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Ratgeber Stillen und Füttern
Andrea Zschocher

Andrea Zschocher

ist freie Journalistin, Buchautorin und Bloggerin. Sie schreibt gern über Familien­themen, unter anderem für Stern.de und Familie.de. Ihre Bücher unterstützen Familien in anspruchsvollen Zeiten. Auf ihrem Blog Runzelfüßchen berichtet sie über die schönen Seiten am Leben mit drei Kindern.

Ratgeber Stillen und Füttern: Fläschchen

Füttern mit der Flasche

Wenn Sie nicht stillen möchten oder können, gibt es eine riesige Auswahl an Säuglingsersatznahrung. Da ist man schnell überfordert, welche denn nun am besten für das Kind ist. Es ist uns wichtig zu betonen, dass die Entscheidung für oder gegen das Stillen immer eine persönliche Entscheidung ist. Niemand ist eine schlechte Mutter, nur weil nicht gestillt wird.

Hebammen und Stillberaterinnen raten dazu, das Neugeborene trotzdem die ersten Tage an die Brust zu legen, um das wertvolle Kolostrum an das Baby weiterzugeben. Kolostrum ist eine gelbliche Flüssigkeit, die in den ersten Tagen in winzigen Mengen aus der Brust kommt. Es wird bereits in der Schwangerschaft gebildet und sollte nach Möglichkeit die erste Mahlzeit sein, die ein Baby bekommt, sobald es auf der Welt ist. Die Menge an Nahrung, die Neugeborene in den ersten Tagen zu sich nehmen, sind sehr gering – das Kolostrum ist nur an den allerersten Tagen verfügbar. Dann produziert der Körper Muttermilch. Wenn Sie lieber mit der Flasche füttern möchten, ist genau dann der richtige Zeitpunkt zum Abstillen. Lassen Sie sich von Ihrer Hebamme oder einer Stillberaterin dazu beraten.

Pre-Milch ist der Muttermilch am ähnlichsten

Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass Pre-Milch der Muttermilch am ähnlichsten und deshalb im gesamten ersten Lebensjahr die erste Wahl ist. Diese Milch enthält ausschließlich Laktose (Milchzucker) als Süßungsmittel. Andere Kohlenhydrate sind in der Pre-Babymilch verboten. Auch der Eiweißgehalt ist dem der Muttermilch sehr ähnlich.

Pre-Milch kann nach Bedarf gefüttert werden. Eine Gefahr der Überfütterung besteht nicht.

Welche Pre-Milch wählen?

Stiftung Warentest hat zuletzt im Juni 2016 Pre-Milch und HA-Pre-Milch für allergiegefährdete Kinder getestet. Ernährungs­physiologisch haben alle Produkte gut abgeschnitten. Außerdem wurde die Anfangsmilch auf gesundheitlich bedenk­liche Stoffe untersucht.

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Aptamil Pre-Milch wurde von der Stiftung Warentest mit »gut« bewertet.

Testsieger war die Milasan Pre Anfangs­milch mit dem Testurteil »gut«. Allerdings hat der Hersteller von Milasan Pre die Rezeptur nach dem Test verändert, sodass die Ware, die derzeit im Handel ist, nicht mehr der getesteten entspricht.

Ebenfalls mit »gut« bewertet wurde Beba Pro Pre, Aptamil mit Pronutra Anfangsmilch Pre, Bebivita Anfangsmilch Pre, Humana Anfangsmilch Pre und Töpfer Lactana Pre Bio Anfangsmilch (Bio).

Im April 2019 hat Ökotest 16 verschiedene Pre Milchsorten getestet. Sechs davon wurden mit »gut« bewertet, darunter waren vier Biovarianten von dm, Hipp, Löwenzahn Organics und Töpfer sowie Aptamil Profutura und Humana Pre Anfangsmilch. Sechs Anbieter waren ausreichend bzw. befriedigend, drei ungenügend und die Pre Nahrung Babydream von Rossmann bekam ein mangelhaft. Hier raten die Tester davon ab, diese Milch einem Baby zu geben.

Es ist hilfreich, Pre-Milch online zu bestellen

In Drogeriemärkten sind manche Säuglingsmilchpulver übrigens häufig vergriffen, da deutsche Säuglingsnahrung in China sehr begehrt ist. Chinesische Eltern vertrauen der dort erhältlichen Ersatznahrung nicht mehr, denn es gab einige Skandale. Durch verunreinigte Babymilch starben einige Babys. Hier ansässige Landsleute kaufen Milchpulver in Deutschland in großem Stil auf und verkaufen sie weiter nach China. Eine stressfreie Alternative ist, die Säuglingsanfangsmilch online zu bestellen.

Das richtige Wasser zur Zubereitung für Babymilch

Milchpulver wird mit Wasser angemischt. Im Prinzip ist die Qualität des Leitungswassers in Deutschland so gut, dass es abgekocht auch zur Babyernährung geeignet ist. In alten Häusern sind allerdings manchmal noch alte Blei- oder Kupferrohre verlegt. Ist das der Fall, sollten Sie das Wasser nicht für Säuglingsernährung verwenden, selbst dann nicht, wenn Sie es mit einem Wasserfilter reinigen.

Manche Wasserwerke bieten für Schwangere oder Eltern mit kleinen Kindern kostenlose Wassertests an, bei denen das Wasser so wie es zu Hause aus der Leitung kommt, getestet wird. Andernfalls kann man das Wasser kostenpflichtig auf Blei und Kupfer testen lassen.

Manche Wasserwerke bieten für Schwangere kostenlose Wassertests an

Ist das Wasser belastet, sollte man stilles Mineralwasser verwenden, das den Hinweis »zur Zubereitung von Babynahrung geeignet« auf dem Etikett trägt. Alternativ geht auch spezielles Babywasser – das allerdings recht teuer ist. Aber auch, wenn Ihr Leitungswasser in Ordnung ist, sollten Sie es vor allem morgens erst eine zeitlang aus dem Hahn laufen lassen. Wasser, das die Nacht über in der Leitung steht, ist häufig belastet.

Egal, welches Wasser man nimmt – in den ersten sechs Lebensmonaten des Kindes muss es abgekocht werden. Am besten kochen Sie nur einmal am Tag das Wasser für den ganzen Tag ab und bewahren es in einer Thermosflasche auf, dann müssen Sie es für jede Mahlzeit nur noch kurz auf 40 bzw. 50 Grad aufwärmen (Gebrauchsanweisung der Ersatznahrung beachten).

Das richtige Fläschchen

Wer komplett mit Säuglingsersatznahrung füttert, benötigt etwa sieben Fläschchen. Es gibt Fläschchen aus Glas oder aus Kunststoff. Glasflaschen lassen sich sehr gut auskochen, sie sehen lange gut aus, sind aber auch schwerer und zerbrechlicher als die aus Kunststoff. Dafür bleibt der Inhalt darin länger warm.

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Babyflaschen aus Glas gibt es beispielsweise von NUK.

Bei Kunststoffflaschen sollten Sie darauf achten, dass es hochwertige und schadstofffreie Modelle sind – vor allem der Hinweis »BPA-frei« ist wichtig. In der Regel sollte das kein Problem sein: Babyflaschen, die BPA enthalten, dürfen EU-weit seit 2011 nicht mehr hergestellt werden und auch der Import ist verboten.

Am Anfang trinkt das Baby nur kleine Mengen – es muss also nicht gleich die 300-Milliliter-Flasche sein. Für die ersten Monate ist ein Fassungsvermögen von 150 Millilitern ideal.

Der richtige Sauger

Sauger gibt es aus Latex und aus Silikon. Silikonsauger sind robuster und länger haltbar. Latex geht schneller kaputt, ist jedoch elastischer und gibt mehr nach. Hier entscheidet vor allem das Saugverhalten Ihres Babys. Probieren Sie einfach verschiedene Sauger aus. Wichtig ist, dass Sie die altersentsprechende Saugergröße wählen.

Tipp: Halten Sie die gefüllte Flasche mit dem Sauger nach unten. Wenn etwa zwei bis drei Tropfen pro Sekunde austreten, ist die Größe richtig. Am Anfang benötigen Sie natürlich die kleinste Größe. Vorteilhaft ist es auch, wenn die Form des Saugers der Brustwarze ähnlich ist.

Aus hygienischen Gründen sollten Sauger alle fünf Wochen ausgetauscht werden

Aus hygienischen Gründen sollten die Sauger etwa alle fünf Wochen ausgetauscht werden. Man benötigt für alle Fläschchen einen Sauger plus zwei Ersatzsauger, falls mal einer auf den Boden fällt oder verstopft ist.

Es bietet sich an, zunächst ein bis zwei verschiedene Fläschchen mit verschiedenen Saugern zu kaufen, um zu testen, mit welchen das Baby gut zurecht kommt.

Weiteres Zubehör für Flaschenkinder

Test: Sterilisator – Testsieger Philips Avent SCF285/02
Unser Testsieger bei den Dampfsterilisatoren: Der Philips Avent SCF285/02.

Sehr nützlich ist ein Vaporisator oder Sterilisator zum Sterilisieren der Flaschen, denn diese und die Sauger müssen einmal am Tag keimfrei gemacht werden. Das geht natürlich auch, indem man sie in einem großen Topf mit heißem Wasser abkocht, mit einem Sterilisator ist es allerdings deutlich bequemer. Wir haben Vaporisatoren getestet, unser Testsieger ist der Philips Avent SCF285/02.

Daneben benötigt man eine Flaschenbürste zur Reinigung der Flaschen und Sauger. Flaschen und Nuckel sollten nicht mit den üblicherweise in der Küche verwendeten Putztüchern oder -bürsten gereinigt werden, sondern mit separaten Bürsten und Lappen. Ein Trockenständer oder ein Abtropfgestell kann ebenfalls nützlich sein.

Flaschen und Nuckel sollten mit separaten Bürsten und Lappen gereinigt werden

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Nützliches Zubehör: Der Portionierer für Milchpulver von Reer.

Haben Sie ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Ihr Baby trinkt, dann können Sie die benötigte Menge Milchpulver schon vor den Mahlzeiten abmessen und im Milchportionierer bereitstellen. Dabei sind mehrere kleine Döschen übereinandergestapelt, in denen die Milchnahrung hygienisch aufbewahrt werden kann. Die oberste Dose hat eine trichterartige Einfüllhilfe. Damit kann man das Milchpulver in das Fläschchen füllen ohne etwas zu verschütten.

Ein nützlicher Begleiter für unterwegs ist eine 500 Milliliter fassende Thermosflasche. Damit kann abgekochtes Wasser bequem in der Wickeltasche transportiert werden. So ist Babys Fläschen auch unterwegs schnell zubereitet.

Wichtige Hinweise zur Zubereitung

Das Wichtigste bei der Zubereitung von Babynahrung ist die Dosierung. Halten Sie sich unbedingt immer genau an die auf der Packung angegebene Mischung! Ein passender Messlöffel wird normalerweise mit jeder Flaschennahrung mitgeliefert. Verwenden Sie zu wenig Pulver bzw. zu viel Wasser, wird Ihr Baby nicht richtig satt. Ist die Nahrung hingegen zu konzentriert, kann das die Nieren des Babys auf Dauer belasten.

Ein fertiges Fläschchen darf man nach zwei Stunden nicht mehr verfüttern

Ein fertig zubereitetes Fläschchen darf man nie längere Zeit stehen lassen oder wieder erwärmen, denn in der körperwarmen Milch vermehren sich Bakterien sehr schnell. Spätestens nach zwei Stunden muss man das fertige Fläschchen entsorgen. Auch übriggebliebene Milchreste darf man keinesfalls wiederverwenden. Darauf weist auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hin.

Für unterwegs muss man Milchpulver und Wasser getrennt mitnehmen. Wasser haben Sie am besten in zwei Gefäßen dabei, eines für kaltes und eines mit heißem Wasser, sodass Sie durch Mischen schnell die optimale Temperatur erhalten.

Tipps zum Flasche geben

Bevor man dem Baby die Flasche gibt, sollte man immer die Milchtemperatur kontrollieren. Am besten gibt man dazu ein paar Tropfen auf das eigene Handgelenk. Fühlt sich die Temperatur angenehm an, ist sie das auch für das Baby. Ist die Milch zu heiß, kann man sie abkühlen, indem man die Flasche unter kaltes Wasser hält.

Enger körperlicher Kontakt ist für Babys sehr wichtig

Enger körperlicher Kontakt ist für Babys sehr wichtig. Deshalb sollten Sie Flaschenkinder beim Füttern immer in den Arm nehmen, auch mal mit nacktem Oberkörper, so dass das Baby Ihre Haut riecht und ihren Duft einatmen kann. Zudem kann der Säugling so den Herzschlag des Fütternden hören – das erinnert ihn an die Zeit im Mutterleib. Auch ältere Babys sollten ihre Flasche nicht allein halten, sondern die volle Aufmerksamkeit ihrer Eltern bekommen.

Zu Beginn der Mahlzeit berührt man die Lippen des Babys mit dem Sauger und wartet, bis das Baby den Sauger selbst einsaugt. Man darf den Sauger nicht gegen den Willen des Kindes in seinen Mund schieben.

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