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Ratgeber Stillen und Füttern
Andrea Zschocher

Andrea Zschocher

ist freie Journalistin, Buchautorin und Bloggerin. Sie schreibt gern über Familien­themen, unter anderem für Stern.de und Familie.de. Ihre Bücher unterstützen Familien in anspruchsvollen Zeiten. Auf ihrem Blog Runzelfüßchen berichtet sie über die schönen Seiten am Leben mit drei Kindern.

Ratgeber Stillen und Füttern: Beikost

Beikost einführen

Die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) lautet seit 1990, dass Babys sechs Monate lang ausschließlich gestillt werden oder Säuglingsersatznahrung (Pre-Milch) bekommen sollten. In Deutschland wurde das Alter, in dem man Beikost einführen soll, dagegen immer mal wieder geändert.

Die Nationale Stillkommission in Deutschland sagt, ausschließliches Stillen sei in den ersten sechs Monaten für die Mehrzahl der Säuglinge eine ausreichende Ernährung. Beikost sollte in der Regel nicht später als zu Beginn des siebten und keinesfalls vor Beginn des fünften Lebensmonats gegeben werden. Dabei ist wichtig: »Beikosteinführung bedeutet nicht Abstillen, sondern eine langsame Verminderung der Muttermilchmengen und Stillmahlzeiten«.

Brei oder BLW?

Denken Sie immer daran: Es heißt BEIkost, nicht ANSTATTkost. Ihr Kind muss also nicht sofort auf Milch verzichten, nur weil Beikost eingeführt wird. Im erdachten Idealfall ersetzt das Essen langsam die Milchmahlzeit, aber das ist kein Muss. Kinder können nach dem Essen auch immer noch nach ihrer Milch verlangen oder an manchen Tagen gut essen, an anderen schlecht.

Zwingen Sie Ihrem Kind niemals Essen auf

Zwingen Sie Ihrem Kind niemals Essen auf oder nötigen Sie es, aufzuessen. Kinder haben ein sehr gutes Gespür dafür, wann sie satt sind. Mit harten Erziehungsmethoden und Zwängen können Sie hier viel mehr kaputt machen als Sie glauben.

Am wichtigsten ist, dass Sie auf Ihr Kind schauen. Es gibt für so ziemlich alles im Leben mit Kindern Empfehlungen, nur orientieren sich diese eben am Durchschnitt aller Kinder. Wenn Ihr Kind aber überhaupt kein Interesse an Brei zeigt, versuchen Sie ihm doch stattdessen gedämpftes Gemüse in die Hand zu drücken.

Manche Kinder möchten keinen Brei sondern stattdessen lieber BLW – Baby Led Weaning – ausprobieren. Dabei entscheidet das Kind selbstständig, was in seinen Mund wandert. Während der Brei ja eher von den Eltern gegeben wird, die damit auch das Tempo bestimmen, übernehmen bei BLW die Kinder von Anfang an die Führung.

Wichtig ist, dass Sie darauf achten, dass das Obst und Gemüse schön weich gegart ist, damit Ihr Nachwuchs es mit dem Kiefer gut zermatschen kann. Denn nicht alle Kinder haben in dem Alter bereits Zähnchen. Am einfachsten und vitaminschonendsten lässt sich das Essen in einem Dampfgarer kochen. Wir haben einige Modelle getestet, unser Sieger ist der Morphy Richards 48780EE.

Baby Led Weaning ist übrigens auch keine neumodische Erfindung, früher wurden Lebensmittel immer so gegeben. Babybreie sind eine neuere Idee, mit der Kinder natürlich satt werden. Manche Kinder mögen die breiige Konsistenz aber nicht und lehnen jeden Löffel, der ihnen angeboten wird, ab. Dafür greifen Sie beherzt bei gedämpften Möhren zu, die sie sich selbst in den Mund stecken und zermatschen können. Hier hilft in erster Linie Verständnis fürs Essen lernen.

Ein paar Worte zur Beikostreife

Ob Ihr Kind beikostreif ist, erkennen Sie u.a. daran, dass der Zungenstoßreflex nicht mehr vorhanden ist. Dieser angeborene Refelx verhindert in den ersten Monaten, dass die Babys sich an Dingen, die sie in den Mund stecken verschlucken. Die Zunge verhindert dabei, dass Dinge in den Magen gelangen.

Wenn der Zungenstoßreflex nicht mehr da ist, können sie beifüttern

Ist Ihr Kind noch nicht reif fürs Essen, wird der Brei oder das gedämpfte Gemüse auch wieder auf diese Weise aus dem Mund befördert. Wir lesen immer wieder, dass Kinder bereit fürs Essen sind, wenn Sie ihren Eltern beim Essen auf den Mund gucken. Wäre das ein verlässliches Zeichen, könnten unsere Babys aber auch schreiben lernen können, nur weil sie uns auf den Stift gucken, wenn wir etwas notieren. Neben dem verschwundenen Zungenstoßreflex ist es außerdem ein gutes Zeichen, wenn Ihr Kind nach Essen greift und probieren möchte.

Sollte Ihr Kind auch mit zehn oder zwölf Monaten wenig Interesse am Essen haben, können Sie das mit Ihrem Kinderarzt besprechen. Wenn Muttermilch oder Ersatznahrung aber weiterhin dafür sorgen, dass Ihr Kind gut wächst und gedeiht, raten wir zu Ruhe und Geduld. Manche Kinder entdecken erst später ein Interesse am Essen. Lassen Sie sich nicht von Statistiken, wann ein Kind essen sollte, verunsichern. Auch Erfahrungen im Freundeskreis können stressen. Letztlich wird jedes Kind den Zeitpunkt selbst bestimmen, wann es gerne isst.

Hier gibt es noch einen Artikel, der sich mit Beikostreife auseinandersetzt und kritisch die Motive der Hersteller und mancher Studien hinterfragt.

Die passende Sitzgelegenheit

Zur Beikosteinführung benötigt man eine passende Sitzgelegenheit für das Kind. Für Babys, die beim Beikoststart noch nicht selbstständig sitzen können, bietet sich dazu beispielsweise eine Babywippe an. In dieser sitzt das Baby stabil, sein Rücken wird gut gestützt und Sie haben zum Füttern beide Hände frei. Wir haben die besten Babywippen getestet, Sieger ist die Babybjörn Bliss.

Eine Babywippe eignet sich auch zum füttern

Ältere Kinder, die bereits mit Unterstützung aufrecht sitzen können, sind beim Füttern in einem Hochstuhl gut aufgehoben. Wir haben einige Hochstühle getestet, der Beste ist der Evomove von Nomi. Es gibt freistehende Hochstühle und solche, die an der Tischkante montiert werden.

Bei freistehenden Stühlen kann es praktisch sein, wenn der Stuhl mit einem Esstablett ausgestattet ist. So hat das Baby später, wenn es seine ersten eigenen Essversuche startet, einen eigenen kleinen Tisch, auf dem es die angebotenen Speisen gut erreichen und sich mit ihnen beschäftigen kann.

Achten Sie beim Kauf eines Hochstuhls darauf, dass dieser wirklich stabil steht und nicht umfallen kann – egal, wie stark das Baby wackelt. Wichtig ist auch, dass der Hochstuhl leicht zu reinigen ist.

Ein Latz zum Schutz der Kleidung

Abwischbare Lätzchen aus Kunststoff mit zusätzlicher Auffangschale sind am praktischsten.
Abwischbare Lätzchen aus Kunststoff mit zusätzlicher Auffangschale sind besonders praktisch.

Gerade am Anfang, wenn man beginnt, Beikost zu geben, landet noch viel außerhalb des Mundes. Deshalb ist ein Lätzchen zum Schutz der Kleidung notwendig. Am praktischsten sind Lätzchen aus Kunststoff oder mit einer Kunststoffbeschichtung, die man feucht abwischen kann – so spart man sich viel Wäsche.

Wenn Sie ein Modell aus Stoff wählen, achten Sie unbedingt darauf, dass es bei 60 Grad waschbar ist. Das ist beispielsweise bei Baumwolllätzchen der Fall. Andernfalls wird das Lätzchen schnell unansehnlich. Viele Flecken lassen sich nur bei 60 Grad auswaschen.

Lätze mit Auffangschale sind am praktischsten

Praktisch ist es auch, wenn der Latz unten eine kleine Auffangtasche hat, damit Stückchen, die herunterfallen, nicht gleich auf dem Boden landen. Und wenn das Kind selbst anfängt, das Essen mit den Händen zu erkunden, kann auch ein Latz mit Ärmeln von Vorteil sein.

Der richtige Löffel

Löffel mit weicher Spitze eignen sich am Anfang besonders gut.
Löffel mit weicher Spitze eignen sich am Anfang besonders gut.

Ohne Löffel läuft beim Beikoststart mit Brei gar nichts. Man kann das Baby natürlich mit einem normalen Teelöffel füttern, aber praktischer sind spezielle Babylöffel. Sie bestehen meist aus flexiblem Kunststoff und sind besonders schmal und flach. Das erleichtert es dem Kind, den auf dem Löffel angebotenen Brei zu essen. Wenn man Beikost aus dem Gläschen füttern will, bietet sich ein langstieliger Löffel an.

Ein einziger Löffel wird im Alltag wahrscheinlich nicht ausreichen, deshalb kaufen Sie sich besser gleich ein Set mit mehreren Löffeln.

Geschirr für den Beikoststart

Geschirr aus bruchfestem Kunststoff oder Melamin eignet sich gut zum Beikoststart, da doch häufiger mal eine Schüssel zu Boden geht. Praktisch ist es, wenn das Kindergeschirr hitzeunempfindlich ist, man es also auch in die Mikrowelle stellen kann. So kann man Brei nach Bedarf einfach erwärmen. Achtung: Melamin darf nicht in der Mikrowelle erhitzt werden!

Melamin darf nicht in der Mikrowelle erhitzt werden

Ein Warmhalteteller hält den Brei längere Zeit warm.
Ein Warmhalteteller hält den Brei längere Zeit warm.

Einige Teller oder Schalen für Kleinkinder haben auch besondere zusätzliche Eigenschaften. Manche sind beispielsweise mit einem Saugring versehen, mit denen sie fest auf dem Tisch stehen. Das ist nützlich, wenn das Baby gerne mal alles vom Tisch fegt. Sogenannte Warmhalteteller werden mit heißem Wasser befüllt, damit der Inhalt während des Fütterns nicht so schnell abkühlt.

Trinklernbecher und Trinklernflaschen

Mit Einführung der Beikost müssen Sie Ihrem Baby nicht unbedingt Wasser anbieten. So lange wie es noch gestillt wird oder Pre-Nahrung bekommt, sind weitere Getränke nicht nötig. Da insbesondere Muttermilch ja genau auf die Bedürfnisse Ihres Nachwuchses abgestimmt ist, können Sie ihm nicht zu viel Nahrung anbieten. Die Milch ersetzt dann das Wasser oder den Tee und schafft gleichzeitig nach dem Essen einen schönen kuschligen Moment. Erst wenn alle Mahlzeiten ersetzt wurden, ist es auch wichtig, zusätzlich etwas zum Trinken anzubieten. Achten Sie auch an besonders heißen Tagen darauf, dass Ihr Kind genug trinkt.

Wenn alle Mahlzeiten ersetzt wurden, ist es wichtig, etwas zum Trinken anzubieten

Das Wasser kann am Anfang in der normalen Flasche gegeben werden. Sie sollten dann allerdings den Milchsauger gegen einen Teesauger austauschen. Der hat eine kleinere Öffnung. So ist gewährleistet, dass nicht zu viel Flüssigkeit aus der Öffnung kommt und sich das Kind nicht verschluckt.

Manche Babys akzeptieren allerdings nur Milch aus der Flasche. Dann kann eine Schnabeltasse oder ein spezieller Trinklernbecher zum Einsatz kommen. Den kann das Baby ähnlich wie eine Flasche verwenden, es muss daran aber nicht so stark saugen.

Natürlich können Sie dem Baby auch von Anfang an beibringen, aus einem normalen Becher zu trinken. Hier bieten sich Kunststoffbecher an, die nicht kaputtgehen, wenn sie mal herunterfallen. Gläser sollte man kleinen Kindern nicht geben. Wenn sie mit ihren meist noch ziemlich spitzen Zähnchen darauf beißen, kann das Glas zu Bruch gehen und Splitter können verschluckt werden.

Unseren Test zu Trinklernbechern finden Sie hier.

Bücher für den Beikoststart

Sollten Sie sich dafür entscheiden, Ihrem Kind ab Beikoststart Brei anzubieten, so können Sie den natürlich im Supermarkt kaufen. Hier gibt es jede Menge Gläschen, die für jedes Beikostalter geeignet sind. Achten Sie darauf, dass Sie nicht zu früh beginnen, gröberen Brei zu geben. Die Kinder müssen sich schrittweise an die neue Konsistenz in ihrem Mund gewöhnen. Bleiben Sie gerade in der Anfangszeit erstmal bei einer Sorte Gemüse, um zu sehen, wie gut Ihr Kind es verträgt.

Babybrei selbst machen ist gesund und günstig

Alternativ können Sie Babybrei auch ganz einfach, preiswert und schnell zuhause selbst zubereiten. Gerade in der ersten Zeit, in der die Kleinen noch nicht viel essen, lohnt es sich, den Brei nur in kleine Eiswürfelbehälter zu füllen. So können Sie ein, zwei kleine Blöcke auftauen und müssen nicht übermäßig viel Brei wegschmeißen. Denn einmal aufgewärmt, können Sie die Reste nur noch entsorgen, nicht ein weiteres Mal aufwärmen.

Natürlich können Sie Ihr Kind in die Beikostphase begleiten, ohne je ein Buch darüber gelesen zu haben. Aber vielleicht ist es ja auch ganz interessant, sich mit einem Rezeptbuch in der Hand zu überlegen, welchen Brei Sie Ihrem Kind gern zubereiten möchten. Denn es sind mitunter wilde Kombinationen, die manchen Kindern aber sehr gut schmecken. Und ein bißchen Abwechslung auf dem Speiseplan ist in späteren Monaten ja nicht verkehrt.

Die meisten Kochbücher für Kinder berücksichtigen das wachsende Interesse an Essen und beginnen mit klassischen Rezeptideen, um sich dann individuell zu steigern. Statt Brei finden sich hier mitunter auch Ideen für Eltern und Kind, sodass Sie nur ein Gericht kochen müssen, das anschließend unterschiedlich verfeinert wird.

Sollten Sie statt mit Brei lieber mit BLW und Fingerfood starten wollen, empfehlen wir eine vertiefende Lektüre, um sattelfest zu wissen, welche Lebensmittel wie zubereitet werden sollten, damit Ihr Kind sie essen kann. Außerdem erhalten Sie hier Anregungen, welches Essen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind genießen können. Und, vielleicht auch nicht verkehrt: Die Bücher stärken Ihnen den Rücken für den Fall, dass Ihr Umfeld Ihnen weismachen will, dass eine breifreie Ernährung für Kinder eine schlechte Idee ist. Vergessen Sie nicht: Sie sind die besten Eltern für Ihr Kind. Und Sie wissen auch am besten, was für Ihre Familie das Richtige ist.

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