bei. Zudem enthält es viele Informationen, die nicht richtig oder veraltet sind.

Fazit

Besonders empfehlenswert finden wir die Ratgeber »Babyjahre« von Remo H. Largo, »Babys erstes Jahr« von Vivian Weigert und Franz Paky sowie »artgerecht – das andere Baby-Buch« von Nicola Schmidt und »Mein kompetentes Baby« von Nora Imlau.

Für Eltern mit Schreibabys ist vor allem Harvey Karps »Das glücklichste Baby«der Welt hilfreich. Und wer weniger an konkreten Tipps interessiert ist als am besseren Verständnis seines Kindes, der sollte sich »Kinder verstehen« von Herbert Renz-Polster ansehen.

Kommentare

1 Kommentar zu "Die besten Elternratgeber fürs erste Kind"

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Danke für die ehrliche Aufstellung von Büchern und die Einschätzung in Sachen Aktualität … leider stelle ich das ebenfalls immer wieder in meiner Arbeit mit Mamas fest, dass viele Ratgeber längt überholt werden müssen.

Ergänzend möchte ich da die häufig gelesene und auch von mir wertgeschätzte „Hebammensprechstunde“ von Ingeborg Stadelmann mit vielen tollen Tipps und einer sehr wertschätzenden Haltung dem Leben gegenüber nennen, deren Kapitel übers Stillen in den 80ern hängengeblieben scheint und noch nicht mal dem Stand der damaligen LaLecheLiga-Literatur entspricht.

„Das glücklichste Baby“ ist derweil gleich in meinen Einkaufswagen gewandert – vielen Dank 😀

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