Ratgeber Smart Home: Ein Überblick

Ratgeber Smart Home

Smart Home ist seit Jahren ein Lieblings-Thema der Industrie, auf die Kundschaft ist der Funke dagegen bislang allerdings noch nicht so recht übergesprungen. Unterdessen werden die Produkte immer ausgereifter, zuverlässiger – und günstiger. Wir geben einen kritischen Überblick auf den Markt von Smart Home.

Vergessen die Heizung herunter zu drehen? Fenster offengelassen? Licht brennt noch? Das sind die typischen Szenarien, an die man beim Schlagwort »Smart Home« als erstes denkt. Durch smarte Thermostate, Lichtschalter und Schließmechanismen, die über eine Steuerzentrale mit dem Internet verbunden sind, soll man alles rund ums Haus aus der Ferne überwachen und steuern können.

Das klingt erstmal kompliziert, aufwändig und teuer. Vor allem aber rechtfertigt der Zugewinn an Komfort und Sicherheit bei solchen Szenarien für viele nicht die Anschaffung eines Smart-Home-Systems. Zu viel Aufwand, zu teuer, zu unsicher, denken sich die meisten.

In der Tat ist es der Industrie, die seit einigen Jahren mit viel Marketingaufwand versucht, das Thema an den Mann zu bringen, noch nicht gelungen, die Vorteile von Smart Home – was auch immer man darunter versteht – schlüssig zu vermitteln. So bleiben für den Konsumenten viele Fragen offen: Brauche ich das? Wird der Aufwand dem gewonnenen Nutzen gerecht? Wie viel Zeit für Einrichtung und Administration muss ich aufbringen? Wie smart sind die Geräte wirklich? Und wie sicher ist das? Hole ich mir damit am Ende die Gefahren des Internets in jeden smarten Lichtschalter?

Hinzu kommt: Anstatt immer nebulös von »Smart Home« zu sprechen, macht es mehr Sinn, sich konkrete Anwendungen anzusehen, für die smarte Haushaltssteuerungs-Geräte sinnvoll sein können. In diesem Sinne werden wir uns unter der Rubrik »Smart Home« Lösungen wie Überwachungskameras, Heizungssteuerung, Wasserschadensmelder und mehr ansehen. Wie man diese Lösungen dann miteinander verbinden und vernetzen kann, ist erst der zweite Schritt.

Das hat inzwischen auch die Industrie erkannt und stellt in letzter Zeit vermehrt die Anwendungen in den Vordergrund. Das gegenwärtige Schlagwort heißt Pakete: Die Kundschaft soll über einzelne Lösungen, zum Beispiel einen Bewegungsmelder gekoppelt mit einer Sirene, mit den Vorteilen von Smart Home bekanntgemacht werden. Danach können nach und nach Erweiterungspakete erworben werden, zum Beispiel Heizkörperthermostate zusammen mit einem Raumthermometer.

In diesem Artikel geben wir zuerst einmal einen Lagebericht zum Thema Smart Home. Wie funktioniert Smart Home? Was sind die relevanten Funk-Standards? Wie ist der Markt aufgestellt und welche Anbieter gibt es? Und vor allem: Ist Heimautomatisierung nur etwas für Technik-Fans und Bastler, die viel Zeit haben, oder wird sie langsam auch für die Allgemeinheit interessant?

eQ-3 HomeMatic Zentrale CCU2 mit Aktoren / Sensoren
eQ-3 HomeMatic Zentrale CCU2 mit Aktoren und Sensoren.

Was ist Smart Home?

Funk-Steckdosen aus dem Baumarkt, batteriebetriebene Heizkörperthermostate und Funk-Bewegungsmelder gibt es schon seit vielen Jahren, sie sind je nach Hersteller und Ausstattung schon lange für kleines Geld zu haben.

Früher: Funk-Steckdosen, wirklich Smart sind sie nicht, allenfalls eine Zeitsteuerung ist möglich
HomeEasy Funk-Steckdosen: Allenfalls eine Zeitsteuerung ist möglich.

Wirklich smart sind sie aber nicht, denn es sind Insel-Lösungen, die höchstens noch mit ihresgleichen kommunizieren, von der Steuerung per App ganz zu schweigen.

So eine Funk-Steckdose kann für manche Anwendungen nützlich sein – aber wie lasse ich sie schalten, wenn sich jemand der Eingangspforte nähert? Wie lasse ich eine Sirene losgehen und das Licht einschalten, wenn sich eine Person – aber keine Katze – nachts meinem Auto nähert? Wie bekomme ich eine Nachricht, wenn ich unterwegs bin, wenn der Rauchalarm anschlägt oder der Schlauch der Waschmaschine geplatzt ist?

Auch für diese Aufgaben gab es bereits vor 15 Jahren Lösungen, zumindest für die meisten Problemfälle. Nur musste dafür der Elektriker kommen, für viel Geld Kabel ziehen und für noch mehr Geld teure Kameras, Alarm-Systeme und Bewegungsmelder installieren. Für die meisten war das nicht erschwinglich.

Moderne Smart-Home-Komponenten sind nicht nur viel günstiger als früher, dank moderner Funkstandards können sie in den meisten Fällen auch ohne teuren Elektriker und das Aufstemmen von Wänden installiert werden. Damit wird die intelligente Haussteuerung erstmals für alle erschwinglich.

Das beste Beispiel ist die klassische Alarmanlage: Um ein Haus oder eine Wohnung vor Einbruch zu schützen, musste bislang eine Firma mit dem Einbau einer Alarmanlage beauftragt werden. Zu horrenden Installationskosten von mehreren tausend Euro kamen da teilweise noch laufende Kosten für Wartung und Alarmweiterleitung.

Mit einem smarten Bewegungsmelder und einer Überwachungskamera kann man heute fast das selbe Maß an Sicherheit für rund 100 Euro herstellen. Zur Abschreckung von Einbrechern kann auch eine intelligente Beleuchtungssteuerung Sinn machen, die einem missliebigen Beobachter vorgaukelt, es sei jemand zuhause. Und über Sensoren kann man benachrichtigt werden, wenn Türen oder Fenster geöffnet werden – oder gar nicht geschlossen sind.

Auch ein Wassermelder, der Alarm schlägt, wenn der Schlauch der Waschmaschine geplatzt ist, leuchtet vielen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme ein. Das selbe gilt für smarte Rauchmelder.

Neben dem Thema Sicherheit ist Energiesparen ein weiterer Punkt, bei dem Smart Home mit intelligenten Thermostaten zur Heizungssteuerung eine Rolle spielt.

Interessant wird es dann, wenn diese verschiedenen Anwendungen nicht Insellösungen bleiben, sonder wenn man sie zu einem System zusammenfassen und zentral steuern kann. Dazu müssen die unterschiedlichen Geräte untereinander und mit einer Zentrale kommunizieren können.

Wie funktioniert Smart Home?

Um verschiedene Geräte im Haus so zu vernetzen, dass man sie zentral intelligent steuern kann, benötigt man eine Zentrale, bei der alle Informationen zusammenlaufen. Bei den meisten Herstellern gibt es dazu eigene Geräte. Ausnahme: Wenn Smart-Home-Funktionen auf dem hauseigenen WLAN basieren, fungiert einfach der Router als Zentrale.

 

Die Zentrale

Alle Smart-Home-Komponenten kommunizieren mit einer Zentrale, die ihre Sprache spricht. Im einfachsten Fall kann das der WLAN-Router sein. Durch die Verbindung zum Internet kann eine Smartphone-App oder eine Web-Anwendung auf einem Notebook dann von überall auf der Welt mit diesen Geräten Kontakt aufnehmen.

Zur Zeit gibt es viele verschiedene Systeme und Kommunikationsstandards. Dazu weiter unten mehr. Die Konzepte der verschiedenen Hersteller unterscheiden sich nur unwesentlich, meistens erinnern die Geräte an einen WLAN-Router.

Meistens bietet ein Hersteller neben seiner Smart-Home-Zentrale auch verschiedene Smart-Home-Geräte an, die mit der Zentrale funktionieren. Oft kann man aber auch Geräte unterschiedlicher Hersteller nutzen – wenn die sich den selben Kommunikationsstandard teilen.

Aktoren und Sensoren

Bei den Endgeräten, die im Smart Home zum Einsatz kommen, unterscheidet man zwischen Aktoren und Sensoren.

Sensoren sind passiv, sie sammeln lediglich Daten und Messwerte, etwa die Temperatur im Raum, die Helligkeit oder die Leistung einer angeschlossenen Maschine.

Aktoren heißen so, weil sie Aktionen oder eine Steuerung ausführen können, wie zum Beispiel eine Kamera oder ein Lichtschalter, aber auch schaltbare Messteckdosen, Schlüsselbund-Fernbedienungen oder 4fach-Schalter gehören dazu.

Die Einsatzgebiete von Smart Home sind vielfältig. Funk-Thermostate waren zuerst auf dem Markt, inzwischen steht aber vor allem das Thema Sicherheit mit Bewegungsmeldern, Tür- und Fensterkontakten und Sicherheitskameras im Vordergrund.

Die Einsatzgebiete lassen sich grob in vier Bereiche einteilen:

  • Sicherheit
    Schließ-/Öffnungssensor, Bewegungssensor, Rauchmelder, Wassermelder, Überwachungskamera, Lagesensor, Vibrationssensor, Türschloss, Fingerabdrucksensor, Neigungssensor, UV-Sensor etc.
  • Heizung und Lüftung
    Feuchtigkeitssensor, Luftqualität-Messung, Temperatursensor, Jalousiensteuerung, Heizungssteuerung, Windstärke, Sonnenposition, Regensensor, Motorsteuerung, Torantrieb etc.
  • Licht
    Helligkeitssensor, Dimmer
  • Schalter
    Lichtschalter, An/Aus-Schalter, Gateway, Vorschaltgeräte etc.

Steuerung per App oder Web-Browser

Das A und O eines Smart Home ist die Steuerung und das Feedback via App. Es gibt an den Geräten und Sensoren in den wenigsten Fällen Stellschrauben, Funktionen wie z. B. die Empfindlichkeit eines Bewegungsmelders oder die Tag/Nacht-Aktivität einer Kamera werden grundsätzlich in der App verwaltet. Hier muss also niemand mehr mit der Leiter am Bewegungsmelder stehen und mit dem Mini-Schraubendreher am Potenziometer drehen.

Steuerung: Meine Geräte in devolo Web-App
Steuerung: Alle Geräte in der Devolo Web-App.

Alle Hersteller bieten zur Steuerung Apps für Tablets und Smartphones an, meist gibt es sie sowohl für Android als auch iOS. Außerdem lässt sich die Steuerung auch über eine Webseite im Internet-Browser auf dem Computer aufrufen.

Regeln und Szenen

Zwar ist es ganz nett, wenn ich aus Madrid einen Blick auf meine Hofeinfahrt in Castrop-Rauxel werfen kann – den Diebstahl meines Autos kann ich damit aber nicht verhindern.

Steuerung: Meine Regeln in D-Link App
Steuerung: Regeln in der D-Link App.

Smart wird die Sache erst, wenn die mit der Zentrale verbundenen Geräte in bestimmten Situationen vorher festgelegten Regeln folgend von selbst aktiv werden. In der Sprache der Smart Home Welt werden solche Situationen »Szenen« genannt.

Eine Verbindung aus Szenen und Regeln kann dann etwa so aussehen: »Wenn Bewegung im Carport und Helligkeit kleiner 5 Prozent, dann Alarmton Polizeisirene für 60 Sekunden abspielen, Outdoor-Webcam einschalten und Push-Nachricht auf mein Smartphone senden.«

So sollte sich ein potentieller Auto-Dieb in der Regel bereits in die Flucht schlagen lassen. Falls nicht hat man immerhin ein Video des Täters. Außerdem kann man sofort die Polizei verständigen – mehr leistet eine teure Alarmanlage auch nicht.

Welche Systeme gibt es?

Der Markt der Smart-Home-Lösungen ist unübersichtlich. So mancher Hersteller von Netzwerkkomponenten nimmt seine Kompetenz auf diesem Gebiet und versucht mit Smart Home ein neues Geschäftsfeld zu erschließen, wie zum Beispiel DLink und Devolo, die bisher vor allem mit Routern, WLAN-Repeatern oder Powerline-Lösungen bekannt waren.

Auch viele Energieversorger springen zur Zeit auf den Smart-Home-Zug auf, RWE etwa mit seiner Tochterfirma Innogy. Der rosa Riese Telekom mischt mit Magenta SmartHome mit und Medion ist inzwischen ebenfalls bei Smart Home aktiv, Einsteiger-Pakete werden also auch bald bei den Discountern in den Regalen liegen.

Noch komplizierter wird es, weil es eine ganze Reihe von Funkstandards gibt, die in der Regel nicht miteinander kompatibel sind. Neben Funkbus, Z-Wave, ZigBee, BidCoS und KNX gibt es auch Systeme, die auf dem DECT-Funkstandard schnurloser Telefone oder schlicht auf WLAN aufbauen.

Bluetooth LE spielt in den aktuellen Systemen keine Rolle mehr, nur Archos bietet hierfür ein Smart Home Starter Paket an. Weitere Funk-Standards, wie WaveLine, iComfort oder MyFox spielen ebenfalls kaum mehr eine Rolle.

Z-Wave

devolo, Rauchmelder
Z-Wave: Devolo Rauchmelder

Z-Wave hat sich inzwischen den höchsten Marktanteil gesichert, die meisten zur Zeit verfügbaren Smart Home Geräte beherrschen diesen Standard.

devolo, Fernbedienung
Z-Wave: Devolo Fernbedienung

Z-Wave setzt auf kleine, batteriebetriebene Sensoren, die mit einer Home-Zentrale kommunizieren. Die Funktechnologie geht sehr sparsam mit Energie um, weshalb Batterien für gewöhnlich zumindest ein Jahr durchhalten, selbst im Outdoor-Bereich. Ich kann das von meinem Devolo-System bestätigen: Erst nach einem Jahr meldeten sich die ersten Batterien.

Z-Wave Unterputz-Schalter
Z-Wave: Unterputz-Schalter

Vorteil: Die meisten Z-Wave Geräte benötigen keine Steckdose, sind also kein Dauer-Stromverbraucher. Die Sensoren können völlig frei montiert werden, ohne dass man sich Gedanken über deren Energieversorgung machen muss. Nur Aktoren mit einer hohen Energieaufnahme benötigen ein Steckernetzteil, wie etwa eine Alarm-Sirene oder eine Kamera.

Nachteil: Im Vergleich zu WLAN oder DECT ist die Reichweite oftmals geringer. Bei Grundstücken mit mehreren Gebäuden kann das ein Problem sein.

Auch wenn die Z-Wave Geräte ihren Preis haben – wir empfehlen diesen Standard für den Ausbau Ihres Smart Home. Hier gibt es die meisten und vielfältigsten Geräte. Hinsichtlich der Zukunftstauglichkeit kann man damit nicht viel falsch machen, denn die Z-Wave Schnittelle ist inzwischen ein offener Standard, den jeder Hersteller kostenfrei benutzen kann.

Funkbus

Innogy / RWE Smart Home, Bewegungsmelder
Funkbus: Innogy Bewegungsmelder

Funkbus ist ebenfalls weit verbreitet, vor allem Hersteller mit Heizungs-Affinität wie RWEs Innogy, Elro und Honeywell nutzen Funkbus, aber auch der Jalousien-Steuerer Rademacher. Funkbus ist aber auch bei Funk-Steckdimmern, Einbau-Dimmern, Funksteckdosen und Motorsteuerungen stark vertreten.

Funkbus: Innogy / RWE Smart Home, Schalter
Funkbus: Innogy Schalter

Vorteil: Funkbus sendet wie schon die bekannten Funksteckdosen aus dem Baumarkt auf Radio-Frequenzen, meist 433 oder 800 MHz.

Nachteil: Die Funktechnik benötigt relativ viel Energie, weshalb der Batteriebetrieb eher die Ausnahme ist. Funkbus-Geräte sind damit nicht flexibel an jedem Ort installierbar, sondern benötigen eine Steckdose oder ein Kabel, das der Elektriker vorgesehen hat.

BidCoS

BidCoS: HomeMatic Wandthermostat
BidCoS: HomeMatic Wandthermostat

BidCoS wird gerade von Z-Wave in den Hintergrund gedrängt, dennoch stehen wichtige Anbieter weiter dahinter, etwa die Deutsche Telekom. Der Magenta-Riese baut selbst keine Geräte, hat aber die Smart Home Plattform Qivicon ins Leben gerufen. Hersteller wie Miele, D-Link, Philips und viele mehr haben sich der Allianz angeschlossen.

BidCoS: Qivicon Home Base
BidCoS: Qivicon Home Base

Die Qivicon Home Base ist die Steuerzentrale der Plattform, die mit allen Geräten der genannten Hersteller zusammenarbeitet. Die Zentrale arbeitet mit dem eQ-3 Homematic Funksystem, für die zahlreiche Komponenten zu finden sind.

Funkbus: HomeMatic, Heizkörperthermostat
BidCoS: HomeMatic Heizkörperthermostat

Vorteil: Sehr gute Einbindungsmöglichkeiten in vorhandene Elektroinstallationen, denn es gibt sehr viele Unterputz-Lösungen und Erweiterungen. Wer seine Steckdosen nicht durch Steckdosen-Schalter und die Wohnung nicht durch Aufputz-Dimmer verunstaltet sehen möchte, ist bei BidCoS am besten aufgehoben.

Nachteil: Auch hier muss der Fachmann die Installation vornehmen. Die Telekom bietet allerdings inzwischen auch viele Einsteiger-Kits an, die ohne Elektriker installiert werden können.

WLAN

WLAN: Belkin Wemo
WLAN: Belkin Wemo schaltbare Steckdose

Die Idee, einfach das eigene WLAN-Netzwerk als Kommunikationskanal für Smart Home Geräte zu benutzen ist verlockend, denn so sinken die Anschaffungskosten und im Haus steht ein Gerät weniger herum.

Netgear Arlo, Funk-Überwachungskamera (Batteriebetrieben mit Basis)
WLAN: Netgear Arlo Überwachungskamera

Doch die WLAN-Verbindung hat Nachteile, nicht umsonst sind die Angebote in diesem Bereich auf Belkin WeMo und D-Link beschränkt. D-Link hat allerdings inzwischen auch eine Z-Wave Zentrale im Angebot – ein weiteres Indiz dafür, dass sich WLAN für Sensoren und Aktoren nicht durchsetzen wird.

Nachteil: Jeder Sensor benötigt eine Steckdose, das schränkt die Positionierung deutlich ein. Außerdem sind die Sensoren ständige Energieverbraucher. Wer sein Zuhause nicht mit noch mehr Funk belasten will, für den ist dieses System nichts.

Vorteil: Einfache Integration, denn WLAN-Router sind in jedem Haushalt vorhanden, zur Not erweitern WLAN-Repeater die Reichweite. Es gibt hier keine Zentrale, denn jeder Sensor spricht direkt mit dem lokalen Router.

Sicherheit

Die Anbieter sprechen vom »intelligenten Wohnen«, von Komfort und Sicherheit und das Ganze ist natürlich »einfach, schnell und problemlos einzurichten«. Auf der anderen Seite hören wir in den Nachrichten von Botnetzen ferngesteuerter Überwachungskameras und anderer Smart Home Geräte, die das halbe Internet lahmlegen.

Tatsächlich sind von diesem Problem oft günstige Überwachungskameras betroffen, die mit den Grundeinstellungen ohne ein Passwort festzulegen, installiert worden sind. Dass einige Hersteller so eine Installation überhaupt zulassen, ist problematisch, keine Frage. Doch wer zuhause ein Smart Home System installieren will, sollte sich auch damit vertraut machen, wie es funktioniert und zumindest die Grundlagen der Datensicherheit beachten – sonst kann es schnell passieren, dass die ganze Welt Einblick ins heimische Wohnzimmer erhält.

Doch auch wenn man alle Vorsichtsmaßnahmen beherzigt und nur gute Passwörter verwendet, bleibt weiterhin ein gewisses Risiko. Zwar ist es prinzipiell möglich, die Kommunikation der Smart-Home-Geräte auf das heimische Netzwerk zu beschränken und es gibt autarke Lösungen, bei denen das Smart-Home-Netz gar nicht erst mit dem Router verbunden wird. Dann hat man allerdings auch selbst von außerhalb keine Kontroll- und Steuerungsmöglichkeiten mehr.

In der Praxis sendet eine Smart-Home-Zentrale fortwährend Daten Ihres Hauses auf die Server des Anbieters. Nur so können Sie von außerhalb auf Ihre Smart-Home-Steuerung zugreifen, egal ob über eine App oder eine Internet-Seite. Wird der Server des Anbieters oder Ihr eigenes Netzwerk gehackt, bekommt ein Angreifer im schlimmsten Fall Zugriff auf die gesamte Haussteuerung. Bereits 2015 wurde ZigBee als verwundbar entlarvt, obwohl es hochwertige Sicherheitsprotokolle benutzt. Es handelte sich allerdings um einen Spezialfall der Angreifbarkeit, der eintritt, wenn sich neue Philips Hue Lampen mit dem Gateway verbinden.

Was können Kriminelle mit solchen Daten anfangen? Zum einen kann ein Einbrecher dadurch relativ einfach feststellen, ob jemand zuhause ist. Überwachungskameras vermitteln zudem möglicherweise ein Bild davon, wie lohnend ein Einbruch wäre. Vor allem aber kann so natürlich eine Alarm-Regel deaktiviert werden, im schlimmsten Fall könnte der Einbrecher sich sogar selbst die Türen öffnen.

 

Steuerung: Meine Regeln in devolo Web-App
Was passiert, wenn Kriminelle Zugriff auf meine Steuerung bekommen? Regeln in devolo Web-App

Doch wie konkret sind diese Gefahren? Wenn ein Hacker Zugriff auf die Server Ihres Smart-Home-Providers bekommt, kann er zwar theoretisch auf die Smart-Home-Steuerung zugreifen. Das nützt ihm aber erst etwas, wenn er auch weiß, wo sich das Haus, in das er sich gehackt hat, überhaupt befindet. Solange im System keine realen Adressdaten hinterlegt sind, ist das technisch schwieriger, als man auf den ersten Blick denken würde.

Die größere Gefahr besteht daher tatsächlich darin, dass Ihr eigenes WLAN-Netzwerk nicht gut gesichert ist. Mit dem Laptop im Wagen könnten Einbrecher theoretisch ein Wohngebiet abfahren und nach offenen oder schlecht gesicherten WLAN-Netzen suchen. Haben sie eins gefunden, hacken sie sich in die Haussteuerung und können unbehelligt nachsehen, ob jemand zuhause ist und die Alarmanlage abstellen.

Das größte Sicherheitsrisiko liegt also bei Ihnen selbst. Wenn Sie für Ihr WLAN und alle Smart-Home-Geräte und -Apps sichere, lange und nicht leicht zu erratende Passwörter verwenden, können Sie das größte Risiko weitgehend ausschließen.

Eine grundsätzliche Entwarnung können wir an dieser Stelle nicht geben. Auch der Kauf von Markenprodukten wie jenen von Devolo oder Telekom Qivicon ist kein hinreichender Schutz vor Daten-Missbrauch, denn auch deren Server können gehackt werden. Allerdings achten solche Firmen sicherlich mehr auf Datensicherheit als No-Name-Marken, die noch nicht einmal eine europäische Adresse haben. Deshalb empfehlen wir, im Zweifel lieber das teurere Produkt zu kaufen, schon aus Gründen von Garantie und Support.

Fazit

Smart Home Lösungen gibt es schon seit einigen Jahren, zur Zeit entwickeln sie sich aber vom Bastelobjekt des technikaffinen Schraubers hin zu Gebrauchslösungen für Jedermann. Im Selbstversuch stellten wir fest: Wer mehr als nur ein Starter-Set mit Bewegungsmelder und IP-Kamera installieren möchte, der muss auch Zeit, Elan und Interesse dafür aufbringen. Denn ist die Installation erst einmal gelungen, gilt es, die Sensoren in den eigenen Alltagsablauf zu integrieren – erst da fängt das Aus- und Herumprobieren mit verschiedenen Einstellungen an.

Steuerung: Meine Geräte in D-Link App
Klein anfangen und die Übersicht bewahren: Meine Geräte in der D-Link App.

Wer keine Lust auf zeitraubendes Herumprobieren in Wenn-Dann-Oder-Regeln hat, kann mit übersichtlichen Starter Kits, die ein bis zwei Sensoren und je nach Funktechnik eine Zentrale mitbringen einen ersten Schritt in Richtung Smart Home machen. Da bleibt die Übersicht gewahrt und man kann ausprobieren, ob sich die aktive bzw. passive Bedienung in den Alltag einfügt, oder ob man sie als störend empfindet. Bei Bedarf können Sensoren, Melder und Schalter nachgerüstet werden, sie müssen nur die Funksprache der Zentrale sprechen.

Wer sich nicht in die Welt der Sensoren und Aktoren einarbeiten möchte und auch in seiner Wohnung möglichst wenig von der Installation sehen will, der kann die gesamte Installation einem spezialisierten Elektriker überlassen. Alle Smart Home Kits, die derzeit verkauft werden, sind zwar nicht unbedingt schwierig zu installieren, wirklich unauffällig bleibt die Eigeninstallation mit Aktoren und Sensoren im Haus aber nicht.

Wer sich für Automatisierung und Steuerung in Haus, Wohnung oder auf dem Grundstück interessiert, sollte nichts überstürzen und mit Bedacht die für ihn passende Smart-Home-Lösung auswählen. Wenn es geht, sollte man klein anfangen, sich an die Automatisierung gewöhnen und erst nach und nach weitere Ergänzungen realisieren.

Wer mit der Technik in seinem Haus oder seiner Wohnung so zufrieden ist, wie sie jetzt ist und mit Technik eher auf Kriegsfuß steht, sollte von Smart Home die Finger lassen. Das ist das Schöne daran ist: Wenn man damit nichts zu tun haben will, zwingt einen keiner, auf diesen Zug aufzuspringen.

Deine Meinung zählt!

  1. Juergen Mertin

    Ich nehme an die Aktoren und Sensoren streut man einfach durch den Schornstein ins Haus und die laufen dann selbstständig an ihre zugewiesenen Orte? Ohne Fachbetrieb läuft hier nämlich garnix, es sei denn sie können Fenster-, Rolladen- Heizungssensoren selbst einbauen, ganz zu schweigen von den notwendigen Stellmotoren. Smart Home heisst nicht ein Display an die Wand zu hängen, sondern ein System zu erstellen. Dazu braucht man Profis und keine Hobby-Baumärktler.
    Jürgen Mertin, Redaktion Haus- und Elektronik, Zeitschrift für Haus- und Gebäudetechnik

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  2. Richard Höller

    Anstatt mehrere tausend Euro für eine Alarmanlage auszugeben bekommt man heute um 100 Euro schon etwas gleichwertiges!

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  3. richi

    kann Christian Wind nur recht geben. wir haben unser haus nachgerüstet über fachbetrieb, system smart home von loxone. sind voll auf zu frieden und begeistert. können wir nur weiter empfehlen

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  4. Christian Wind

    Hallo herr jentsch. In unserem betrieb beschäftige ich mich seit mehreren jahren mit dem thema smart home. Mittlerweile können wir auf ein gutes produktportfolio mehrerer hersteller zurückgreifen. Dabei ist es uns vor allem wichtig für jeden kunden individuelle und einfach zu bedienende lösungen zu schaffen. Dies erfordert eine gute planung und ausreichend kenntnisse der produkte die verwendet werden sollen. Die von Ihnem beschriebenen funk und wlanlösungen sind gute möglichleiten für den nachrüster der teile seines hauses upgraden möchte, vielleicht gut nutzbar in kleineren wohneinheiten. Aber für bauherrn die einen neubau oder die gesamtsanierung ihres projekts anstreben wäre es sinnvoller über eine kabelgebunde lösong wie knx,loxone,intellihome nachzudenken.der erwerb eines starterpakets im internet macht mein schloss eben lang noch zu keinem smart home. Eine auf den kunden zugeschnittene lösung und die ordnungsgemässe installation eines stabilen und sicheren systems kann ohne professionelle hilfe ganz schnell ins auge gehn. Weiters sollte gesagt werden dass die installation durch eine elektrofachkraft nicht automatisch million verschlingt. Zu unseren kunden zählen heute häuslbauer mit kleinen und grossen geldbörsen. Weil ich diesen kommentar verfasse bin ich lang noch kein autor, wer eine seifenkiste zusammenschraubt is sicher kein fahrzeugbauer. Also bitte liebe leute: auskunft und ordentliche beratung kostet auch beim fachmann kein geld. Smart home ist halt nicht gleich smart home!!!

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