Ratgeber: Stillen und Füttern

Ratgeber Stillen und Füttern

Egal, ob Sie ihr Kind stillen oder mit der Flasche ernähren wollen – die richtige Ausstattung erleichtert den Alltag enorm. Wir sagen Ihnen, was Sie benötigen, um Ihr Kind bequem stillen und mit Beikost füttern zu können und wie es nach dem Stillen und der Flasche weitergeht.

Stillen: natürlich und praktisch

Stillen ist in den ersten Monaten die beste Nahrung fürs Kind, denn so bekommt es nicht nur maßgeschneiderte Ernährung sondern auch körperliche Nähe und Zuwendung. Die Muttermilch enthält alle wichtigen Nährstoffe in der richtigen Menge, die ein Säugling braucht. Sie ist leicht verdaulich und passt sich den Nahrungsbedürfnissen während der Entwicklung des Kindes an. Zudem enthält sie Abwehr- und Schutzstoffe, die das Baby vor Krankheiten schützen. Mit Muttermilch kann man ein Baby nicht überfüttern und sie ist jederzeit verfügbar – in der richtigen Temperatur und hygienisch einwandfrei. Noch dazu ist sie kostenlos.

Eigentlich braucht man zum Stillen praktisch nichts, aber einige Dinge sind dennoch sinnvoll und erleichtern den Alltag mit einem Stillkind sehr.

Still-BH für bequemes und unaufälliges Stillen

Stillende Mütter in der Öffentlichkeit sind – leider – noch immer manchen Menschen ein Dorn im Auge. Vielen Frauen ist es aber auch unangenehm, sich zu entblößen um das Kind zu stillen. Kleidungsstücke, die dabei helfen, ein hungriges Kind schnell und unauffällig anlegen zu können werden Sie sehr zu schätzen wissen. Ein Still-BH ist da eine sehr sinnvolle Anschaffung, denn er erleichtert das Stillen in vielen Situationen.

Still-BHs geben der Brust Stabilität und Halt. Außerdem muss man sich nicht komplett ausziehen oder einen normalen BH unbequem unter die Brust quetschen oder zur Seite schieben, um die Milchbar fürs Baby zu öffnen. Bei einem Still-BH kann man die einzelnen Cups mit einer Hand lösen und runterklappen, so dass das Baby einfach angelegt werden kann.

Wer schon während der Schwangerschaft einen Still-BH kaufen will, sollte das erst in den letzten zwei oder drei Monaten tun. Vorher ist es meistens schwierig, die richtige Körbchengröße abzuschätzen, denn die Brust verändert sich im Lauf der Schwangerschaft und wächst im Schnitt um etwa zwei Größen. Die Träger sollten auf jeden Fall verstellbar sein, denn auch während der Stillzeit verändert sich die Brust.

Stilleinlagen: Einweg oder waschbar?

Stilleinlagen sind vor allem am Anfang der Stillzeit für die meisten Mütter unverzichtbar. Wenn das Kind an der Brust trinkt, läuft die Milch häufig aus der anderen heraus. Tragen Sie dann dann keine Stilleinlage im BH, die die Milch auffängt, ziert schnell ein nasser Fleck das Shirt. Bis sich die Milchmenge auf die Bedürfnisse Ihres Kindes anpasst, kann es gerade in den ersten Tagen und Wochen dazu kommen, dass die Brust voll ist und anfängt, zu tropfen, wenn das Baby längere Zeit nicht getrunken hat. Stilleinlagen verhindern da manche unangenehme Situation.

Bei Stilleinlagen gibt es Einweg-Exemplare und solche die waschbar und wiederverwendbar sind. Vor allem die Einweg-Stilleinlagen der Firma Lansinoh sind sehr beliebt und erhalten durchweg hervorragende Bewertungen. Sie sind extrem saugstark, dabei sehr dünn und sehr angenehm auf der Haut.

Waschbare Stilleinlagen verursachen weniger Müll und sind über die gesamte Stillzeit betrachtet auch deutlich billiger. Sie werden aus Bambusfasern, Baumwolle oder einem Wolle-Seide-Gemisch hergestellt. Die natürlichen Stoffe sind allerdings weniger saugfähig als Einwegstilleinlagen und auch nicht vollkommen dicht, außer, es wurde eine wasserundurchlässige Schicht eingearbeitet. Haben Sie also sehr starken Milchfluss, gerade in der Anfangszeit, sind waschbare Stilleinlagen oft nicht geeignet. Nach ein paar Monaten kann es aber ganz anders aussehen und Sie können auf waschbare Stilleinlagen umsteigen.

Hilfe bei wunden Brustwarzen

Gerade am Anfang leiden sehr viele Frauen an wunden Brustwarzen. Das Saugen der Babies reizt die Brustwarzen stark, so dass diese sehr empfindlich werden oder sogar bluten können. Viele Mütter haben mit Wollwachs (Lanolin-)Salbe gute Erfahrungen gemacht.

Salbe mit Lanolin hilft bei wunden Brustwarzen
Salbe mit Lanolin hilft bei wunden Brustwarzen

Salben gibt es von unterschiedlichen Herstellern, zum Beispiel von Lansinoh, Medela oder ELANEE und kosten nicht viel. Praktischerweise muss man sie vor dem Stillen nicht von der Brust entfernen, sie ist nämlich unschädlich fürs Baby.

Auch Multi-Mam-Kompressen werden von vielen Hebammen empfohlen und in vielen Geburtskliniken an die Mütter verteilt, die unter wunden Brustwarzen leiden. Man kann sie vor dem Gebrauch in den Kühlschrank legen, was ihre wohltuende Wirkung noch verstärkt. Multi-Mam-Kompressen bekommt man in Apotheken oder im Internet.

Silikonschalen oder Brust-Donuts

Wunde Brustwarzen sind oft sehr berührungsempfindlich und wenn die Stilleinlage oder der BH daran festkleben, reißen sie oft wieder auf. Deshalb kann es helfen, einen Brustwarzenschutz im BH zu tragen, der auch verhindert, dass die Brustwarze abknickt. Angeboten werden Brustwarzen-Schalen aus Silikon beispielsweise von Medela oder Avent. Man kann sich aber auch selbst »Brust-Donuts« machen. Dazu braucht man mehrere dicke Stilleinlagen und einen Schlauchverband aus der Apotheke. Eine Anleitung vom Europäischen Institut für Stillen und Laktation – das gibt es wirklich! – finden Sie hier.

Und wenn das alles nicht hilft, finden Sie auf meinen Blog Mamaclever noch weitere Tipps gegen wunde Brustwaren.

Nicht notwendig, aber nützlich: Stilloberteile und Stillkleider

Spezielle Stillkleidung ist, abgesehen von BHs, nicht unbedingt notwendig, kann aber manchmal durchaus praktisch sein. Normale Kleidung eignet sich zwar in der Regel meist auch zum Stillen, es gibt aber immer wieder Situationen, in denen sie Schwierigkeiten macht.

Oberteile, die nicht allzu eng anliegen und zum Stillen einfach nach oben geschoben werden können, haben den Nachteil, dass man damit auch den Bauch entblößt, was gerade im Winter unangenehm werden kann.

Oberteile mit einem weiten Ausschnitt kann man zwar einfach herunterziehen – dabei zeigt man allerdings ziemlich viel nackte Haut. Ganz schwierig ist es, in Kleidern zu stillen.

Ein Stilltop kann mit vielen normalen Kleidungsstücken kombiniert werden.

Am besten für stillenden Mütter sind aufknöpfbare Blusen oder Shirts geeignet. Spezielle Stilloberteile- und Kleider ­­­­sehen in der Regel aus wie normale Kleidungsstücke, verfügen aber über eingearbeitete Stillöffnungen, so dass man das Oberteil nicht hochschieben muss, um das Baby anzulegen. Die Stillöffnungen bestehen meist aus zwei übereinanderliegenden Lagen Stoff im Brustbereich oder seitlich davon. Die können jeweils auseinandergeschoben werden, um so zum Stillen nur einen kleinen Teil der Brust zu entblößen, während Bauch und Rücken bedeckt bleiben.

Wer sich ein paar spezielle Stilltops kauft, kann sich weitere Anschaffungen in Sachen Stillmode sparen. Denn diese Tops kann man gut mit seiner Alltagsgarderobe wie Blusen, Strickjacken und Blazern kombinieren. Zum Teil ist auch gleich ein richtiger Still-BH in das Stilltop eingearbeitet.

Bequemer Stillen mit Stillkissen

Stillkissen zählen ebenso wie Stillkleidung zu den Dingen, die man nicht unbedingt braucht, die das Leben in der Stillzeit aber deutlich angenehmer machen. Viele Mütter finden das Stillen mit einem solchen Kissen bequemer. Bewährt haben sich lange bananen- oder halbmondförmige Modelle. Damit hat man eine stabile, aber dennoch weiche Auflage für das Kind und den eigenen Rücken. Dazu werden Arme und Schultern entlastet. Denn gerade in den ersten Wochen kann das Stillen ganz schön lange dauern und für die Mutter schnell unbequem werden. Mit der Zeit findet man mit einem Stillkissen ganz neue Positionen, die das Stillen leichter machen.

Mit Stillkissen stillt es sich bequemer.
Mit Stillkissen entlasten Mutter und Kind beim Stillen.

Stillkissen können aber noch mehr: Gerade ganz kleine Babys fühlen sich oft wohler, wenn sie eine Begrenzung um sich haben, wenn sie irgendwo liegen – etwa ein Stillkissen.

Stillkissen gibt es mit unterschiedlichen Füllungen: Mikroperlen aus Polystyrol, Schaumstoff aus Polyurethan, Elastoide aus Latexflocken, Polyesterwatte, Schurwolle und Dinkelspelz. Ökotest hat 14 Stillkissen getestet, acht davon bekamen dabei die Note »sehr gut« oder »gut«. Unter den »sehr guten« waren das von Ergobaby und das von Theraline.

Muttermilch abpumpen

Muttermilch kann das Baby nicht nur direkt an der Brust trinken, man kann sie auch abpumpen und dann verfüttern.

Es gibt viele Gründe, dem Baby abgepumpte Muttermilch zu geben: Man muss damit zufüttern, weil das Baby nicht ausreichend saugt oder man will mal einfach ein bisschen mehr Flexibilität. Auch wenn man Medikamente nimmt, kann man vorübergehend gar nicht stillen. Dann ist es hilfreich, wenn man vorher etwas Milch als Reserve abpumpt.

Zum abpumpen braucht man eine Milchpumpe. Bei akuten Problemen kann man vom Frauen- oder Kinderarzt ein Rezept für eine Leihpumpe bekommen, die man sich dann aus der Apotheke holt. Das Rezept ist in der Regel für vier Wochen gültig und kann bei Bedarf jeweils um zwei Wochen verlängert werden. Sobald das Problem behoben ist, gibt man die Pumpe einfach zurück. Möchten Sie öfter abpumpen lohnt es sich, sich ein Exemplar anzuschaffen.

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Sehr beliebt ist die Handpumpe der Firma Avent.

Für seltene oder kleine Überbrückungsmaßnamen reicht eine Handpumpe vollkommen aus. Weit verbreitet und bewährt sind die Pumpen von Medela oder Avent.

Wenn dagegen täglich abgepumpt werden soll, beispielsweise weil die Mutter früh wieder arbeiten geht, das Kind aber weiterhin mit Muttermilch ernährt werden soll, dann ist eine elektrische Milchpumpe ratsam. Mit der kann man wahlweise eine Brust oder beide Brüste parallel entleeren.

Aufbewahrung von Muttermilch

Zur Aufbewahrung von abgepumpter Muttermilch eignen sich BPA-freie Hartplastikgefäße aus Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP), Glas oder spezielle Muttermilchaufbewahrungsbeutel aus Polyethylen. Die eignen sich auch zum Einfrieren von Muttermilch.

Das Aufbewahrungssystem von Avent ist zwar nicht ganz billig, aber wir haben damit gute Erfahrungen gemacht und man kann die Becher später auch für Brei, Joghurt oder kleingeschnittenes Obst benutzen. Ähnliche Behälter gibt es von MAM und als Weithalsflaschen von Lansinoh und von Medela. Glasbehälter eignen sich ebenfalls zur Aufbewahrung von Muttermilch. Natürlich sollten alle Behältnisse zuvor gründlich gespült und durch Abkochen oder mit einem Vaporisator sterilisiert werden.

Prinzipiell ist es unproblematisch, Muttermilch länger aufzubewahren, denn Muttermilch hat die Eigenschaft, Bakterienwachstum zu hemmen. Deshalb ist sie haltbarer als industriell hergestellte Nahrung, die immer sofort verwertet werden muss. Allerdings sollten Sie sich vor dem Abpumpen und Hantieren mit abgepumpter Muttermilch die Hände waschen.

Wenn die Muttermilch innerhalb der nächsten Stunden verfüttert werden soll, lässt man sie am besten abgedeckt bei Raumtemperatur stehen. So kann man sich das Erwärmen vor der Fütterung sparen. Muttermilch, die frisch abgepumpt wurde, ist bei 16 bis 29 Grad Raumtemperatur drei bis vier Stunden lang haltbar. Wenn sie unter sehr sauberen Bedingungen gewonnen wurde, halten Experten sogar bis zu acht Stunden für akzeptabel. Dann muss die Muttermilch aber auch wirklich verfüttert werden. Nach acht Stunden sollte man die Milch nicht mehr einfrieren oder im Kühlschrank lagern.

Im Kühlschrank sollte man Muttermilch nie in der Tür aufbewahren, sondern möglichst ganz hinten auf der untersten Glasplatte vor der Wand, denn das ist der Bereich, wo es am kältesten ist. Achten Sie auch darauf, keine warmen Speisen daneben zu stellen. Absolut bedenkenlos können Sie die Milch auf jeden Fall auch nach drei Tagen noch verwenden, Studien zufolge hält sie sich sogar bis zu acht Tage.

Beim Einfrieren gehen zwar gewissen Eigenschaften der Muttermilch verloren, sie ist aber immer noch sehr viel wertvoller für das Baby als industriell gefertigte Ersatzmilch. Die antibakterielle Wirkung von gefrorener Milch bleibt für mindestens drei Wochen erhalten. In einem ***-Gefrierfach hält sie sich drei bis vier Monate, im einem richtigen ****-Gefriergerät mit Temperaturen unter 17 Grad sogar sechs Monate lang. Selbst nach einem Jahr ist Muttermilch noch in akzeptablem Zustand. Aufgetaute Muttermilch können Sie im noch verschlossenen Behälter 24 Stunden, geöffnet 12 Stunden im Kühlschrank aufbewahren.

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