Welche Systeme gibt es?

Der Markt der Smart-Home-Lösungen ist unübersichtlich. So mancher Hersteller von Netzwerkkomponenten nimmt seine Kompetenz auf diesem Gebiet und versucht mit Smart Home ein neues Geschäftsfeld zu erschließen, wie zum Beispiel DLink und Devolo, die bisher vor allem mit Routern, WLAN-Repeatern oder Powerline-Lösungen bekannt waren.

Auch viele Energieversorger springen zur Zeit auf den Smart-Home-Zug auf, RWE etwa mit seiner Tochterfirma Innogy. Der rosa Riese Telekom mischt mit Magenta SmartHome mit und Medion ist inzwischen ebenfalls bei Smart Home aktiv, Einsteiger-Pakete werden also auch bald bei den Discountern in den Regalen liegen.

Noch komplizierter wird es, weil es eine ganze Reihe von Funkstandards gibt, die in der Regel nicht miteinander kompatibel sind. Neben Funkbus, Z-Wave, ZigBee, BidCoS und KNX gibt es auch Systeme, die auf dem DECT-Funkstandard schnurloser Telefone oder schlicht auf WLAN aufbauen.

Bluetooth LE spielt in den aktuellen Systemen keine Rolle mehr, nur Archos bietet hierfür ein Smart Home Starter Paket an. Weitere Funk-Standards, wie WaveLine, iComfort oder MyFox spielen ebenfalls kaum mehr eine Rolle.

Z-Wave

devolo, Rauchmelder
Z-Wave: Devolo Rauchmelder

Z-Wave hat sich inzwischen den höchsten Marktanteil gesichert, die meisten zur Zeit verfügbaren Smart Home Geräte beherrschen diesen Standard.

devolo, Fernbedienung
Z-Wave: Devolo Fernbedienung

Z-Wave setzt auf kleine, batteriebetriebene Sensoren, die mit einer Home-Zentrale kommunizieren. Die Funktechnologie geht sehr sparsam mit Energie um, weshalb Batterien für gewöhnlich zumindest ein Jahr durchhalten, selbst im Outdoor-Bereich. Ich kann das von meinem Devolo-System bestätigen: Erst nach einem Jahr meldeten sich die ersten Batterien.

Z-Wave Unterputz-Schalter
Z-Wave: Unterputz-Schalter

Vorteil: Die meisten Z-Wave Geräte benötigen keine Steckdose, sind also kein Dauer-Stromverbraucher. Die Sensoren können völlig frei montiert werden, ohne dass man sich Gedanken über deren Energieversorgung machen muss. Nur Aktoren mit einer hohen Energieaufnahme benötigen ein Steckernetzteil, wie etwa eine Alarm-Sirene oder eine Kamera.

Nachteil: Im Vergleich zu WLAN oder DECT ist die Reichweite oftmals geringer. Bei Grundstücken mit mehreren Gebäuden kann das ein Problem sein.

Auch wenn die Z-Wave Geräte ihren Preis haben – wir empfehlen diesen Standard für den Ausbau Ihres Smart Home. Hier gibt es die meisten und vielfältigsten Geräte. Hinsichtlich der Zukunftstauglichkeit kann man damit nicht viel falsch machen, denn die Z-Wave Schnittelle ist inzwischen ein offener Standard, den jeder Hersteller kostenfrei benutzen kann.

Funkbus

Innogy / RWE Smart Home, Bewegungsmelder
Funkbus: Innogy Bewegungsmelder

Funkbus ist ebenfalls weit verbreitet, vor allem Hersteller mit Heizungs-Affinität wie RWEs Innogy, Elro und Honeywell nutzen Funkbus, aber auch der Jalousien-Steuerer Rademacher. Funkbus ist aber auch bei Funk-Steckdimmern, Einbau-Dimmern, Funksteckdosen und Motorsteuerungen stark vertreten.

Funkbus: Innogy / RWE Smart Home, Schalter
Funkbus: Innogy Schalter

Vorteil: Funkbus sendet wie schon die bekannten Funksteckdosen aus dem Baumarkt auf Radio-Frequenzen, meist 433 oder 800 MHz.

Nachteil: Die Funktechnik benötigt relativ viel Energie, weshalb der Batteriebetrieb eher die Ausnahme ist. Funkbus-Geräte sind damit nicht flexibel an jedem Ort installierbar, sondern benötigen eine Steckdose oder ein Kabel, das der Elektriker vorgesehen hat.

BidCoS

BidCoS: HomeMatic Wandthermostat
BidCoS: HomeMatic Wandthermostat

BidCoS wird gerade von Z-Wave in den Hintergrund gedrängt, dennoch stehen wichtige Anbieter weiter dahinter, etwa die Deutsche Telekom. Der Magenta-Riese baut selbst keine Geräte, hat aber die Smart Home Plattform Qivicon ins Leben gerufen. Hersteller wie Miele, D-Link, Philips und viele mehr haben sich der Allianz angeschlossen.

BidCoS: Qivicon Home Base
BidCoS: Qivicon Home Base

Die Qivicon Home Base ist die Steuerzentrale der Plattform, die mit allen Geräten der genannten Hersteller zusammenarbeitet. Die Zentrale arbeitet mit dem eQ-3 Homematic Funksystem, für die zahlreiche Komponenten zu finden sind.

Funkbus: HomeMatic, Heizkörperthermostat
BidCoS: HomeMatic Heizkörperthermostat

Vorteil: Sehr gute Einbindungsmöglichkeiten in vorhandene Elektroinstallationen, denn es gibt sehr viele Unterputz-Lösungen und Erweiterungen. Wer seine Steckdosen nicht durch Steckdosen-Schalter und die Wohnung nicht durch Aufputz-Dimmer verunstaltet sehen möchte, ist bei BidCoS am besten aufgehoben.

Nachteil: Auch hier muss der Fachmann die Installation vornehmen. Die Telekom bietet allerdings inzwischen auch viele Einsteiger-Kits an, die ohne Elektriker installiert werden können.

WLAN

WLAN: Belkin Wemo
WLAN: Belkin Wemo schaltbare Steckdose

Die Idee, einfach das eigene WLAN-Netzwerk als Kommunikationskanal für Smart Home Geräte zu benutzen ist verlockend, denn so sinken die Anschaffungskosten und im Haus steht ein Gerät weniger herum.

Netgear Arlo, Funk-Überwachungskamera (Batteriebetrieben mit Basis)
WLAN: Netgear Arlo Überwachungskamera

Doch die WLAN-Verbindung hat Nachteile, nicht umsonst sind die Angebote in diesem Bereich auf Belkin WeMo und D-Link beschränkt. D-Link hat allerdings inzwischen auch eine Z-Wave Zentrale im Angebot – ein weiteres Indiz dafür, dass sich WLAN für Sensoren und Aktoren nicht durchsetzen wird.

Nachteil: Jeder Sensor benötigt eine Steckdose, das schränkt die Positionierung deutlich ein. Außerdem sind die Sensoren ständige Energieverbraucher. Wer sein Zuhause nicht mit noch mehr Funk belasten will, für den ist dieses System nichts.

Vorteil: Einfache Integration, denn WLAN-Router sind in jedem Haushalt vorhanden, zur Not erweitern WLAN-Repeater die Reichweite. Es gibt hier keine Zentrale, denn jeder Sensor spricht direkt mit dem lokalen Router.

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Kommentare

5 Kommentare zu "Ratgeber Smart Home: Ein Überblick"

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Juergen Mertin

Ich nehme an die Aktoren und Sensoren streut man einfach durch den Schornstein ins Haus und die laufen dann selbstständig an ihre zugewiesenen Orte? Ohne Fachbetrieb läuft hier nämlich garnix, es sei denn sie können Fenster-, Rolladen- Heizungssensoren selbst einbauen, ganz zu schweigen von den notwendigen Stellmotoren. Smart Home heisst nicht ein Display an die Wand zu hängen, sondern ein System zu erstellen. Dazu braucht man Profis und keine Hobby-Baumärktler.
Jürgen Mertin, Redaktion Haus- und Elektronik, Zeitschrift für Haus- und Gebäudetechnik

Anstatt mehrere tausend Euro für eine Alarmanlage auszugeben bekommt man heute um 100 Euro schon etwas gleichwertiges!

Bestimmt eines nicht: den Ratger.

richi
richi

kann Christian Wind nur recht geben. wir haben unser haus nachgerüstet über fachbetrieb, system smart home von loxone. sind voll auf zu frieden und begeistert. können wir nur weiter empfehlen

Hallo herr jentsch. In unserem betrieb beschäftige ich mich seit mehreren jahren mit dem thema smart home. Mittlerweile können wir auf ein gutes produktportfolio mehrerer hersteller zurückgreifen. Dabei ist es uns vor allem wichtig für jeden kunden individuelle und einfach zu bedienende lösungen zu schaffen. Dies erfordert eine gute planung und ausreichend kenntnisse der produkte die verwendet werden sollen. Die von Ihnem beschriebenen funk und wlanlösungen sind gute möglichleiten für den nachrüster der teile seines hauses upgraden möchte, vielleicht gut nutzbar in kleineren wohneinheiten. Aber für bauherrn die einen neubau oder die gesamtsanierung ihres projekts anstreben wäre es sinnvoller über… Mehr... »
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