Sicherheit

Die Anbieter sprechen vom »intelligenten Wohnen«, von Komfort und Sicherheit und das Ganze ist natürlich »einfach, schnell und problemlos einzurichten«. Auf der anderen Seite hören wir in den Nachrichten von Botnetzen ferngesteuerter Überwachungskameras und anderer Smart Home Geräte, die das halbe Internet lahmlegen.

Tatsächlich sind von diesem Problem oft günstige Überwachungskameras betroffen, die mit den Grundeinstellungen ohne ein Passwort festzulegen, installiert worden sind. Dass einige Hersteller so eine Installation überhaupt zulassen, ist problematisch, keine Frage. Doch wer zuhause ein Smart Home System installieren will, sollte sich auch damit vertraut machen, wie es funktioniert und zumindest die Grundlagen der Datensicherheit beachten – sonst kann es schnell passieren, dass die ganze Welt Einblick ins heimische Wohnzimmer erhält.

Doch auch wenn man alle Vorsichtsmaßnahmen beherzigt und nur gute Passwörter verwendet, bleibt weiterhin ein gewisses Risiko. Zwar ist es prinzipiell möglich, die Kommunikation der Smart-Home-Geräte auf das heimische Netzwerk zu beschränken und es gibt autarke Lösungen, bei denen das Smart-Home-Netz gar nicht erst mit dem Router verbunden wird. Dann hat man allerdings auch selbst von außerhalb keine Kontroll- und Steuerungsmöglichkeiten mehr.

In der Praxis sendet eine Smart-Home-Zentrale fortwährend Daten Ihres Hauses auf die Server des Anbieters. Nur so können Sie von außerhalb auf Ihre Smart-Home-Steuerung zugreifen, egal ob über eine App oder eine Internet-Seite. Wird der Server des Anbieters oder Ihr eigenes Netzwerk gehackt, bekommt ein Angreifer im schlimmsten Fall Zugriff auf die gesamte Haussteuerung. Bereits 2015 wurde ZigBee als verwundbar entlarvt, obwohl es hochwertige Sicherheitsprotokolle benutzt. Es handelte sich allerdings um einen Spezialfall der Angreifbarkeit, der eintritt, wenn sich neue Philips Hue Lampen mit dem Gateway verbinden.

Was können Kriminelle mit solchen Daten anfangen? Zum einen kann ein Einbrecher dadurch relativ einfach feststellen, ob jemand zuhause ist. Überwachungskameras vermitteln zudem möglicherweise ein Bild davon, wie lohnend ein Einbruch wäre. Vor allem aber kann so natürlich eine Alarm-Regel deaktiviert werden, im schlimmsten Fall könnte der Einbrecher sich sogar selbst die Türen öffnen.

 

Steuerung: Meine Regeln in devolo Web-App
Was passiert, wenn Kriminelle Zugriff auf meine Steuerung bekommen? Regeln in devolo Web-App

Doch wie konkret sind diese Gefahren? Wenn ein Hacker Zugriff auf die Server Ihres Smart-Home-Providers bekommt, kann er zwar theoretisch auf die Smart-Home-Steuerung zugreifen. Das nützt ihm aber erst etwas, wenn er auch weiß, wo sich das Haus, in das er sich gehackt hat, überhaupt befindet. Solange im System keine realen Adressdaten hinterlegt sind, ist das technisch schwieriger, als man auf den ersten Blick denken würde.

Die größere Gefahr besteht daher tatsächlich darin, dass Ihr eigenes WLAN-Netzwerk nicht gut gesichert ist. Mit dem Laptop im Wagen könnten Einbrecher theoretisch ein Wohngebiet abfahren und nach offenen oder schlecht gesicherten WLAN-Netzen suchen. Haben sie eins gefunden, hacken sie sich in die Haussteuerung und können unbehelligt nachsehen, ob jemand zuhause ist und die Alarmanlage abstellen.

Das größte Sicherheitsrisiko liegt also bei Ihnen selbst. Wenn Sie für Ihr WLAN und alle Smart-Home-Geräte und -Apps sichere, lange und nicht leicht zu erratende Passwörter verwenden, können Sie das größte Risiko weitgehend ausschließen.

Eine grundsätzliche Entwarnung können wir an dieser Stelle nicht geben. Auch der Kauf von Markenprodukten wie jenen von Devolo oder Telekom Qivicon ist kein hinreichender Schutz vor Daten-Missbrauch, denn auch deren Server können gehackt werden. Allerdings achten solche Firmen sicherlich mehr auf Datensicherheit als No-Name-Marken, die noch nicht einmal eine europäische Adresse haben. Deshalb empfehlen wir, im Zweifel lieber das teurere Produkt zu kaufen, schon aus Gründen von Garantie und Support.

Fazit

Smart Home Lösungen gibt es schon seit einigen Jahren, zur Zeit entwickeln sie sich aber vom Bastelobjekt des technikaffinen Schraubers hin zu Gebrauchslösungen für Jedermann. Im Selbstversuch stellten wir fest: Wer mehr als nur ein Starter-Set mit Bewegungsmelder und IP-Kamera installieren möchte, der muss auch Zeit, Elan und Interesse dafür aufbringen. Denn ist die Installation erst einmal gelungen, gilt es, die Sensoren in den eigenen Alltagsablauf zu integrieren – erst da fängt das Aus- und Herumprobieren mit verschiedenen Einstellungen an.

Steuerung: Meine Geräte in D-Link App
Klein anfangen und die Übersicht bewahren: Meine Geräte in der D-Link App.

Wer keine Lust auf zeitraubendes Herumprobieren in Wenn-Dann-Oder-Regeln hat, kann mit übersichtlichen Starter Kits, die ein bis zwei Sensoren und je nach Funktechnik eine Zentrale mitbringen einen ersten Schritt in Richtung Smart Home machen. Da bleibt die Übersicht gewahrt und man kann ausprobieren, ob sich die aktive bzw. passive Bedienung in den Alltag einfügt, oder ob man sie als störend empfindet. Bei Bedarf können Sensoren, Melder und Schalter nachgerüstet werden, sie müssen nur die Funksprache der Zentrale sprechen.

Wer sich nicht in die Welt der Sensoren und Aktoren einarbeiten möchte und auch in seiner Wohnung möglichst wenig von der Installation sehen will, der kann die gesamte Installation einem spezialisierten Elektriker überlassen. Alle Smart Home Kits, die derzeit verkauft werden, sind zwar nicht unbedingt schwierig zu installieren, wirklich unauffällig bleibt die Eigeninstallation mit Aktoren und Sensoren im Haus aber nicht.

Wer sich für Automatisierung und Steuerung in Haus, Wohnung oder auf dem Grundstück interessiert, sollte nichts überstürzen und mit Bedacht die für ihn passende Smart-Home-Lösung auswählen. Wenn es geht, sollte man klein anfangen, sich an die Automatisierung gewöhnen und erst nach und nach weitere Ergänzungen realisieren.

Wer mit der Technik in seinem Haus oder seiner Wohnung so zufrieden ist, wie sie jetzt ist und mit Technik eher auf Kriegsfuß steht, sollte von Smart Home die Finger lassen. Das ist das Schöne daran ist: Wenn man damit nichts zu tun haben will, zwingt einen keiner, auf diesen Zug aufzuspringen.

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Kommentare

5 Kommentare zu "Ratgeber Smart Home: Ein Überblick"

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Hallo herr jentsch. In unserem betrieb beschäftige ich mich seit mehreren jahren mit dem thema smart home. Mittlerweile können wir auf ein gutes produktportfolio mehrerer hersteller zurückgreifen. Dabei ist es uns vor allem wichtig für jeden kunden individuelle und einfach zu bedienende lösungen zu schaffen. Dies erfordert eine gute planung und ausreichend kenntnisse der produkte die verwendet werden sollen. Die von Ihnem beschriebenen funk und wlanlösungen sind gute möglichleiten für den nachrüster der teile seines hauses upgraden möchte, vielleicht gut nutzbar in kleineren wohneinheiten. Aber für bauherrn die einen neubau oder die gesamtsanierung ihres projekts anstreben wäre es sinnvoller über… Mehr... »
richi
richi

kann Christian Wind nur recht geben. wir haben unser haus nachgerüstet über fachbetrieb, system smart home von loxone. sind voll auf zu frieden und begeistert. können wir nur weiter empfehlen

Bestimmt eines nicht: den Ratger.

Tobias Feistmantl – Manuel Feistmantl – Mathias Hauser

Anstatt mehrere tausend Euro für eine Alarmanlage auszugeben bekommt man heute um 100 Euro schon etwas gleichwertiges!

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