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Die besten Elternratgeber fürs erste Kind

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Elternratgeber fürs erste Kind Test: Elternratgeber
Andrea Zschocher

Andrea Zschocher

ist freie Journalistin, Buchautorin und Bloggerin. Sie schreibt gern über Familien­themen, unter anderem für Stern.de und Familie.de. Ihre Bücher unterstützen Familien in anspruchsvollen Zeiten. Auf ihrem Blog Runzelfüßchen berichtet sie über die schönen Seiten am Leben mit drei Kindern.

Es gibt unzählige Elternratgeber für die erste Zeit mit dem eigenen Baby. Das liegt auch daran, dass gerade die Menschen, die zum ersten Mal Eltern werden, jede Menge Fragen haben. Deswegen haben wir eine erfahrene Mutter beauftragt, sich durch die Ratgeberliteratur zu lesen und die besten Elternratgeber vorzustellen.

Update 28. August 2020

Wir haben den Artikel um neun Bücher in mehreren Kategorien erweitert.

Schreien, Schlafen, Stillen: Wenn es um den richtigen Umgang mit einem Baby geht, gibt es unzählige Meinungen. Oma rät oft was anderes als der mütterliche Instinkt. Und wenn man in der Krabbelgruppe zehn Mütter fragt, dann sind sich selten alle einig, wie man sich am besten verhält, wenn sich das Kind nicht ablegen lässt, wenn es viel weint oder wenn es die Nacht zum Tag macht. Hinzu kommt: Junge Menschen haben heute oft keinerlei Erfahrung im Umgang mit Säuglingen, wenn sie zum ersten Mal Eltern werden.

Kein Wunder, dass gerade beim ersten Kind die Verunsicherung groß ist. Da liegt es nahe, Rat in Büchern zu suchen. Doch welcher Ratgeber ist wirklich hilfreich?

Fast 1000 Titel findet man bei Amazon, wenn man nach einem Elternratgeber zum Thema Baby sucht. Da ist es für Schwangere oder junge Eltern nicht leicht, den richtigen zu finden.

Eins vorneweg: Hören Sie unbedingt auch auf Ihre Intuition! Denn Mütter sind oft die besten Expertinnen für ihr Baby und jedes Kind ist anders. Schema F funktioniert oft nicht, auch wenn das manche Ratgeber suggerieren. Es klingt ja auch so herrlich verlockend, einfach den Tipps im Buch folgen und schon ist alles in Butter. Mit Ihrem eigenen Instinkt werden Sie dennoch oft besser fahren, weil Sie als Eltern Ihr Kind am besten kennen. Diese Verbindung zum eigenen Kind ist unheimlich wertvoll, lassen Sie sich das auch vom besten Ratgeber nicht kaputt machen.

Wissenschaftlich fundiert

Der Schweizer Remo H. Largo ist Professor für Kinderheilkunde und untersucht seit vielen Jahrzehnten die Entwicklung von Kindern. Er führte die bedeutendste Langzeitstudie über die kindliche Entwicklung im deutschsprachigen Raum durch: Für die »Longitudinalstudie« der Zürcher Universität hat er die Entwicklung von mehr als 700 Kindern von der Geburt bis ins Erwachsenenalter beobachtet und aufgezeichnet.

Kindliche Entwicklung

»Babyjahre« von Remo H. Largo

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Remo Largo Babyjahre
Ein Bestseller über die kindliche Entwicklung mit vielen Details.

von 179 Lesern gekauft

Sein Buch »Babyjahre« ist ein Klassiker, der erstmals 1993 erschienen ist und immer wieder überarbeitet und aktualisiert wurde. Kein Wunder, dass Largo in fast allen anderen Babyratgebern immer wieder zitiert wird.

Auf knapp 600 Seiten behandelt der Schweizer Kinderarzt die Themen Beziehungsverhalten, Motorik, Schlafverhalten, Schreiverhalten, Spielverhalten, Sprachentwicklung, Trinken und Essen, Wachstum sowie Trocken- und Sauberwerden. Im Anhang finden sich Meilensteine der ersten vier Lebensjahre, Gewichts- und Längenkurven ebenso wie Fragen, die man einer Tagesmutter oder einer Kindertagesstätte stellen sollte.

Jedes Kapitel ist unterteilt in verschiedene Altersstufen. Schon Schwangere finden darin Informationen, denn auch die Zeit vor der Geburt wird behandelt. Danach geht Largo jeweils auf die einzelnen Lebensmonate ein, bis hin zum 48. Monat. Am Ende jedes Kapitels wird das Wichtigste nochmals kurz zusammengefasst. Der durchdachte Aufbau erleichtert das Querlesen und das gezielte Suchen von Themen.

In dem Buch gibt es viele Tabellen und Grafiken, die die enorme Bandbreite normaler kindlicher Entwicklung veranschaulichen. Die Fotos sind nicht im Studio oder von professionellen Fotografen gemacht, sondern sehen aus wie aus dem Fotoalbum ganz normaler Familien – sie stammen auch zum Großteil vom Autor. Das Layout wirkt insgesamt ein bisschen altbacken, dafür ist der Inhalt um so besser.

Das Tolle an diesem überaus nützlichen Nachschlagwerk für Eltern ist, dass Largo eindrücklich zeigt, wie vielfältig die Entwicklung von Kindern verläuft und dass das völlig normal ist. Die Lektüre ist vor allem für jene Eltern beruhigend, deren Kind in manchen Bereichen nicht zu den allerschnellsten gehört.

Largo appelliert an die Eltern, ihr Kind nicht immer mit anderen zu vergleichen. Er erklärt die biologischen Voraussetzungen für bestimmtes Verhalten und ermöglicht es Eltern so, ihr Kind besser zu verstehen und zu erkennen, was sie schon von ihm erwarten können und was nicht. Er schreibt Eltern nicht vor, was sie genau zu tun haben, damit das Kind beispielsweise nachts durchschläft, gut isst und sich artig benimmt. Er pocht darauf, dass eben jedes Kind anders ist. Viele Schwierigkeiten im Umgang mit Kindern ergeben sich seiner Ansicht nach allein daraus, dass wir uns auf diese Vielfalt nicht wirklich einstellen.

Unser Fazit: Wenn man sich nur einen einzigen Babyratgeber zulegen will, dann findet man in Remo H. Largos »Babyjahre« alle Informationen, die man in den ersten vier Jahren benötigt, übersichtlich und vor allem auch wissenschaftlich fundiert aufbereitet.

Hintergrundinformationen

Während Remo H. Largo die kindliche Entwicklung beschreibt, geht Herbert Renz-Polster in »Kinder verstehen. Born to be wild: Wie die Evolution unsere Kinder prägt« auf das »Warum« ein: Warum verhalten sich Kinder so »seltsam«, wie sie sich oft verhalten?

Warum tut mein Kind, was es tut?

»Kinder verstehen« von Herbert Renz-Polster

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Herbert Renz-Polster Kinder verstehen
Ratgeber für Eltern, die gern verstehen möchten, was in ihrem Baby vor sich geht.

Wer das verstehen will, der ist mit dem gut 500 Seiten dicken Buch, das 2009 zum ersten Mal erschienen ist und seither acht neue Auflagen und Aktualisierungen erfahren hat, gut beraten. Herbert Renz-Polster ist Kinderarzt und Dozent an der Universität Heidelberg. Außerdem ist er Vater von vier Kindern.

Das Buch ist ein ziemlicher Wälzer und hat 18 Kapitel, die meisten davon haben nochmal ein Unterkapitel. Verschiedene Schriftfarben sollen Orientierung bieten bei dem etwas unübersichtlichen Aufbau. Außerdem gibt es zahlreiche Fußnoten in zwei Farben, zu einigen findet man die Anmerkungen im Anhang des Buches, andere führen auf die Webseite zum Buch. Das ist zwar ganz innovativ, wer es ganz genau wissen will, muss das Buch aber in der Nähe eines Rechners oder Smartphones mit Internetzugang lesen.

Die ersten Kapitel sind den wichtigen Themen im Leben des Babys gewidmet: Es geht darum, wie Kinder essen und schlafen lernen, ums Stillen und ums Beifüttern. Renz-Polster behandelt außerdem die Themen Familienbett, Schreien, und Trocken- und Sauberwerden, gefolgt von einem Kapitel zum Thema Evolution.

Im zweiten Teil gibt es dann Kapitel zu den Themen Bindung, Fremdeln, natürlicher Umgang mit Säuglingen, Persönlichkeiten von Kindern und wie man kompetent erzieht. Das Buch umfasst im Grunde die gesamte Kindheit, sogar die Jugendzeit wird teilweise behandelt.

Der Autor gibt immer wieder Tipps aus evolutionärer Sicht und legt den Fokus auf die Potenziale der Kinder statt nach ihren Defiziten zu suchen. Renz-Polsters These zu kindlichem Verhalten ist: Kinder haben alle uns manchmal unverständlich erscheinenden Verhaltensweisen im Laufe der Evolution entwickelt, um besser mit ihrer Umwelt zurechtzukommen und für das Leben gerüstet zu sein. Die »schlimmen« Kinder sind in Wirklichkeit (Über)lebenskünstler.

Unser Fazit: Das Buch »Kinder verstehen« von Herbert Renz-Polster eignet sich gut als Navigationshilfe für eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, Verhaltensweisen von Kindern nachzuvollziehen. Der Autor zeigt verständliche Gründe für kindliches Verhalten auf und weckt Verständnis für das Verhalten der Kinder.

Wer dieses Buch gelesen hat, geht wahrscheinlich entspannter mit dem Thema Erziehung um, auch wenn es anders als andere Ratgeber nur wenige konkrete Tipps parat hat. Als Hintergrundinformation für Eltern, die sich für das »Warum« interessieren und gerne lesen, ist es auf jeden Fall empfehlenswert.

Vom Muttersein und Erwartungen

»Mutter.Sein.« von Susanne Mierau

Test besten Elternratgeber fürs erste Kind: Mutter.Sein.
Für Eltern, die Rollenbilder überdenken möchten.

Es geht im Leben mit Kindern nicht immer nur um die Kinder. Diese Erkenntnis braucht einen Moment, bis er gereift ist. Aber leider treten die Menschen, die genauso wichtig sind, wie der Nachwuchs, manchmal zu sehr in den Hintergrund. Viele Mütter haben mit ihrer neuen Rolle zu kämpfen. Und auch mit dem Rollenbild, dass sie da ausfüllen sollen.

Susanne Mierau hat mit »Mutter.Sein.« ein Buch geschrieben, dass sichtbar macht, welche Last wir manchmal mit uns herumschleppen. Denn es gibt dieses Mütterideal, was viele nie erreichen werden. Es ist nicht mal unbedingt erstrebenswert auch nur in die Nähe dessen zu kommen, und doch werden viele Mütter daran gemessen, dass sie auf eine bestimmte Art zu sein haben.

Es kann unglaublich einsam machen, wenn man merkt, dass es nicht möglich ist, all das, was die Gesellschaft fordert, wie eine Mutter zu sein hat, zu erfüllen. Und es kann befreiend sein, darüber zu lesen, dass man keine schlechte Mutter ist, weil man sich wünscht, dass der eigene Partner mit anpackt, statt nur ab und zu zu helfen. Susanne Mierau, Autorin, Bloggerin und Dreifachmutter macht sich dafür stark, dass Frauen selbstbewusst ihren Weg gehen. Dass sie erkennen, dass auch ihre Bedürfnisse wichtig sind.

Das Buch ist an vielen Stellen unbequem, denn es wird mit jeder Menge Tabus gebrochen. Die Autorin fordert Mütter dazu auf, sich selbst wieder wahrzunehmen. Wenn es den Müttern gut geht, geht es den Kindern gut, das ist so nicht wahr. Aber Susanne Mierau zeigt in ihrem Buch wie wichtig es ist, dass wir unsere Gefühle nicht leugnen, sondern uns mit ihnen auseinandersetzen. Uns selbst und unseren Kindern zuliebe.

Unser Fazit: Mutter.Sein. ist keine leichte Kost und für die ersten aufregenden Wochen als neue Familie vielleicht nicht ganz so geeignet. Denn dieses Buch braucht Zeit – etwas, das Neueltern nicht immer haben.

Aber es lohnt sich, denn nach dem Lesen werden viele Frauen erleichtert feststellen, dass es okay ist, nicht immer nur vor Mutterliebe zu vergehen. Es ist in Ordnung, noch eigene Wünsche, Träume und Bedürfnisse neben der Familie zu verfolgen. Wenn Sie das Buch gelesen haben, reichen Sie es am besten gleich an Ihren Partner weiter. Familie geht schließlich alle an.

Begleiter für das erste Jahr

Ehrlich durchs erste Jahr

»Wow Mom« von Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim

Test besten Elternratgeber fürs erste Kind: Wow Mom
Ein ehrlicher Bericht von zwei Müttern über das erste Jahr mit Kind.

Wenn Sie sich durch das erste Jahr als Mutter mit all den Höhen und Tiefen begleiten lassen möchten, dann ist »Wow Mom« von Lisa Harmann und Katharina Nachtsheim ein echter Mutmacher. Weil die beiden, selbst Mütter von je drei Kindern, so gut verstehen, wie sich das anfühlt, plötzlich Mama zu sein. Wie sehr uns Frauen das überfordern kann. Wie gern wir manchmal einfach weglaufen wollen. Und wie sehr wie unsere Kinder lieben und all das Schwere für einen kurzen Augenblick vergessen, wenn das Baby lacht.

Die Journalistinnen betreiben auch den erfolgreichen Mamablog »StadtLandMama», in dem unperfektes Elternsein in all seinen Facetten immer wieder ein Thema ist. Es tut gut, das nun auch in Buchform zu lesen.

Dieser Ratgeber nimmt Mütter an die Hand und zeigt, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. Dass all diese Gefühle, die uns teilweise überwältigen, erlaubt sind. Das Buch lädt ein, sich mit den eigenen Ansprüchen auseinanderzusetzen und zu hinterfragen, was uns glücklich macht. Denn jede Mutter ist die beste Mutter, die es für ihr Kind sein kann. Das ständige Vergleichen ist einfach nur schlecht fürs Selbstbewusstsein.

Unser Fazit: »Wow Mom« eignet sich für alle Mütter. Zum Selbst kaufen oder als Geschenk zur Geburt. Tatsächlich ist dies eins meiner Top- Geburtsgeschenke für Neumamis, weil sie hier so gut abgeholt werden und es Raum gibt, mit sich selbst ehrlich zu sein.

Juristisches Know-how

»Don´t worry, be Mami« von Sandra Runge

Test besten Elternratgeber fürs erste Kind: Don´t worry, be Mami
Juristischer Rat kann bei Schwangerschaft und Stress mit dem Arbeitgeber nicht schaden.

»Don’t worry, be Mami« richtet sich – der Titel verrät es schon – eher an die Mütter. Aber auch Väter können sich mit dem juristischen Know-how rund um Schwangerschaft, Geburt und Elternzeit natürlich vertraut machen – gerade dann, wenn sie letztere auch in Anspruch nehmen wollen.

Die Autorin Sandra Runge ist Rechtsanwältin und sitzt für Klientinnen regelmäßig vor Gericht, um über Elternzeit und Arbeitsplatz zu streiten. Denn hier werden werdenden Eltern immer wieder Steine in den Weg gelegt. Die Anschaffung des Buches lohnt sich definitiv schon in der Schwangerschaft – spätestens aber, wenn das Baby auf der Welt ist.

Es geht um all die Themen, für die man als frisch gebackene Eltern einfach keinen Kopf hat. Von Sorgerecht bis Elterngeld, von Mutterschutz bis Rückkehr in den Beruf, hat Sandra Runge an alles gedacht und einen leicht verständlichen Ratgeber für die total unromantischen Dinge rund ums Elternsein geschrieben. Aber die sind eben auch sehr wichtig.

Unser Fazit: Obwohl es juristische Themen behandelt, liest sich der Ratgeber überhaupt nicht trocken. Das liegt auch daran, dass die Autorin immer wieder ihren Alltag mit einfließen lässt. Wen das stört: Sie können dank Glossar auch einfach an die Stellen springen, die gerade für Sie am wichtigsten sind.

Checklisten für die ersten Jahre

»Mami to go« von Silke R. Plagge

Test besten Elternratgeber fürs erste Kind: Mami to go
Elternratgeber für alle, die sich gern erst mal einen Überblick verschaffen möchten.

Es gibt Menschen, die lieben Listen. Denen macht es Freude, alles, was sie erledigt haben, von den Listen herunterzustreichen. Und dann gibt es Eltern, die vor lauter Müdigkeit für alles, wirklich alles eine Liste schreiben. Aus Angst, etwas zu vergessen. Ob Sie nun eher der Typ Listeliebe oder Angstliste sind, können Sie nur selbst beurteilen. Für beide lohnt sich aber ein Blick in »Mami to go». Hier bekommen Sie Checklisten für die ersten drei Jahre mit Kind zu den Themen Entwicklung & Gesundheit, Alltag und Recht & Geld. Klingt alles ziemlich trocken, ist aber durchaus unterhaltsam geschrieben.

Natürlich können Sie kein tiefgreifenden Tipps über Still- oder Schlafprobleme erwarten, aber für einen ersten Eindruck taugt das Buch durchaus. Wegen des handlichen Formats bietet es sich an, die Checklisten in der Tasche mitzuführen und immer, wenn das Baby gerade ein Nickerchen macht, ein wenig im Ratgeber zu lesen.

Unser Fazit: Wenn Sie sich Informationen in sehr konzentrierter Form wünschen, dann ist »Mami to go« das richtige für sie. Das Buch deckt alles ab, womit Eltern in den ersten Jahren konfrontiert sein werden, von den ersten Wochen bis Kitaeingewöhnung. Die Übersichtlichkeit sorgt dafür, dass alle wichtigen Informationen auf einen Blick erfasst werden können.

Homöopathisch

»Das große Buch für Babys erstes Jahr« von S. Nolte/A. Nolden

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Stephan Heinrich Nolte, Annette Nolden Das große Buch für Babys erstes Jahr
Für Eltern, die eher einen alternativen Ansatz favorisieren.

Im Gräfe und Unzer Verlag sind gleich mehrere Ratgeber erschienen, die Eltern im ersten Lebensjahr begleiten sollen. Das dickste und teuerste ist »Das große Buch für Babys erstes Jahr« von Stephan Nolte und Annette Nolden.

Der Ratgeber ist erstmals 2013 erschienen. Stephan Nolte ist Mediziner und arbeitete als leitender Oberarzt an der Universitäts-Kinderklinik Marburg. Danach praktizierte er als niedergelassener Arzt. Er hat psychotherapeutische und homöopathische Weiterbildungen absolviert und auch ein Buch zum Thema »Homöopathie für Kinder« verfasst. Annette Nolden ist dagegen Sprach- und Literaturwissenschaftlerin und Autorin im Bereich Gesundheit und Lebenshilfe. Sie ist selbst Mutter eines Sohnes.

Der Ratgeber hat rund 400 Seiten. In je einem ausführlichen Kapitel werden die Themen Geburt, Stillen und Füttern, Schlafen und Trösten sowie Babys Gesundheit behandelt.

Den größten Teil des Buches nimmt allerdings »Monat für Monat« ein. Jeder Lebensmonat im ersten Jahr wird darin behandelt, auf jeweils rund 10 Seiten, untergliedert in Wachstum und Entwicklung, geistige und die emotionale Entwicklung, gesund bleiben, Elterncoach und ein Extra für Mütter.

Das Layout ist ansprechend und modern, es werden immer wieder Infos und Tipps hervorgehoben, außerdem sind Kapitel eingestreut, die Praxistipps wie beispielsweise das Wickeln mit Stoffwindeln behandeln oder wie man sein Kind beim Baden richtig festhält.

Das erste Kapitel ist eher theoretisch und in den weiteren werden leider etliche Informationen verbreitet, die falsch oder nicht ganz korrekt sind. So ist beispielsweise die Rede davon, dass man Babys mit Muttermilch überfüttern kann und dass Kinder, die nach dem ersten Geburtstag noch mehrmals gestillt werden, Gefahr laufen, eine zu enge Bindung mit der Mutter einzugehen. Statt von Fluorid zur Kariesprophylaxe ist doch tatsächlich von Fluor die Rede – das ist etwas völlig anderes! Und wenn man im Ausland oder im Zug stillen will, rät das Buch Müttern allen Ernstes dazu, die Brust vor dem Stillen mit abgekochtem Wasser oder Trinkwasser aus der Flasche abzuwaschen.

Die Themen Tragen im Tuch oder in einer Tragehilfe kommen in dem Buch zu kurz, es gibt keine Hinweise, auf was zu achten ist. Dafür gibt es eine Doppelseite zum Thema Wickeln mit Stoffwindeln, allerdings wird dort eine sehr alte Technik vorgestellt. Dass der Stoffwindelmarkt heutzutage sehr viel komfortablere und modernere Wickelsysteme anbietet, davon erfährt der Leser leider nichts.

Ein ganzes Kapitel ist dem Thema Homöopathie gewidmet, was aber nicht verwunderlich ist – Nolte ist auch Autor eines Buches über Homöopathie für Kinder. Wie auch immer man zu Homöopathie steht – erwähnt werden sollte zumindest, dass es für homöopathische Behandlungen trotz sehr vieler Studien zu dem Thema keinen wissenschaftlichen Nachweis einer Wirksamkeit gibt, die über den Placebo-Effekt hinausgeht.

Positiv hervorzuheben ist, dass auch dem Wochenbett ein Unterkapitel gewidmet ist und auch Übungen zur Kräftigung des Beckenbodens gezeigt werden – dieses wichtige Thema kommt in anderen Ratgebern oft viel zu kurz. Die monatlichen Checklisten, was jeweils ansteht, sind ganz nützlich, ebenso der Überblick über Krankheiten.

Unser Fazit: Für ein Standardwerk – so der Untertitel – sind in »Das große Buch für Babys erstes Jahr« von Stephan Nolte und Annette Nolden zu viele fragwürdige Informationen enthalten, während andere wichtige Themen zu kurz kommen. Uns haben andere Ratgeber für das erste Lebensjahr mehr überzeugt.

Tipps zur Babypflege

»Das Baby 1x1« von Birgit Laue

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Birgit Laue Das Baby 1x1
Nicht immer aktuelles Hebammenwissen rund ums erste Babyjahr.

Eine Alternative aus Hebammensicht ist »Das Baby 1×1« von Birgit Laue. Die freiberufliche Hebamme hat über 20 Jahre Erfahrung in klinischer und außerklinischer Geburtshilfe, ist in der Fortbildung für medizinische Fachleute tätig und hat als Medizinjournalistin mehrerer Bücher zum Thema Kinder- und Frauengesundheit geschrieben.

Ihr broschierter Ratgeber ist 2012 das erste Mal erschienen und hat 160 Seiten. Darin geht es um die wichtigsten Hebammentipps fürs erste Jahr, die Schwangerschaft spielt in diesem Buch keine Rolle.

Insgesamt gibt es 302 Tipps. Das Buch ist untergliedert in sieben Kapitel. Von der Ernährung bis zur Gesundheit Ihres Babys ist alles dabei. Außerdem gibt es einen Service-Teil zum Nachschlagen mit Büchern und Adressen, die weiterhelfen und ein Register. Layout und Fotos sind ansprechend und modern.

Das Buch ist leicht lesbar, in jedem Kapitel gibt es eine kurze Einleitung und dann folgen sehr sachlich geschriebene Tipps. Das Buch ist allerdings eher oberflächlich und geht nicht in die Tiefe. Birgit Laue beschreibt zwar zutreffend, wie Babys ticken, Hintergründe, warum Babys so ticken, wie sie ticken, fehlen aber. Zudem wird immer wieder darauf verwiesen, seine Hebamme zu fragen oder sich etwas von ihr zeigen zu lassen. In Zeiten des Hebammenmangels ist das allerdings nicht jeder Frau möglich, viele haben überhaupt keine Nachsorgehebamme mehr.

Nützlich sind ganz praktische Tipps wie man beispielsweise einen Kohlwickel bei schmerzenden Brüsten macht, wie man einen Sauger richtig reinigt oder wie man beim Schwimmengehen Brustwarzen vor Chlorwasser und Schwimmbadkeimen schützt.

Laue gibt nicht nur Informationen zum Thema Stillen, sie hat auch Tipps parat, wie man abstillt und die verschiedenen Säuglingsanfangsnahrungen werden erklärt. Außerdem gibt es ausführliche Tipps zur Flaschenfütterung.

Die Informationen sind leider häufig nicht auf dem neuesten Stand – beispielsweise bezüglich der Zulassung von Kindersitzen und – was besonders ärgerlich ist – auch was die Empfehlungen zur Beikost betrifft. Laue schreibt, Eier und Gluten sollten im ersten Lebensjahr wegen Allergiegefahr gemieden werden. Diese Empfehlung ist seit November 2009 veraltet – sie wurde also bereits drei Jahre vor dem ersten Erscheinen des Ratgebers geändert. Zudem werden an Eltern-Kind-Kursen nur PEKiP-Kurse erwähnt, nicht aber die inzwischen zahlreichen anderen Anbieter. Auch das Thema Tragen kommt ein bisschen zu kurz.

Und wie zahlreiche Hebammen ist auch Laue eine Verfechterin der Homöopathie. Sie empfiehlt immer wieder homöopathische Mittel und hält die Homöopathie für ein »seriöses Naturheilverfahren« – obwohl es für deren Wirksamkeit wie gesagt keinen wissenschaftlichen Beweis gibt.

Unser Fazit: Für Eltern, die keine Nachsorgehebamme gefunden haben, kann »Das Baby 1×1« von Birgit Laue vielleicht ganz nützlich sein, vor allem wenn man noch keinerlei Erfahrungen mit Babypflege hat. Allerdings sind einige Informationen veraltet. Wer wirklich erfahren will, warum sein Baby so tickt, wie es tickt, dem würde ich einen anderen Ratgeber empfehlen.

Treffend und aktuell

»Babys erstes Jahr« von Vivian Weigert

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Vivian Weigert Babys erstes Jahr
Wissenschaftliche Grundlagen fürs erste Babyjahr.

Der dritte Ratgeber für das erste Jahr, das Buch »Babys erstes Jahr – alles was wichtig ist« von Vivian Weigert und Franz Paky hat uns mehr überzeugt als die beiden anderen.

Vivian Weigert leitet die Fachstelle für Bindungsfördernde Eltern-Baby-Beratung im Zentrum für Natürliche Geburt und Elternsein e.V. in München. Sie ist zudem im »Arbeitskreis Stillen« des Gesundheitsreferats der Stadt München als Referentin aktiv und arbeitet als Heilpraktikerin. Franz Paky ist Kinderarzt, als solcher leitete er die Kinderabteilung des Landeskrankenhauses im österreichischen Vöcklabruck. Er hat mehrere Schreiambulanzen gegründet und ist Referent für kindliche Schlafstörungen auf internationalen Tagungen.

Der Ratgeber von Weigert und Paky hat 190 Seiten und ist ansprechend modern gestaltet. Untergliedert ist er nach Altersstufen, außerdem gibt es noch einen ausführlichen Service-Teil. Die Kapitel sind jeweils untergliedert in Unterkapitel, die sich mit Pflege, Gesundheit, Schlaf und Motorik beschäftigen.

Das Buch behandelt alle wichtigen Themen rund ums Kind sehr umfassend, auch wenn es nicht besonders dick ist. Die Informationen sind – von Empfehlung für Globuli mal abgesehen – auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand und verlässlich. Es bestärkt Eltern in einem bindungsorientierten Weg. Die wichtigen Themen Tragen, langes Stillen und Schlafen im Familienbett werden vorurteilsfrei und ausführlich dargestellt. Sogar »windelfrei« kommt vor und die Beikost-Methode »babygeführtes Abstillen« (Baby Led Weaning – BLW).

Eltern finden in diesem Ratgeber sowohl Rezepte für Beikost als auch Kniereiterspiele und Reime. Auch wichtige gesetzliche Regelungen zu Mutterschutz und Elterngeld werden vorgestellt.

Unser Fazit: »Babys erstes Jahr« von Vivian Weigert und Franz Paky ist ein durchaus empfehlenswerter Ratgeber, der die wichtigsten Themen im ersten Jahr kurz, aber ausreichend und wissenschaftlich auf dem neuesten Stand behandelt.

Ratgeber für bindungsorientierte Elternschaft

Bindungsorientierte Elternschaft, auch Attachment Parenting genannt, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Und so gibt es inzwischen eine Reihe von Ratgebern, in denen die Bedürfnisse der Babys im Vordergrund stehen und die für eine naturnahe Erziehung plädieren. Wir stellen einige davon vor.

Ankommen im neuen Leben

»Mutter werden« von Jule Tilgner & Marcia Friese

Test besten Elternratgeber fürs erste Kind: Mutter werden
Wunderschöne Fotos und ganz viel Hebammenwissen für die allererste Zeit mit Baby.

Wem die Empfehlung »Mutter.Sein.« noch zu weit weg ist, dem sei für das erste Jahr mit Baby das wunderschöne Buch »Mutter werden« von Jule Tilgner und Marcia Friese ans Herz gelegt. Nicht nur die wirklich schönen, lebensnahen Bilder von Eltern und Kindern nach der Geburt laden zum Träumen ein, es gibt auch jede Menge Inhalt. Dieses Buch möchte ein Begleiter durch die erste Zeit nach der Geburt sein, die für alle Eltern etwas ganz besonderes ist.

Nicht mit allen Fragen kann man sich an jemanden wenden und so ist dieses Buch eine Möglichkeit einer Bestärkung, wenn gerade niemand greifbar ist. Geschrieben hat es die Hebamme Jule Tilgner, die auch unter dem Namen hebammezauberschön bekannt ist. Sie weiß also genau Bescheid über Sorgen, Nöte und Ängste von Neueltern und kann ihnen diese in ihrem Buch nehmen. Es geht am Anfang auch kurz um Geburten, so dass »Mutter werden« durchaus auch ein Buch für die Schwangerschaft sein kann.

Es werden Themen behandelt, die sonst oft auch zu kurz kommen, etwa Fragen rund um Geschwisterkonstellationen, der veränderte eigene Körper oder die Entscheidung für oder gegen das Stillen. Es geht um Babyschlaf und weinende Babys, um die Schwierigkeiten Entscheidungen zu treffen oder die Partnerschaft nicht zu vergessen.

Die Texte sind sehr berührend und gleichzeitig informativ geschrieben, die Fotos, die von der Geburts- und Familienfotografin Marcia Friese beigesteuert wurden, berühren sicherlich alle Eltern. Auch wenn das Buch »Mutter werden« heißt und sich natürlich primär an Frauen richtet, die gerade auf dem Weg sind, Mutter zu werden, finden auch Väter hier Tipps. Ihnen ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

Unser Fazit: Für Eltern, die gern mehr darüber wissen wollen, wie sie in ihre Rolle hineinwachsen, die sich gut behütet fühlen möchten und eben nicht nur Fragen zu Verdauung und Windel wechseln haben, ist dieses Buch ein echter Schatz. Die schönen Fotos laden zum Träumen ein.

Mit Schwangerschaftsteil

»Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust« von Julia Dibbern

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Julia Dibbern Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust
Ein Mutmacher, der mit der Idee aufräumt, man könnte Babys zu sehr verwöhnen.

»Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust« von Julia Dibbern ist ein Ratgeber im Taschenbuchformat. Er ist stellenweise in Ich-Form geschrieben und die Autorin schildert darin auch ihre eigenen Erfahrungen. Ansonsten spricht sie ihre Leserinnen ganz direkt an. Julia Dibbern hat mal Architektur studiert, ist Fachjournalistin und Autorin mehrerer Bücher und Mutter.

In ihrem Buch bietet sie neun Verwöhn-Bausteine für Babys an, denn ein Baby kann man gar nicht genug verwöhnen – sogar schon vor der Geburt. Diesen Ratgeber kann man sich bereits in der Frühschwangerschaft zulegen, denn zwei Kapitel behandeln die Themen Schwangerschaft und Geburt. Die Autorin gibt sich undogmatisch, sie schreibt: »Keiner dieser Verwöhn-Bausteine« ist ein Muss. Man soll sich so bedienen, wie es für die Familie passt.

Bei der Lektüre kommt einiges dann aber doch ziemlich dogmatisch daher. Dibbern plädiert fürs Stillen und für Babyled-Weaning, dem Baby Brei zu geben wird überhaupt nicht in Erwägung gezogen. In dieser Hinsicht ist der Ratgeber ein bisschen eindimensional,. Außerdem finden sich in dem Buch ein Plädoyer für das Tragen und für Windelfrei.

Ihre Ansichten versucht die Autorin mit Quellenangaben wissenschaftlich zu unterfüttern, die Auswahl der Quellen erscheint uns aber ein bisschen tendenziös. Was ins eigene Weltbild passt, wird aufgeführt, was nicht, eher verschwiegen.

Unser Fazit: Julia Dibbern ermutigt in »Verwöhn Dein Baby nach Herzenslust« Eltern dazu, auf ihr Baby zu hören und ihm zu vertrauen. Das ist ein sehr kindgerechter Ansatz. Sie nimmt Eltern auch die Angst, sie könnten ihr Baby zu sehr verwöhnen und gibt ihnen Argumente an die Hand, mit denen sie ihren bedürfnisorientierten Weg gegen die häufig verbreiteten Ansichten der älteren Generation gehen können. Der Ratgeber eröffnet neue Perspektiven gegen den Erziehungs-Mainstream, ist aber in manchen Punkten unserer Meinung nach zu einseitig.

So tickt das Kind

»Artgerecht« von Nicola Schmidt

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Nicola Schmidt artgerecht
Ein Ratgeber, der in den Fokus rückt, wo wir herkommen.

Die Autorin Nicola Schmidt ist mit Julia Dibbern befreundet, zusammen haben sie das Artgerecht-Projekt gegründet, das sich dafür einsetzt, dass Menschenkinder artgerecht aufwachsen. In »Artgerecht – Das andere Baby-Buch« hat Nicola Schmidt zusammengetragen, was Babys biologisch gesehen brauchen, um körperlich und seelisch gesund aufzuwachsen. Es soll Eltern helfen, ihren eigenen Weg zu finden – im Einklang mit der Natur des Kindes. Das Buch umfasst auch Kapitel zum Thema »Artgerecht schwanger« und »Artgerecht zur Welt kommen« und eignet sich daher auch schon für Schwangere.

Nicola Schmidt ist Wissenschaftsjournalistin, Bloggerin und Mutter. Ihr Buch soll Eltern vermitteln, wie ihr »Steinzeitbaby« tickt und sie gibt ganz konkrete Tipps, wie man das im Alltag praktisch umsetzen kann. Sie ermutigt Eltern, das Konzept an ihre persönliche Lebensrealität anzupassen. Ihre Herangehensweise ist weniger eine persönliche, als eine wissenschaftliche. So gibt es in jedem Kapitel ein Unterkapitel »das sagt die Wissenschaft«. In das Buch sind außerdem Zitate von Eltern eingestreut, was sie gerne vorher über ihre Babys gewusst hätten.

Schmidt vertritt die These, dass artgerechtes Familienleben am Anfang aufwändiger ist, später aber viel Arbeit spart. Und sie vertritt vehement die Meinung, dass zu einer funktionierenden Eltern-Kind-Beziehung auch ein funktionierendes Netz unterstützender Menschen gehört, der Clan. Sie gibt auch Anregungen, wie sich Mütter einen solchen Clan schaffen können und ermutigt sie, sich von Anfang an so viel Unterstützung zu suchen, wie sie kriegen können.

Unser Fazit: Nicola Schmidts »Artgerecht – Das andere Baby-Buch« trägt zum besseren Verständnis von Babys bei und zeigt einen Weg auf, der im wahrsten Sinne des Wortes »artgerecht« ist. Und zwar nicht nur für die Säuglinge, sondern auch für die Eltern, deren Bedürfnisse nicht vernachlässigt werden. Die Informationen in diesem Ratgeber sind sehr fundiert und das Buch räumt mit unzähligen Ammenmärchen auf.

Dabei ist es vollkommen undogmatisch, auch wenn es in vielen Punkten Alternativen zur Mainstream-Erziehung von Babys aufzeigt. Wir empfehlen Schmidts Ratgeber allen Schwangeren, die bereit sind, althergebrachte Vorstellungen auch mal kritisch zu hinterfragen. Es ist auf jeden Fall eine gute Ergänzung zu einem »herkömmlichen« Baby-Ratgeber.

Was Babys alles können

»Mein kompetentes Baby« von Nora Imlau

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Nora Imlau Mein kompetentes Baby
Eine Ermutigung, was Babys alles können.

Die Autorin Nora Imlau lenkt in »Mein kompetentes Baby« den Blick darauf, welche Kompetenzen Babys schon von Geburt aus mitbringen, statt zu sagen, was sie alles noch nicht können. Diese Erkenntnis ist stark von Herbert Renz-Polster geprägt. Es wird erklärt, wie Kinder zeigen, was sie brauchen.

Nora Imlau ist Journalistin und Autorin,  sie schreibt unter anderem für ELTERN und Mutter von vier Kindern.

Imlaus These: Wenn man Kinder als kompetente Wesen begreift und darauf hört, was sie brauchen, kann das das Familienleben erheblich erleichtern. Im Buch legt sie dar, was ein Neugeborenes schon alles kann, sie schreibt über kompetente Stillkinder und kompetente Essanfänger, kompetente kleine Schläfer und zeigt auf, wie kompetente Babys mit uns kommunizieren und ihre Motorik entwickeln.

Zuletzt geht es darum, wie kompetente Babys soziales Verhalten und Empathie entwickeln. Wer Imlaus Buch liest, kommt zu dem Schluss, dass viele Probleme, beispielsweise was den Beikoststart betrifft oder das Thema Schlafen, aus unrealistischen Erwartungen an das Baby resultieren.

Unser Fazit: »Mein kompetentes Baby« von Nora Imlau hilft Eltern, ihre Kinder besser zu verstehen und nimmt ihnen einige Last von den Schultern. Dieses bessere Verständnis führt häufig zu einem entspannteren Alltag mit dem Kind. Der Ratgeber ist nicht zu dick, gut lesbar und empfehlenswert für alle, die ihr Baby besser verstehen wollen.

Bedürfnisorientiert

»Das Geheimnis zufriedener Babys« von Nora Imlau

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Nora Imlau Das Geheimnis zufriedener Babys
Für Eltern, die einen bedürfnisorientierten Weg gehen möchten.

Das zweite Buch von Nora Imlau, »Das Geheimnis zufriedener Babys« richtet sich bereits an Schwangere und hat einen stärkeren Ratgebercharakter. Anders als andere Ratgeber aus dem Gräfe und Unzer Verlag ist das Buch emotionaler gehalten und persönlicher. Imlau erzählt darin auch von ihren eigenen Erfahrungen und denen ihrer Freundinnen. Zudem sind Zitate berühmter Persönlichkeiten eingestreut.

Das Buch beinhaltet sieben Geheimnisse als Sammlung der besten Strategien für ein liebevolles und bedürfnisorientiertes Familienleben. Sie sollen Eltern helfen, eine feste Bindung zu ihrem Baby aufzubauen. Die sieben Geheimnisse sind: Liebevoll begrüßen, Mamas gute Milch, gemeinsam gut schlafen, Babys verstehen, ins Leben tragen, liebevoll betreuen und nicht zuletzt zufriedene Eltern.

So schreibt Imlau denn auch: »Schon Babys können lernen, dass sie immer bekommen sollen, was sie brauchen, aber nicht immer, was sie wollen – weil andere Menschen in der Familie auch Bedürfnisse haben und diese ebenfalls wichtig sind.« Bedürfnisorientierte Erziehung heißt für die Autorin nicht, das Baby alles machen zu lassen, sondern ihm alles zu geben, was es braucht.

Unser Fazit: Nora Imlau verteilt in »Das Geheimnis zufriedener Babys« keine Ratschläge, sie belehrt nicht und sie gibt auch keine Anweisungen. Sie fasst vielmehr das Wesentliche der bedürfnisorientierten Erziehung anschaulich und undogmatisch zusammen. Die Mischung aus Erklärungen, Zitaten und konkreten Tipps ist vor allem für Eltern geeignet, die es gerne ein bisschen emotionaler haben und nicht so sachlich-trocken.

Aus Norwegen

»Die Hedvig Formel für glückliche Babys« von Hedvig Montgomery

Test besten Elternratgeber fürs erste Kind: Die Hedvig Formel für glückliche Babys
Erziehungstipps aus Norwegen, dieses Band ist Teil 2 von 4.

Wohl alle Eltern wünschen sich glückliche Babys. Und so ist »Die Hedvig Formel für glückliche Babys« auch schon deswegen spannend, weil der Titel so attraktiv klingt. Das Buch ist ein Beststeller in Norwegen, die Autorin Hedvig Montgomery ist dort sehr bekannt. Jesper Juul verehrte sie und empfahl dieses Buch allen Eltern als eine moderne Version seines eigenen Ratgebers »Dein kompetentes Kind«.

Sie sollen, um sich selbst und ihren Nachwuchs glücklich zu machen, sieben Schritten folgen. Diese sind nicht wirklich neu, es geht um Bindung, Gefühle, Grenzen und Loslassen. Aber die Autorin verpackt das alles in schöne Sätze, die zum Nachdenken anregen. Bei Montgomery gibt es kein Dogma, jede Familie ist wie sie ist und muss mit dem, was sie zur Verfügung hat, zurecht kommen.

Schön sind die Zusammenfassung am Ende jedes Kapitels, in denen immer wieder aufgezählt wird, was das Baby in welchem Stadium schon kann oder versteht. So bekommen Eltern einen anderen Blick auf ihr Kind. Das fördert den Zusammenhalt.  Ob Babys glücklicher werden, wenn Eltern diesen Ratgeber lesen, können wir nicht beantworten. Aber Sie als Eltern werden sich, wenn Sie bedürfnisorientierte Ratgeberliteratur mögen, gut aufgehoben fühlen.

Unser Fazit: Ob wir immer alle glücklich sein müssen, sei dahin gestellt. Aber zu verstehen wie Babys und vor allem wir Eltern ticken, das kann helfen, einen Familienfrieden herzustellen. Die kurzen Kapitel können Sie gut lesen, wenn das Baby eine Pause braucht und schläft, die Zusammenfassungen helfen dabei, das Gelesene besser zu verinnerlichen. In der Reihe »Die Hedvig Formel für… « sind noch drei weitere Bände erschienen, die für glückliche Familien, glückliche Kleinkinder und glückliche Schulkinder sorgen.

Alles übers Stillen

»Intuitives Stillen« von Regine Gresens

Test besten Elternratgeber fürs erste Kind: Intuitives Stillen
Ein Ratgeber für alle stillenden Mütter.

Einen Ratgeber nur zum Thema Stillen, braucht es den wirklich? Wir finden: Ja. Zumindest für die Eltern, die sich gern weitreichend übers Stillen informieren möchten. »Intuitives Stillen« von Regine Gresens ersetzt keine Stillberaterin, die bei Stillproblemen helfen kann. Aber das Buch kann Fragen auffangen, die so kommen können. Mütter lesen hier was für ein Wunderwerk ihr Körper ist, wie viele Vitamine und Nährstoffe in der Muttermilch vorhanden sind und wieso sie so gut für unsere Babys ist.

Die Autorin ist Hebamme und Stillberaterin und vermittelt im Buch nicht nur verschiedene Stilltechniken, sondern auch viel Wissenswertes um die erste Nahrung unserer Kinder. Da viele Mütter gern auch länger als sechs Monate stillen, kann der Ratgeber immer wieder bei auftretenden Fragen herangezogen werden. Denn die Stillbeziehung zwischen Mutter und Kind verändert sich im Laufe der Zeit. Gresens geht auf verschiedene Mythen ein und erklärt sie fachgerecht.

Unser Fazit: Nicht alle Mütter wollen stillen. Aber für die, die es gern möchten, bietet »Intuitives Stillen« das geballte Wissen rund um die Muttermilch an. Frauen lernen ihrem eigenen Gefühl zu vertrauen und erkennen, dass nicht alles, was so an Halbwissen zum Thema im Netz zu finden ist, stimmt. Das Buch muss nicht in einem Rutsch gelesen werden, sondern immer passend zur jeweiligen Stillsituation.

Ratgeber für Eltern mit Schreibabys

Für Schreibabys

»Das glücklichste Baby der Welt« von Dr. Harvey Karp

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Dr. Harvey Karp Das glücklichste Baby der Welt
Ein Bestseller, der Schreibabys thematisiert, aber einen sehr eigenen Ansatz verfolgt.

Das Buch »Das glücklichste Baby der Welt« von Harvey Karp richtet sich an Eltern mit Kindern bis drei Monate, die viel schreien. Es verspricht eine Methode zur einfachen Beruhigung schreiender Babys.

Dr. Harvey Karp ist ein amerikanischer Kinderarzt, der sich seit 30 Jahren mit Babys und Kleinkindern beschäftigt. Das Buch besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: »Warum Babys weinen – und warum manche so viel weinen« und »Die alte Kunst des Beruhigens erlernen«.

Karps These ist, dass Babys evolutionsbedingt drei Monate zu früh geboren werden und deshalb so viel schreien, weil sie sich erst an das Leben außerhalb der Gebärmutter gewöhnen müssen. Eltern können ihre Babys deshalb am besten beruhigen, wenn sie in den ersten drei Lebensmonate die Bedingungen im Mutterleib nachahmen. In traditionellen Kulturen sei das gang und gäbe. Deshalb ahme fast jede traditionelle Beruhigungstechnik das nach, was Babys in der Gebärmutter spüren, so Karp.

Der Autor gibt Eltern Rüstzeug an die Hand, mit dem sie das Baby beruhigen können: Die 5-S-Methode besteht aus strammem Einwickeln (Pucken), Seiten-Bauchlage, um den Moro-Reflex zu inaktivieren, Schhhh-Lauten, Schaukeln und Saugen. Karp erklärt ganz genau und detailliert, wie man die einzelnen »S«s anwendet, um den Beruhigungsreflex des Babys zu aktivieren, den er als eine Art Aus-Schalter sieht.

Als Beleg für die Wirksamkeit seiner Methode nennt er unter der Überschrift »Zeugenaussagen von der Babyfront« immer wieder Beispiele von Eltern, denen sie geholfen hat.

Unser Fazit: »Das glücklichste Baby der Welt« von Harvey Karp ist eins der meistgekauftesten Bücher zum Thema Schreibaby. Nicht alles daran ist noch aktuell, die hier beschriebene Theorie der Drei-Monats-Koliken halten viele Kinderärzte heute nicht mehr für aktuell. Wie es Amerikanern oft eigen ist, ist Karp felsenfest davon überzeugt, dass seine Methode bei jedem Kind erfolgreich ist und in diesem (amerikanischen) Stil ist das Buch auch geschrieben. Diese Garantie würden wir nicht geben.

Der geborgene Weg

»Mein Schreibaby verstehen und begleiten« von Anja Constance Gaca & Susanne Mierau

Test besten Elternratgeber fürs erste Kind: Mein Schreibaby verstehen und begleiten
Der Ratgeber hilft dabei, Schreibabys zu verstehen.

»Mein Schreibaby verstehen und begleiten« von Anja Constance Gaca und Susanne Mierau will Eltern einen geborgenen Weg raus aus dem Schreien zeigen. Sie erklären im BUch, warum Babys weinen, denn das tun ja alle Kinder aus verschiedenen Gründen. Schreibabys weinen aber einfach anders, häufiger, ausdauernder, lauter. Und das kann Eltern an den Rand der Verzweiflung treiben, auch, weil erprobte Beruhigungsmechanismen nicht immer funktionieren. Die Autorinnen, Gaca ist Hebamme, Mierau Kleinkindpädagogin, erklären, warum Eltern ihre Kinder niemals schreien lassen sollten und was ein Schreibaby manchmal vielleicht auch schon mitbringt, wenn es auf die Welt kommt.

Die Bedürfnisse der Eltern werden thematisiert, etwas, dass oft vergessen wird. Denn wenn es den Eltern nicht gut geht, können sie sich auch nicht gut um ihren Nachwuchs kümmern. Ob Eltern wirklich, wie auf der Rückseite beworben, einen entspannteren Weg mit ihrem Schreibaby finden, ist unklar. Das liegt auch daran, dass jedes Baby und jede Familie anders ist. Die vielen Fotos lockern das Buch aber angenehm auf, so dass Eltern schreiender Kinder hier auch visuell einmal Pause machen können.

Die Eckpfeiler zur wirksamen Beruhigung von Schreibabys beobachten-verstehen-handeln, erklären die Autorinnen sehr verständlich. Eltern bekommen Hilfe an die Hand um sich selbst helfen zu können, in diesen schwierigen Zeiten.

Unser Fazit: Das Buch hilft Eltern dabei zu verstehen, welche Bedürfnisse ihre Schreibabys haben. Und dann entsprechend zu handeln. Es gibt außerdem viel Hintergrundwissen, das Eltern entlasten kann. Die Kapitel behandeln auch verschiedene Zeitabschnitte, die meisten Schreibabys schreien besonders intensiv in den ersten drei Monaten. Aber Eltern werden über das ganze erste Jahr mit diesem Buch geleitet.

Aus der Schreibabyambulanz

»So beruhige ich mein Baby« von Christine Rankl

Christine Rankls Ratgeber »So beruhige ich mein Baby« gibt es jede Menge Tipps aus der Schreibaby-Ambulanz. Das ist der Ort, an dem sich viele Eltern wiederfinden, wenn sie nicht mehr weiter wissen, es gibt sie in vielen Städten Deutschlands. Rankl ist Psychotherapeutin und Mitbegründerin der Säuglingspsychosomatik am Wiener Wilhelminenspital und kennt sich mit Schreibabys gut aus.

Das Buch ist in drei Abschnitte gegliedert: Wie Schreiprobleme entstehen – Schreiprobleme bewältigen – Die Bedeutung der Eltern-Kind-Beziehung. Besonders im zweiten Themenblock, der im Buch natürlich den meisten Platz einnimmt, wird viel auf das Lebensalter der Kinder eingegangen. Es geht darum, dass auch Eltern verstehen, dass sich das viele Schreien ihrer Kinder entwickeln kann, dass es anders wird und andere Beruhigungsmechanismen gefragt sind.

Die Eltern-Kind-Bindung ist für alle Kinder wichtig, wird aber, wenn Eltern so massiv belastet sind, vielleicht gestört. Darauf hat Rankl in ihrem Buch ein Auge und gibt Hilfestellungen, wie Familien sich nicht aus den Augen verlieren.

Unser Fazit: Das größte Problem an »So beruhige ich mein Baby« ist der viele Text. Es sind sehr viele Informationen, aber die müssen alle aufgenommen werden. Ab und zu gibt es kleine Einschübe und Boxen, aber im Prinzip lesen sich Eltern durch eine Textwüste. Das fordert viel Konzentration, die gerade ausgelaugte Eltern nicht immer haben.

Entwicklungssprünge

»Oje, ich wachse!« von H. van Rijt/F. X. Plooij

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Hetty van de Rijt, Frans X. Plooij Oje, ich wachse!
Ein Bestseller über die Entwicklungssprünge, die Babys in den ersten 14 Monaten machen.

Das überaus populäre Buch »Oje, ich wachse!« von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij hat ebenfalls den Anspruch, bei schreienden Babys zu helfen.Es geht um die zehn Sprünge in der mentalen Entwicklung des Kindes während der ersten 20 Monate – und wie Eltern damit umgehen können. Von dem Buch gibt es übrigens auch eine Taschenbuchversion, die die acht Sprünge in der mentalen Entwicklung Ihres Kindes während der ersten 14 Monate behandelt.

In »Oje, ich wachse!« wird dargelegt, dass es immer einen Grund fürs Schreien gibt. Wenn das Baby gewickelt und gefüttert ist und auch sonst keine Anzeichen für eine Erkrankung aufweist, könnte das Weinen an einem Entwicklungsschub liegen. Und es ist völlig normal, wenn Babys schreien, denn die Entwicklungssprünge sind rasant und stellen die Lebenswelt des Säugling jedes Mal auf den Kopf.

Nach einer Einleitung geht es darum, wie das Baby größer wird und wie Neugeborene ihre Welt erleben. Danach werden die zehn Sprünge in chronologischer Reihenfolge abgearbeitet. Der Aufbau der Kapitel ist immer der gleiche: Der Sprung kündigt sich an, was macht den Sprung aus und wie können Sie dem Baby beim Lernen helfen. Schließlich ist der Sprung geschafft und es beginnt eine unkomplizierte Phase.

Eingestreut sind immer wieder die Zitate von 52 Eltern mit gesunden Babys. Sinn und Zweck davon ist, dass Eltern lesen, sie sind mit ihren Sorgen nicht allein. Und doch sind die Zitate nicht immer passend.  Vieles in dem Buch ist äußerst redundant geschrieben, so sind nicht nur die Unterüberschriften bei den einzelnen Sprung-Kapiteln identisch, es wird auch in jedem Kapitel exakt das gleiche wiederholt und man muss lange danach suchen, was jetzt eigentlich gerade vor sich geht.

In jedem Kapitel wird mantra-artig darüber aufgeklärt, dass sich das Baby unsicher fühlt und Nähe braucht. Dass es mehr schreit, schlechter schläft und sich mehr an Mama klammert. Das nervt ganz schön. Und es wird auch nicht erklärt, warum es das tut, welche Bedürfnisse dahinter stecken. Der Fokus der Autoren liegt allein darauf, dass ein Baby oft »schwierig« ist, danach aber eine neue Eigenschaft erlernt hat.

Und dann gibt es da noch diese Auflistungen, was das Kind nach den diversen Schüben eventuell schon kann. Zwar steht auch dabei, dass einzelne Dinge auch erst viel später kommen können, aber diese Listen führen dazu, dass man sein Baby unweigerlich vergleicht und tragen wenig zur Entspannung bei. Geht es nach diesen Listen, so sind auch fast alle mir bekannten Babys entwicklungsverzögert. Da ist es hilfreich, wenn man sich dank Largo vor Augen führt, wie breit die normale Entwicklungsspanne ist.

Das Buch ist in dieser Hinsicht zu simpel, aber seine Kernbotschaft, dass ein Baby eben manchmal schwierig ist und dass das damit zu tun hat, dass es einen Entwicklungsschub durchmacht, kann durchaus hilfreich sein. Ein anstrengendes Baby lässt sich leichter ertragen, wenn man einen Grund für sein Verhalten findet und wenn man die Hoffnung hat, dass jeder schwierigen Phase auch mal wieder eine leichtere folgt.

Unser Fazit: Mehr Sachlichkeit und Konzentration auf das Wesentliche täten dem Buch »Oje, ich wachse!« von Hetty van de Rijt und Frans X. Plooij gut – dann würde es auch mit einem Viertel der Seiten auskommen. Wer sich für die mentale Entwicklung seines Kindes interessiert und wem damit geholfen ist, wenn er für schwierige Phasen eine (mögliche) Erklärung bekommt, für den könnte das Buch dennoch hilfreich sein.

Speziell für Väter

Das erste Jahr für Papas

»Das Papa Handbuch« von Dr. Robert Richter & Eberhard Schäfer

Test besten Elternratgeber fürs erste Kind: Das Papa Handbuch
Auch Väter haben Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und das erste Jahr. Dieser Ratgeber hat Antworten..

»Das Papa Handbuch« bietet, wie der Untertitel verrät, alles Wissenswerte für Väter zu Schwangerschaft, Geburt und dem ersten Jahr mit Baby an. Die Familienforscher Dr. Robert Richter und Eberhard Schäfer haben das Ziel, Väter zu aktiven Vätern zu machen, die eben nicht nur Anweisungen befolgen, sondern selbst aktiv sind und sich einbringen.

Da die ersten zwei Themenblöcke die Schwangerschaft und die Geburt des Kindes beinhalten, ist es ratsam diesen Ratgeber schon früh zu besorgen. Aber auch wenn das Buch erst mit der Geburt Einzug hält, ist das letzte Drittel für Väter durchaus noch lohnend.

Von der ersten Zeit zu dritt (und dem Kraftakt, den das manchmal bedeutet) über Babyschlaf und Papa-Blues bis hin zu Spielen mit dem Kind wird in diesem Ratgeber alles erklärt. Es geht um Eltern sein und Paar bleiben, um die Herausforderungen als neues Elternteil und die Unsicherheiten in Bezug auf das eigene Kind.

Man möchte ja meinen, dass es eigentlich keinen extra Ratgeber für Väter braucht, weil beide Elternteile das ja zum ersten Mal durchmachen. Aber so ganz stimmt es eben doch nicht, Väter brauchen manchmal eine andere Ansprache als Mütter. Und sie beschäftigen sich gerade im ersten Jahr nach der Geburt vielleicht auch mit anderen Themen.

Während Mütter Fragen zum Stillen haben, ist das für Väter beispielsweise kein wirklich emotionales Thema, weil sie zwar dabei sein aber nicht direkt betroffen sein können. »Das Papa Handbuch« gibt für diese Situationen Tipps, erklärt aber auch, wie Väter eben an anderer Stelle aktiv werden können. Denn: Väter können außer stillen eigentlich alles, was Mütter auch können. Windeln wechseln, Baby baden, spielen, kuscheln, tragen und zum Einschlafen bringen, all die Aufgaben die im Leben mit Kind anfallen sind nicht an ein Geschlecht gebunden. Dieser Ratgeber hilft Vätern dabei, in ihre neue Rolle zu finden.

Unser Fazit: Ein Ratgeber der gezielt auf die Sorgen und Nöte von Vätern eingeht, der Frust und Ängste anspricht und Auswege zeigt. Uns gefällt, dass Väter hier für Väter schreiben und in Erfahrungsberichten und Zitaten weitere Väter zu Wort kommen. Es gibt ein Meer an Ratgeberliteratur was sich irgendwie doch nur an Mütter richtet – gut, dass es solche Ausnahmen gibt.

Handbuch für Väter

»Baby Betriebsanleitung« von J. und L. Borgenicht

Test Ratgeber für erste Babyjahr: Joe Borgenicht, Louis Borgenicht Baby Betriebsanleitung
Weniger brauchbare Tipps, trotzdem eine nette Geschenkidee für werdende Väter.

Der Ratgeber »Baby Betriebsanleitung Inbetriebnahme, Wartung und Instandhaltung« von Joe und Louis Borgenicht bemüht sich um Originalität und ist im Stil einer Betriebsanleitung geschrieben, um vor allem Väter anzusprechen. Traurig, dass Verlage auch heute noch glauben, Informationen für Väter müssten besonders »männlich« daherkommen.

Die Autoren sind ein amerikanischer Kinderarzt aus Utah und sein Sohn, der als Autor und Unternehmer arbeitet und zwei Söhne hat.

Das Konzept ist originell, das Buch schön illustriert und wird deshalb gerne an werdende oder frischgebackene Väter verschenkt. Die sieben Kapitel sind beispielsweise mit »Allgemeine Wartungshinweise«, »Energieversorgung des Babys« oder »Programmierung des Schlafmodus« überschrieben. Der Kinderarzt wird in dem Buch »Service-Provider« genannt, und statt von Wickeln ist von »Windeln installieren« die Rede. Die Informationen umfassen das erste Lebensjahr des Kindes.

Allerdings enthält das Buch eine ganze Reihe fragwürdiger Tipps und falsche Informationen – was sicher auch damit zusammenhängt, dass es ursprünglich für den amerikanischen Markt verfasst wurde.

Unser Fazit: Als Gag ist die »Baby Betriebsanleitung«  von Joe und Louis Borgenicht vielleicht ein nettes Geschenk für (werdende) Väter, zum besseren Verständnis des Kindes und was in seiner Entwicklung passiert, trägt dieses Buch allerdings nichts bei. Zudem enthält es viele Informationen, die nicht richtig oder veraltet sind.

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Kommentare

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Tabea Laue
Tabea Laue

Danke für die ehrliche Aufstellung von Büchern und die Einschätzung in Sachen Aktualität … leider stelle ich das ebenfalls immer wieder in meiner Arbeit mit Mamas fest, dass viele Ratgeber längt überholt werden müssen.

Ergänzend möchte ich da die häufig gelesene und auch von mir wertgeschätzte „Hebammensprechstunde“ von Ingeborg Stadelmann mit vielen tollen Tipps und einer sehr wertschätzenden Haltung dem Leben gegenüber nennen, deren Kapitel übers Stillen in den 80ern hängengeblieben scheint und noch nicht mal dem Stand der damaligen LaLecheLiga-Literatur entspricht.

„Das glücklichste Baby“ ist derweil gleich in meinen Einkaufswagen gewandert – vielen Dank 😀