Herren-Rennradschuh Test: Road Bike Shoe Foto: Pixabay / Pexels
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Letztes Update: 9.6.2021

Der beste Herren-Rennradschuh

Wir haben 10 Rennradschuhe für Herren getestet. Der beste ist für uns der Gaerne G. Tornado. Er kombiniert einen ausgezeichneten Sitz und ein unkompliziertes Schnellschnürsystem mit einem zeitlos schönen, dezenten Design und richtet sich an Rennradfahrer aller Könnensstufen. Doch auch für Liebhaber exklusiver Verarbeitung, für Sparfüchse und für Komfortliebhaber haben wir den richtigen Schuhtipp parat.

Arnold Zimprich
ist seit Kindesbeinen sportlich sehr vielseitig unterwegs. Seinen ersten Pokal stellte er sich mit 6 Jahren in den Schrank, seitdem macht er das bayerische Voralpenland und die Gebirge Europas mit Laufschuh, Rennrad, Tourenski oder Eispickel unsicher. Er schreibt unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, Alpin, das Bergzeit Magazin und die Alpenvereins-Magazine Panorama und Bergauf.
Letztes Update: 9. Juni 2021

Wir haben den Test überprüft und die Verfügbarkeit einzelner Produkte aktualisiert. Unsere Empfehlungen sind weiterhin aktuell.

Radschuhe mit Klickpedal-Kompatibilität sind bei Rennrädern schon vor vielen Jahren zur Norm geworden, spezielle Rennradschuhe gibt es seit Jahrzehnten. Waren vor 40 Jahren noch Lederschuhe erhältlich, die in sogenannten Hakenpedalen gefahren wurden, sind inzwischen sensibel auslösende Klickpedale der Standard – und Schuhe, die aus raffinierten Kunstfaser-Kombinationen hergestellt werden und mit zahlreichen technischen Funktionen ausgestattet sind. Die Hersteller versehen ihre Modelle zudem mit Schnellschnürsystemen, komfortablen Fußbetten und strategisch positionierten Belüftungssystemen.

Entscheidend bei der Schuhwahl sind jedoch nach wie vor Passform, Funktionalität, Preis-Leistungs-Verhältnis und Kraftübertragung – alles Faktoren, die wir in die Bewertung der getesteten Schuhe einfließen ließen.

Im Test haben wir uns 10 Modelle der verschiedensten Preisklassen angesehen, vom günstigen Einsteigerschuh bis hin zum teuren Luxusmodell. Hier sind unsere Empfehlungen in der Kurzübersicht.

Kurzübersicht: Unsere Empfehlungen

Testsieger

Gaerne G. Tornado

Herren-Rennradschuh Test: Gaerne G. Tornado
Ein Schuh, der von der Bedienfreundlichkeit und in Sachen Komfort seinesgleichen sucht: Leicht bedienbares, festes Schnürsystem und elegantes, zeitloses Design.

Der Gaerne G. Tornado besticht durch sein modernes Design und seine sehr unkomplizierte BOA-Schnellschnürung, die ganz ohne Klettverschluss auskommt. Zwar ist der Schuh etwas schmaler geschnitten, wird jedoch Fahrer aller Leistungsklassen begeistern, die einen stilechten Rennradschuh suchen, mit dem sie genauso Feierabendrunden wie Rennen fahren können. Der italienische Traditionshersteller Gaerne stellt den Schuh in Bella Italia her. Das zeitlose, elegante Design unterstreicht den Understatement-Charakter des Schuhs. Er will nicht um jeden Preis auffallen, sondern zuverlässig seinen Dienst tun.

Komfort- und Gewichtswunder

Vaude RD Snar Pro

Test Herren-Rennradschuh: Vaude RD Snar Pro
Unkomplizierter, leichter und gutmütiger Rennradschuh mit schönem, leichtgängigen Schnürsystem.

Vaude hat mit dem RD Snar Pro ein Passformwunder im Programm: Der Schuh überzeugt mit einem gutmütigen, tendenziell breiteren Fußbett, das sich an eine sehr breite Nutzerschicht wendet. Schön gelöst ist die Kombination aus BOA-Schnellschnürsystem und Klettverschluss, die eine gute Kraftübertragung ermöglicht. Gefallen hat uns auch das Antirutsch-Material an der Innenseite des Hecks, das ein Schlupfen der Ferse verhindert. Ein zeitloses, technisches Design macht den Schuh des deutschen Herstellers vielseitig kombinierbar.

Viel Technik für wenig Geld

Sundried Men's Pro Road Cycling Shoes

Test Herren-Rennradschuh: Sundried Men's Pro Road Cycling Shoes
Viel Schuh für wenig Geld: Relativ hartes Fußbett, für Kurzstrecken aber gut geeignet.

Ein Schuh mit Schnellschnürsystem für wenig Geld? Der englische Budget-Hersteller Sundried macht’s mit dem Men’s Pro Road Cycling Shoe vor. Zwar hat der Schuh kein Marken-Schnellschnürsystem von BOA, im Test merkt man den Unterschied jedoch kaum. Sohle und Fußbett sind relativ hart. Der Schuh wendet sich damit an Ein- und Aufsteiger, die Strecken bis maximal 80 Kilometer fahren und dafür einen ausreichend performanten Schuh suchen.

Haltbarkeitstipp

Sidi Alba 2

Test Herren-Rennradschuh: Sidi Alba 2 Cycling Shoes
Wertiger, ausgezeichnet verarbeiteter Schuh mit sehr präzisem Schnellschnürsystem und tollem Halt

Sidi ist eine der Marken im Rennradbereich, der der Begriff »Legende« anhaftet. Das italienische Unternehmen gehört zu den teureren, was man auch dem Alba 2 anmerkt. Der Schuh ist schwer, bringt aber die Verarbeitungsqualität eines italienischen Herrenschuhs mit. Das proprietäre Sidi-Schnellschnürsystem Tecno 3 ist sehr präzise, der Schuh lässt sich feiner justieren als die Konkurrenz. Wer bereit ist, je nach Größe 130 Euro und mehr für einen Rennradschuh auszugeben, bekommt hier robuste Rennradschuh-Qualität vom Feinsten.

Gut & günstig

Luck Evo

Test Herren-Rennradschuh: Luck Evo Red Road Cycling Shoes
Gutmütiger, bequemer und fußschmeichelnder Schuh mit guten Fahreigenschaften. Perfekt für Einsteiger!

Der Luck Evo hat uns überrascht. Im Amazon-Webshop sieht der Schuh »billig« aus, auch beim Auspacken haftet ihm ein Low-Budget-Image an. Hat man ihn jedoch an den Füßen, macht der Schuh Spaß. Er ist der perfekte Schuh für Anfänger mit kleinem Geldbeutel, schließlich kostet er je nach Größe lediglich zwischen 50 und 80 Euro. Einen Bonus hat der Schuh darüber hinaus: Er wird als einziger Schuh unter 100 Euro in Europa, genauer Spanien, hergestellt. Wem also die Optik egal ist kann getrost zum bequemen Luck greifen.

Vergleichstabelle

Vergleichstabelle
TestsiegerKomfort- und GewichtswunderViel Technik für wenig GeldHaltbarkeitstippGut & günstig
Gaerne G. Tornado Vaude RD Snar Pro Sundried Men's Pro Road Cycling Shoes Sidi Alba 2 Luck Evo Shimano RC5 Scott Road Comp Boa XLC CB-R04 Rapha Classic Shoes Giro Rev
Herren-Rennradschuh Test: Gaerne G. TornadoTest Herren-Rennradschuh: Vaude RD Snar ProTest Herren-Rennradschuh: Sundried Men's Pro Road Cycling ShoesTest Herren-Rennradschuh: Sidi Alba 2 Cycling ShoesTest Herren-Rennradschuh: Luck Evo Red Road Cycling ShoesTest Herren-Rennradschuh: Shimano  RC5Test Herren-Rennradschuh: Scott  Road Comp BoaTest Herren-Rennradschuh: XLC CB-R04Herren-Rennradschuh Test: Rapha Classic ShoesTest Herren-Rennradschuh: Giro Rev Cycling Shoe
Pro
  • Geringer CO2-Abdruck dank Produktion in Italien
  • Tolle Passform bei schmaleren Füßen
  • Pedalplatte längenverstellbar
  • Elegante Erscheinung
  • Geradliniges Design
  • Toller Halt
  • Angenehmes Fußbett
  • Viel Technik für wenig Geld
  • Schnellschnürsystem
  • Leichte Konstruktion
  • Anti-Rutsch-Material am Heck
  • Ausgezeichnete, langlebige Verarbeitung
  • Präzises Schnürsystem
  • Bester Halt im Test
  • Made in Spain
  • Überzeugende Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Komfortables Fußbett
  • Auffällige Fersenreflektoren
  • Schöne Verarbeitung
  • Leichtgängige Schnellschnürung
  • Direkte Kraftübertragung
  • Pedalplatte längenverstellbar
  • Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Pedalplatte längenverstellbar
  • Überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Geringes Gewicht
  • Bestigung von Rennrad- als auch MTB-Cleats möglich
  • Komfortabler Sitz
  • Zeitloser, eleganter Klassiker-Look
  • Ausgezeichnete Verarbeitung
  • Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Bequem
  • Pedalplatte längenverstellbar
  • Für längere Gehstrecken geeignet
Contra
  • Nichts für "Breitfüßer"
  • Verschmutzt leicht
  • UVP relativ teuer
  • Hartes Fußbett
  • Vergleichsweise klobige Gestalt
  • Vergleichsweise teuer
  • Schwerster Schuh im Test
  • Etwas lockerer Sitz
  • Schmaler Schnitt
  • Wenig Details, die ihn von der Konkurrenz abheben
  • Hartes Fußbett
  • Keine Schnellschnürung
  • Sohle nutzt sich schnell ab
  • Teuer
  • Schnürung nicht mehr zeitgemäß
  • Nur mit SPD-Pedalsystem kompatibel
  • Mittelmäßiger Halt
Bester Preis
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Gewicht (ohne Pedalcleats)604 g (EUR 44,5)564 g (EUR 44)560 g (EUR 44)736 g (EUR 45)620 g (EUR 45)564 g (EUR 45)628 g (EUR 45)576 g (EUR 45)632 g (44,5)688 g (EUR 45)
KlicksystemSPD-SL, Look, Time, Speedplay (mit Adapter); längenverstellbarSPD-SL, Look, Time, Speedplay (mit Adapter)SPD-SL, Look, Time, Speedplay (mit Adapter)SPD-SL, Look, Time, Speedplay (mit Adapter)SPD-SL, Look, Time, Speedplay (mit Adapter)SPD-SL, Look, Time, Speedplay (mit Adapter); längenverstellbarSPD-SL, Look, Time, Speedplay (mit Adapter); längenverstellbarSPD, SPD-SL, Look, Time, Speedplay (mit Adapter)SPD, SPD-SL, Look, Time, Speedplay (mit Adapter)Nur SPD (!); längenverstellbar
VerschlussystemBOA-SchnellschnürungBOA-Schnellschnürung und 1x Klettverschluss vorneAtop-Schnellschnürsystem mit 1x Klettverschluss vorneSIDI-Schnellschnürsystem in Kombination mit 2x Klettverschluss3 x KlettverschlussBOA-Schnellschnürung und 1x Klettverschluss vorneBOA-Schnellschnürung und 1x Klettverschluss vorne3 x KlettverschlussSchnürung, 1x Klettverschluss vorne3 x Klettverschluss
PassformSpeziell vorne eher schmalNormalNormalEher breitBreitÜber die ganze Länge eher schmalNormalNormalNormalNormal bis breit
BesonderheitenEinziger Schuh gänzlich ohne KlettverschlussAnti-Rutsch-Material an der FerseEinziger Schnellschnür-Schuh unter 100 EuroSidi-spezifisches, fein gerastertes SchnellschnürsystemKlarsicht-BOAEinziger Schuh im Test, der mit Rennrad- und MTB-Pedalen genutzt werden kann!Einziger Schuh mit Schnürung im TestNur für SPD-Cleats geeignet, kein reiner Rennradschuh
Fersenstollen austauschbarJaNeinNeinJaNeinNeinNeinNeinNeinNein
BelüftungLüftungsschlitze an der Sohle, Stanzungen ObermaterialLüftungsschlitze an der Sohle, Stanzungen ObermaterialLüftungsschlitze an der Sohle, Stanzungen ObermaterialStanzungen ObermaterialStanzungen ObermaterialLüftungsschlitze an der Sohle, Stanzungen ObermaterialKleine Lüftungsschlitze an der Sohle, Stanzungen ObermaterialLüftungsschlitze an der Sohle, Mesh-Einsätze ObermaterialStanzungen ObermaterialMesh-Einsätze Obermaterial
Hergestellt inItalienVietnamChinaRumänienSpanienChinaKambodschaChinaChinaVietnam
SohlenmaterialHartplastikHartplastikHartplastikHartplastikHartplastikHartplastik mit Carbonverstärkung im Klickpedal-BereichHartplastikHartplastikHartplastik mit Carbonverstärkung im Klickpedal-BereichHartplastik mit Gummi-Applikation

Was sie über Rennradschuhe wissen müssen

Rennradschuhe müssen spezielle Anforderungen erfüllen. Hier ist das wichtigte, was Sie beim Kauf beachten müssen.

BOA-Schnellschnürsystem

Das BOA-Schnellschnürsystem hat sich in den vergangenen Jahren in den verschiedensten Sportarten etabliert. Ein filigran wirkender, aber hochfester Nylonfaden wird hierbei auf eine in einem Drehknopf untergebrachte Spule aufgerollt. Die Spule ist mit einer Rasterung ausgestattet, die den Nylonfaden beim Aufrollen fixiert. Zieht man am Drehknopf, wird die Rasterung ausgeklinkt und die BOA-Schnürung lässt sich mühelos öffnen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der hochfeste Nylonfaden sorgt für einen besseren Halt als herkömmliche Schnürbänder oder ein Klettverschluss, der Schnürvorgang geht schneller vonstatten und die Schnürung kann während der Fahrt mit einem Handgriff nachjustiert werden.

Profil bei Rennradschuhen

Rennradschuhe sind ausschließlich zum Rennradfahren gedacht, das spiegelt sich auch im Profil wider. Sie sind daher nur mit Stollen oder kleinen »Bodenkontaktflächen« ausgestattet, die für kurze Gehstrecken etwas Kippsicherheit, aber nicht mehr bieten sollen. Für den kurzen Weg von der Haustür zum Rennrad, zum Getränkeholen im Supermarkt oder zum Café nach der Tour sind Rennradschuhe geeignet. Wer längere Strecken zu Fuß zurücklegen will, sollte sich einen anderen Fahrradschuh, zum Beispiel einen »gutmütigeren Tourenschuh«, zulegen.

Klickpedal-Arten

Im Rennradsektor haben sich einige wenige Pedaltypen durchgesetzt: Shimano SPD-SL, Look, Time und Speedplay. Zwar gibt es noch einige andere Hersteller, diese spielen jedoch auf dem Massenmarkt eine untergeordnete Rolle. Die vier genannten zeichnet eines aus: Die Kraft wird über recht voluminöse Plastikelemente übertragen, die Pedalplatten oder Cleats genannt werden. Diese werden an den Schuh geschraubt und übertragen die Beinkraft auf den Antrieb. Im Gegensatz zu den kleinen Metallcleats für Mountainbikes bestehen die größeren Rennrad-Cleats zum Großteil aus Plastik. Sie stützen den Schuh auf einer größeren Fläche auf dem Pedal ab, um die Kraft flächiger übertragen zu können. Nachteil (s.o.): Mit den klobigen Rennradcleats sind nur kurze Gehstrecken möglich.

Schuhgröße

Rennradschuhe sollten relativ passgenau sitzen. Im Gegensatz zu Wanderschuhen, wo durchaus ein wenig »Luft« sein kann, sind Rennradschuhe Teil des Antriebs. Wie jeder Mechaniker weiß, ist ein wenig Spiel gut, zu viel Spiel führt jedoch zu Reibung und disharmonischen Bewegungsabläufen. Man sollte stets im Hinterkopf behalten, dass man beim Rennradfahren nicht nur nach unten auf die Fahrradkurbel drückt, sondern der Antriebsvorgang auch das »Ziehen« bei der Aufwärtsbewegung der Kurbel beinhaltet. Ist der Schuh zu weit, geht der Antriebsvorgang schlichtweg weniger effektiv vonstatten.

Herren-Rennradschuh Test: Gesamt (1)

So haben wir getestet

Alle Schuhe wurden während eines dreimonatigen Testzeitraums bei Touren aller Schwierigkeitsgrade getestet. Die Bandbreite reichte dabei von kurzen 25-Kilometer-Fahrten ins Büro bis hin zu 150-Kilometer-Touren in die Zentralalpen. Die Schuhe wurden nicht nur auf dem Rennrad, sondern auch auf dem Gravelbike getestet. Dabei konnten bestimmte Faktoren, wie die Kraftübertragung bei kurzen, heftigen Steilanstiegen, noch genauer unter die Lupe genommen und so vielseitiger bewertet werden.

Herren-Rennradschuh Test: Gaerne (1)

Unser Favorit: Gaerne G. Tornado

Italienische Eleganz – dieses Stichwort kommt einem als erstes in den Sinn, wenn man den Gaerne auspackt. Der mit dem BOA-Schnellschnürsystem ausgestattete Schuh ist sehr geradlinig designt, geradezu zeitlos schön und hochwertig verarbeitet. Der relativ schmal zulaufende Fahrradschuh erinnert fast schon an einen modischen Herrenschuh. Schließlich ist er auch Made in Italy. Das hat etwas für sich: Wer auf kurze Lieferwege und einen gewissen Öko-Aspekt Wert legt, sollte hier aufhorchen, denn Made in Europe bedeutet keine lange Anreise per Schiffscontainer aus Fernost.

Testsieger

Gaerne G. Tornado

Herren-Rennradschuh Test: Gaerne G. Tornado
Ein Schuh, der von der Bedienfreundlichkeit und in Sachen Komfort seinesgleichen sucht: Leicht bedienbares, festes Schnürsystem und elegantes, zeitloses Design.

Gaerne ist schon lange im Geschäft, aber nie eine der angesagteren Marken im Rennradschuh-Business geworden – angesichts des G. Tornado fragt man sich zwangsläufig, warum eigentlich nicht. Die Passform ist ausgezeichnet, das leichtgängige BOA-Schnürsystem sorgt für einen angenehmen, komfortablen Halt, und im Gegensatz zum XLC hat das Fußbett seinen Namen auch verdient. Dazu kommen sinnvolle Details, wie die reflektierende Applikation am Heck. Die Kraftübertragung über die Carbon-Nylon-Sohle ist ausgezeichnet, der Schuh ermöglicht einen gnadenlos direkten Antritt.

Der Schuh ist darüber hinaus mit einem BOA-L-6-Schnellschnürsystem ausgestattet und kommt im Gegensatz zu anderen Modellen mit Schnellschnürsystem ganz ohne Klettverschluss aus. Das Ergebnis sind zügige Schnürvorgänge, der Schuh ist im Nu einsatzbereit und während der Fahrt nachjustiert.

Eine Sache ist ebenfalls noch hervorzuheben: Mit dem Gaerne kann man auch laufen! Oder besser gesagt gehen, damit hier keine Missverständnisse entstehen. Man rutscht im Gegensatz zu anderen Modellen nicht sofort weg. Für den kurzen Stopp an der Tanke oder am Supermarkt reicht es allemal.

Alles in allem hat uns der Schuh aus Italien sehr gut gefallen. Behält man das Preisniveau im Hinterkopf, ist er ein toller Schuh für Rennradfahrer, die einen verlässlichen Partner auch für Langstrecken suchen.

Alternativen

Der Gaerne G. Tornado hat uns voll überzeugt. Doch auch andere Hersteller haben Rennradschuhe im Sortiment, die uns im Test aus verschiedenen Gründen begeistert haben.

Komfort- und Gewichtswunder: Vaude RD Snar Pro

Vaude und Rennradschuhe? Das bringt man nicht unbedingt auf Anhieb zusammen. Vaude ist einer der größten Outdoor-Vollsortimenter im DACH-Raum. Das Unternehmen vom Bodensee baut Zelte, schneidert Trekkinghosen und näht Rucksäcke – und das seit Jahrzehnten. Doch seit einigen Jahren hat Vaude, das schon länger Mountainbikeschuhe produziert, auch die Rennradschuhe der Snar-RD-Serie im Programm, darunter den hier getesteten Snar RD Pro.

Komfort- und Gewichtswunder

Vaude RD Snar Pro

Test Herren-Rennradschuh: Vaude RD Snar Pro
Unkomplizierter, leichter und gutmütiger Rennradschuh mit schönem, leichtgängigen Schnürsystem.

Das Design des Schuhs gefällt. Es ist schnörkellos, funktional, unprätenziös, aber doch in edlem Schwarz-Weiß. Die Farbgebung sollte keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass man es hier mit einem Schuh für lange, harte Rennradeinsätze zu tun hat.

Im Test auf einer knapp 100 Kilometer langen Runde durchs Alpenvorland überzeugt der Schuh durch einen sehr ausgewogenen Sitz. Die Zunge ist weich, ohne dabei schwammig zu wirken, beim Fußbett haben die Schuhentwickler genau den richtigen Mittelweg zwischen guter Kraftübertragung und ausreichend Komfort gefunden. Das unterscheidet den Snar RD Pro von eher lieblos zusammengeschusterten Schuhen wie dem Modell von XLC.

Vaude verzichtet auf zuviel Schnickschnack: Statt einer aufwändigen Carbonsohle kommt eher unscheinbarer Kunststoff zum Einsatz, statt eines im Großformat aufgebrachten Markennamens wie bei SIDI fällt der Markenname kaum auf. Dafür punktet auch der Vaude Snar Pro mit einer BOA-Schnellschnürung, die der Hersteller mit einem Klettverschluss an der Vorderseite kombiniert.

Auf der Hälfte unserer Runde müssen wir durch eine tiefe Pfütze und holen uns nasse Füße. Der Schuh überrascht auch bei nassen Verhältnissen mit einem komfortablen Sitz ohne Reibestellen – ein klarer Pluspunkt! Wie andere Hersteller auch, hat Vaude den Snar Pro mit einem speziellen Anti-Schlupf-Stoff im Fersenbereich versehen. So wird verhindert, dass die Ferse aus dem Schuh rutscht.

Für die UVP von 180 Euro hätten wir den Schuh nicht unbedingt empfohlen, geht man jedoch auf Schnäppchenjagd, ist der Vaude Snar RD Pro ein heißer Tipp. Zudem gibt es ihm auch in einer etwas günstigeren Version (Snar ohne »Pro«), die zwar etwas schwerer, dafür aber schon für unter hundert Euro erhältlich ist. Vaude mag auf dem Rennradschuhmarkt eine Nebenrolle spielen, mit den Smart RD- Schuhen ist dem Unternehmen vom Bodensee jedoch ein toller Wurf gelungen.

Viel Technik für wenig Geld: Sundried Men’s Pro Road Cycling Shoes

Die Sundried Mens Pro Rennradschuhe bieten für ihren Preis eine ganze Menge: Wie Scott kombiniert Sundried einen Klettverschluss im Vorfußbereich mit einem Schnellschnür-Drehverschluss – allerdings kein bewährter BOA-Verschluss, sondern von einem eher unbekannten Anbieter namens »atop«. Hier muss man sich erst mal umgewöhnen, denn statt durch Herausziehen des Drehknopfes muss dieser gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden, um die Schnürung zu lösen.

Viel Technik für wenig Geld

Sundried Men's Pro Road Cycling Shoes

Test Herren-Rennradschuh: Sundried Men's Pro Road Cycling Shoes
Viel Schuh für wenig Geld: Relativ hartes Fußbett, für Kurzstrecken aber gut geeignet.

Ähnlich wie beim XLC fällt das Fußbett etwas hart aus. Dazu ist die Zunge recht dick gepolstert – eine etwas ungewöhnliche Kombination. Der Schuh wirkt, zumindest im Vergleich zur italienischen Konkurrenz, etwas klobig. Interessant ist – übrigens auch beim Vaude Snard RD Pro – das Anti-Schlupf-Material an der Ferse. Wie bei einem Tierfell gibt es eine »Streichelrichtung«, wenn man hineinschlüpft. Zieht man den Fuß während der Antriebsbewegung nach oben, sperrt sich das Material und verhindert, dass man nach oben rutscht. Praktisch!

Wir nehmen den Sundried beim Rennradfahren und auf dem Gravelbike her. Dabei zeigt sich, dass der Schuh für seinen Preis erstaunlich viel bietet. Ein Schnellschnürverschluss und ein komfortabler Schuhaufbau für unter 80 Euro – das bietet kein anderer Schuh im Test. So funktioniert das Schnellschnürsystem, das Sundried wie Vaude mit einem Klettverschluss an der Front kombiniert, ganz anständig. Allerdings lässt der Tragekomfort etwas zu wünschen übrig und rangiert auf dem Niveau des XLC-Modells. Daher empfehlen wir den Schuh in erster Linie für Kurz- und Mittelstrecken bis maximal 80 Kilometer.

Trotzdem hat uns der Sundried von den drei »Billigheimern« (die anderen sind der Luck Evo, XLC CB-R04 und Giro Rev) am besten gefallen. Er ist detailverliebter gebaut, macht optisch einiges her und punktet mit mit mehr Technik. Falls sich im Dauereinsatz herausstellen sollte, dass das »Billig-BOA« schlechter performt als das Original, werden wir das an dieser Stelle nachtragen.

Haltbarkeitstipp: Sidi Alba 2

Sidi ist eine der bekanntesten Rennradschuhmarken überhaupt. Das Unternehmen aus dem Veneto blickt auf mittlerweile 60 Jahre Erfahrung in der Fertigung von Rennradschuhen zurück. Diese reihten sich stets in der Oberklasse ein, wie auch der hier getestete Alba 2.

Haltbarkeitstipp

Sidi Alba 2

Test Herren-Rennradschuh: Sidi Alba 2 Cycling Shoes
Wertiger, ausgezeichnet verarbeiteter Schuh mit sehr präzisem Schnellschnürsystem und tollem Halt

Der Schuh ist im klassischen Sidi-Design gehalten: Zur klassisch-roten Ferse mit dem Sidi-typischen Feuerball-Emblem kommt das ebenfalls Sidi-typische Tecno-3-Schnellschnürsystem und ein in Schwarz-Weiß-Rot gehaltener Oberschuh. Sidi war übrigens (mutmaßlich) die erste Marke auf dem Markt mit Schnellschnürsystem überhaupt. Das Qualitätsniveau von Sidi ist legendär, der Alba 2 macht da keine Ausnahme. Die Passform ist für einen »Italiener« recht breit. Wir haben zwar das normale Modell getestet, der Alba 2 wird aber auch in einer noch breiteren Variante angeboten.

1 von 5
Herren-Rennradschuh Test: Sidi (1)
Sidi setzt auf seine "Stammfarben" schwarz, weiß und rot.
Herren-Rennradschuh Test: Sidi (2)
Die überformte Ferse gehört ebenfalls zu Sidis Markenzeichen.
Herren-Rennradschuh Test: Sidi (5)
Sidi war der erste Radschuh-Hersteller mit Schnellschnürsystem: Am Alba kommt die Version "Tecno 3" zum Einsatz.
Herren-Rennradschuh Test: Sidi (4)
Doppelt hält besser: Bei Sidi treffen zwei Klettverschlüsse auf das Tecno 3-Schnellschnürsystem.
Herren-Rennradschuh Test: Sidi (3)
Der Alba 2 hat die beste Kraftübertragung im Test. Der Fersenkeil ist auch hier austauschbar.

Die hochfeste Sohle bietet mit die beste Kraftübertragung im Test – und das, wohlgemerkt, beim Drücken und beim Ziehen. Hinsichtlich seiner Passform fühlt sich der Schuh an wie vom Schuhmachermeister. Nimmt man alle getesteten Schuhe in die Hand und versucht sie entlang der Längsachse zu verdrehen, bekommt der Sidi Alba 2 zusammen mit dem Modell von Rapha die Bestnote.

Unser Orthopädieschumachermeister im Ort würde jetzt schimpfen, doch es gibt einen Kritikpunkt: das Gewicht. Der Sidi ist der einzige Schuh im Test, der die 700 Gramm-Marke knackt. Das schafft nicht mal Giro mit dem »Multifunktionsschuh« Rev. Das bedeutet zwei Dinge: Zum einen ist der Sidi einfach legendär langlebig und stabil. Zum anderen wendet er sich nicht an »Schnell & Leicht«-Rennradler, die auf der Suche nach dem leichtesten Schuh für das nächste Rennradrennen oder die ultimative Leichtgewichts-Materialschlacht sind. Sidi fertigt die Schuhe vielmehr für qualitätsbewusste Rennradfahrer, die sich auf ihre Ausrüstung zu hundert Prozent verlassen wollen und dafür auch gerne ein paar Euro mehr in die Hand nehmen. Nota Bene: Der Alba 2 stellt preislich den Einstieg in Sidis Rennradschuh-Sortiment dar.

Gut und günstig: Luck Evo

Im Netz sieht der Luck Evo nach einem Fernost-Produkt aus. Die Produktbilder suggerieren eine eher billige Verarbeitung, zumal sich der Schuh auch unter den günstigsten im Test einreiht.

Gut & günstig

Luck Evo

Test Herren-Rennradschuh: Luck Evo Red Road Cycling Shoes
Gutmütiger, bequemer und fußschmeichelnder Schuh mit guten Fahreigenschaften. Perfekt für Einsteiger!

Zwei Dinge fallen sofort auf: Zum einen bedient sich Luck bei Farbe und Design relativ unverhohlen bei der italienischen Marke Sidi – deren Stammfarben Weiß, Schwarz und Rot finden sich auch hier wieder. Zudem erinnert der Name Luck, der uns übrigens in unserer ca. 35 Jahre andauernden Radkarriere noch nie in die Quere gekommen ist, auffällig an die renommierte französische Fahrrad- und Zubehörmarke Look. Kurzum: Sieht man einmal von der Extravaganz des Rapha ab, ist der Luck der kurioseste Fahrradschuh im Test.

Was uns am meisten verblüfft: Der je nach Größe nur 60 Euro teure Schuh ist tatsächlich in Spanien hergestellt. »Made in EU« – das bekommen die anderen Billigheimer im Test nicht hin. Das bedeutet schon mal einen Öko-Pluspunkt durch den kurzen Lieferweg.

1 von 4
Herren-Rennradschuh Test: Luck (5)
Look "klaut" bei Sidi, was das Design angeht.
Herren-Rennradschuh Test: Luck (2)
Der Evo Rennradschuh ist sehr breit geschnitten.
Herren-Rennradschuh Test: Luck (7)
Kennt man von Sidi: Überformte Ferse.
Herren-Rennradschuh Test: Luck (6)
Im Test sind wir den Schuh mit Shimano SL-Pedalen gefahren.

Also nichts wie auf zur ersten Testfahrt. Eins fällt auf: Der Schuh ist echt breit! Wie bei wenigen anderen Schuhen im Test hat der Fuß angenehm viel Bewegungsfreiheit. Es fühlt sich alles etwas lockerer an als beispielsweise im XLC. Dazu sind die drei Klettverschlüsse relativ steif, was sich aber mit der Zeit etwas gibt. Der Luck will – wie alle anderen Schuhe natürlich auch – etwas eingefahren werden.

Beim Fußbett haben sich die spanischen Schuhmacher mehr Mühe gegeben als die Billig-Konkurrenz in Form von Sundried und XLC. Es ist durchaus als bequem zu bezeichnen. Unsere 65-Kilometer-Testrunde macht Spaß mit dem Schuh, auch wenn man sich bei langen Anstiegen etwas mehr Festigkeit beim »Ziehen« wünschen würde. Die Klettverschlüsse neigen eben dazu, etwas nachzugeben. Dafür haben sie einen breiten Verstellbereich und sind recht lang, was im Dauereinsatz von Vorteil sein dürfte.

Insgesamt hinterlässt der Schuh für diesen Preis einen absolut zufriedenstellenden Eindruck. Besonders was den Tragekomfort angeht, hat man hier im Gegensatz zur Konkurrenz eher das Gefühl, in einem ordentlich geschusterten Schuh zu stecken als bloß in einem lieblos produzierten Bestandteil des Fahrradantriebs. Wer allerdings schmale Füße hat, wird nicht sehr angetan sein – oder muss dicke Socken anziehen. Mit dem Luck radelt man eben auf großem Fuß!

Außerdem getestet

Shimano RC5

Der Shimano RC-o5 schießt schon mal ganz souverän den Vogel in Sachen Auffälligkeit ab. Der Schuh sieht aus, als hätte ihn jemand in einen Farbtopf gehalten. Er ist komplett blau, bis auf wenige schwarze Elemente. Auffällig ist auch der BOA-Schnellverschluss, der transparent ist. So kann man einen Blick auf das bestechend simple, aber gut funktionierende BOA-Innenleben werfen!

Beim Reinschlüpfen ziert sich der Schuh etwas. Er ist kein Reinschlüpf-Wohlfühl-Schuh wie beispielsweise der Luck. Nach den ersten paar Kilometern auf unserer 60 Kilometer langen Testrunde fühlen wir uns dann aber schon wohler im Schuh, wenn auch auffällt, dass der Shimano insgesamt schmal geschnitten ist, erst recht an der Spitze. Zum Glück sind die Zeiten vorbei, als man Shimano-Schuhe durch die Bank eine Größe größer kaufen musste – wir haben regulär EUR 44,5 und fühlen uns im RC 05 in Größe 45 recht wohl. Allerdings ist der Schuh garantiert nichts für Breitfüßer.

Beim ersten Anstieg geraten wir ins Staunen. Durch die recht enge Passform, die präzise BOA-Schnellschnürung und das feste Material überträgt der Schuh bei der Zugbewegung die Kraft beeindruckend direkt auf den Antrieb. Hier spielt der Shimano ganz oben mit und muss sich nicht vor Sidi und Co verstecken. Auch bei kraftvollen Antritten kann der Schuh punkten. Die mit Kohlefaser verstärkte Sohle ist angenehm steif. Was das Fußbett angeht, zählt der Schuh zur Kategorie »eher hart«.

Der Shimano RC-05 wendet sich in unseren Augen an versierte Fahrer mit eher schmalen Füßen, die einen Schuh für sportliche Ausfahrten suchen. Für Einsteiger ist der Schuh nichts, dafür stellt er zu viele Ansprüche an den Fuß. Behält man das Preisniveau im Kopf, ist er jedoch eine gute Wahl für ambitionierte Rennradfahrer, die mit ihm den Sprung von einem Einsteigerschuh hin zu sportlicheren Ausfahrten wagen wollen.

Scott Road Comp Boa

Der Scott Road Comp Boa ist so etwas wie der VW Golf unter den getesteten Schuhen. Er kostet mit rund 110 Euro für einen Schuh eines gestandenen Markenherstellers nicht die Welt und hat dennoch das »originale« BOA-Schnellschnürsystem an Bord.

Der Schuh funktioniert angenehm unauffällig. Das Fußbett ist bequem, nicht zu hart und nicht zu weich, die Kraftübertragung kann als solide bezeichnet werden und die Verarbeitung ist dem Preis angemessen. Der Scott Road Boa erreicht die Stufe 6 auf dem zehnstufigen Scott-Steifigkeitsindex. »Die Glasfaser-verstärkte Nylon-Laufsohle ist steif genug, um den Performance-Instinkt zu erfüllen, aber bequem genug für Ganztagestouren« schreibt Scott selbst – und trifft es damit ganz gut. Für Hardcore-Langstreckler oder Wettkämpfer ist der Schuh ein wenig zu harmlos, immerhin gibt es ihn in einer auffälligeren Farbvariante. Dafür stellt er für den klassischen Hobbyrennradler, der mal kurze Leistungstests, mal gemütliche Mittelstrecken fährt, die perfekte Wahl dar. Die Belüftung des Schuhs fällt positiv auf: An der Unterseite verfügt das Modell an der Vorderseite einen kleinen Lufteinlass, an der Oberseite sorgt luftdurchlässiges Mesh für eine angenehme Zirkulation. In Sachen Gewicht gehört der Scott nicht zu den leichtesten Modellen, fällt aber auch nicht unangenehm auf.

Zwischen den Zeilen liest sich heraus: Der Scott Road Comp Boa ist sicher nicht der spektakulärste Schuh im Test, aber genau das zeichnet ihn aus. Er ist ein bequemer, unprätenziöser Schuh mit einer angenehmen Passform, der schnell zum Lieblingsschuh wird. Im Test muss er sich knapp der etwas einfallsreicheren Konkurrenz geschlagen geben und bleibt eine »graue Maus«.

XLC CB-R04

XLC ist eine weltweit vertriebene Komponenten- und Bekleidungsmarke, die eher im unteren Preissegment angesiedelt ist. Speziell große Fahrrad-Versandhändler wie Brügelmann haben die Marke im Sortiment.

Das schlichte, komplett in schwarz gehaltene Design des CB-R04 fällt als erstes auf. Der Schuh lässt sich sehr vielfältig kombinieren, ohne aufzufallen. Er ist zusammen mit dem Luck Evo und dem Modell von Sundried der günstigste Schuh im Test und muss im Gegensatz zum Sundried auch ohne Schnellschnürsystem auskommen, stattdessen wird der Fuß mit drei Klettverschlüssen fixiert.

Im Gegensatz zu den anderen Schuhen im Test kann man an der Sohle, an der komplett Hartplastik zum Einsatz kommt, auch MTB- bzw. Tourenrad-Cleats befestigen. Der Schuh lässt sich somit also recht vielseitig einsetzen, nicht nur als Rennradschuh. Das großflächig verbaute Hartplastik hat jedoch den Nachteil, dass man beim Gehen auf hartem Untergrund schnell ausrutscht. Bei einem Gang in den Supermarkt rettete uns nur ein beherzter Ausfallschritt vor einem Sturz auf den Allerwertesten. Auch nutzt es sich bereits nach kurzer Nutzungsdauer ohne allzu lange Gehpassagen stark ab.

Auch das Fußbett lässt zu wünschen übrig. Es ist, kurzgesagt, bretthart. Für Kurzstrecken ist das kein Problem, sitzt man jedoch 50 und mehr Kilometer im Sattel, wünschen sich Fuß und Fahrer etwas mehr Komfort. Auf der anderen Seite bietet der Schuh zum günstigen Preis eine ausreichende Performance und wendet sich damit an Radfahrer, die ein kleines Budget haben und einfach nur einen gut funktionierenden Schuh erwerben wollen. Auch Gelegenheitsradfahrer, für die Touren jenseits der 50-Kilometer-Marke eher die Ausnahme sind, werden mit dem XLC CB-R04 glücklich. Im Vergleich hat sich die Konkurrenz aber etwas mehr einfallen lassen, deshalb bleibt für den XLC CB-R04 nur ein Trostpreis.

Rapha Classic Shoes

Rapha – dieser Marke eilt ein exklusiver, fast schon legendärer Ruf voraus. Sie erschien erst vor rund fünf Jahren auf dem Radar der Rad-Community in den deutschsprachigen Ländern. Schnell war klar: Rapha ist so etwas wie der Ferrari unter den Radbekleidungsmarken. Die Marke umgibt ein gewisser Nimbus, den sie sich auch mit einem entsprechenden Preis bezahlen lässt. Teuer – das ist das Adjektiv, mit dem die Marke bei vielen in Verbindung gebracht wird. Der Rapha Classic Shoe ist mit 215 Euro UVP dann auch der teuerste Schuh im Test. Die zentrale Frage ist daher: Kann der Schuh den hohen Erwartungen entsprechen?

Mit dem Wörtchen »Classic« will Rapha den Schuh wohl in eine Reihe mit klassischen alten Lederschuhen stellen, tatsächlich erinnert die Optik ein wenig an Vaters alte Leder-Radschuhe. »Klassisch« ist an diesem Schuh aber, wenn überhaupt, nur die Schnürung. Ansonsten setzt der Hersteller auf moderne Materialien, das Obermaterial besteht aus Mikrofaser und hat eine in allen Farben schillernde, glänzend graue Oberfläche – ein Hingucker, wie er im Buche steht! Dazu kommt eine TPU-beschichtete, hochfeste und auch leidlich rutschsichere Sohle, die im Pedalbereich carbonverstärkt ist.

Im Rahmen einer 60km-Testfahrt nehmen wir den Rapha unter die Lupe. Der Antritt ist angenehm direkt, der Schuh sitzt ohne Frage sehr komfortabel. Der Schuh hat zudem eine angenehme Breite und bietet dem Fuß im Zehenbereich vergleichsweise viel Raum. Dazu merkt man schnell, dass der Schuh eine der härtesten Sohlen im Test hat – die Kraftübertragung begeistert. Dadurch, dass das Außenmaterial aus einem Stück gefertigt wird, ist der Schuh zudem recht pflegeleicht. Einmal feucht drübergewischt, fertig!

Wie kein anderer Schuh – ausgenommen vielleicht der Shimano RC-05 – ist der Rapha Classic eine Rampensau, was sicher auch Teil der Rapha-Philosophie ist. In München die Leopoldstraße ‚runtercruisen und dann einen Cappuccino im schicken Café schlürfen? Mit dem Rapha kein Problem. Der Schuh soll Aufsehen erregen. Von der Verarbeitung her lässt er keine Wünsche offen, da kann im Test maximal Sidi mithalten. In Sachen Funktion haben indes andere die Nase vorne – aber darum geht es Rapha, wie gesagt, auch gar nicht unbedingt. Das Unternehmen will die Fühler eindeutig Richtung Rennrad-Lifestyle ausstrecken und stilbewussten Afficionados das passende Outfit für ihre Leidenschaft liefern. Gäbe es einen Sonderpreis Lifestyle im Test, hätte ihn der Rapha Classic Shoe mehr als verdient. So erreicht er, besonders hinsichtlich seines Preisniveaus, nur einen Platz auf den hinteren Rängen.

Giro Rev

Im Testfeld spielt das Fahrradschuhmodell Rev von Giro eine Sonderrolle. Zwar werden die Schuhe teilweise als Rennradschuhe geführt, das sind sie jedoch nicht unbedingt. Der Grund: Die Schuhe sind im Aufbau relativ wuchtig, verfügen über eine massive Gummisohle und sind mit 692 Gramm pro Paar bei Größe EUR 45 auch die zweitschwersten Schuhe im Test.

Dazu kommt ein entscheidendes Detail: Die Giro Rev können ausschließlich mit Shimano SPD Cleats (oder anderen MTB-Pedalplatten, z. B. von Crank Brothers) genutzt werden, also kleinen, metallenen Mountainbike-Pedalplatten. Folglich können die Schuhe ausschließlich auf Mountainbikepedalen genutzt werden.

Giro hat den Schuh nicht zwangsläufig für Rennradfahrer entworfen, sondern eher Tourenradfahrer, die mal in das eine, mal in das andere Metier hineinschnuppern wollen. Schraubt man sich leichtere MTB-Pedale ans Rennrad, sind die Rev für Einsteiger geeignete Radschuhe, die später einmal »aufrüsten« und sich Rennradpedale ans Rad schrauben wollen, welche mit einer besseren Kraftübertragung punkten. Ein weiterer Einsatzbereich ist das Indoor-Spinning: Die Giro Rev haben eine recht weiche, trittsichere Gummisohle, wodurch man mit ihnen zum Beispiel im Fitnessstudio gut von der Umkleide zu den Geräten gehen kann.

Im Rahmen des Tests nehmen wir den Schuh auf eine kleine 40-Kilometer-Runde mit, die allerdings mit knapp 1.000 Höhenmetern aufwartet. Die Kraftübertragung ist erstaunlich gut, allerdings merkt man dem Schuh an, dass er über kein Schnellschnürsystem, sondern »nur« über drei Klettverschlüsse verfügt – er fühlt sich etwas schwammig an. Ansonsten bemerkt man seine Vielseitigkeit: Das Obermaterial ist robust, der Schnitt sehr gutmütig, der Schuh stellt nur wenig Ansprüche an den Fuß.

Wir wollen den Giro Rev damit primär Radfahrern empfehlen, die sich noch nicht sicher sind, wohin die (Rad-)Reise führen soll – ob es bei gelegentlichen Ausflügen mit dem Tourenbike bleibt, man ab und zu mal moderat Mountainbiken oder sich auch auf’s Rennrad setzen will. Das Modell ist sozusagen ein Vierfach-Hybridschuh: ein Viertel MTB-, ein Viertel Rennrad-, ein Viertel Tourenrad- und ein Viertel Spinningschuh.

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