Test: Kopfhörer – Testsieger Beyerdynamic Custom Studio

Testsieger: Beyerdynamic Custom Studio

Die Wahl des richtigen Kopfhörers ist immer auch Geschmacksache. Denn alle Hifi-Kopfhörer haben ein eigenes Klangbild, was dem einen gefällt findet jemand anders ganz furchtbar. Das hängt natürlich auch sehr damit zusammen, welche Musik man hört.

Aber es gibt auch immer wieder Kopfhörer, die bei allen Musikrichtungen eine gute Figur machen. Zu ihnen gehört der Beyerdynamic Custom Studio – und das war mit ein Grund, warum er für uns der beste Kopfhörer für die meisten Menschen ist.

Der Custom Studio ist ein geschlossener Kopfhörer, daran ändern auch die bassreflexähnlichen Öffnungen des „Sound Slider“ Systems nichts. Wer den Custom Studio aufsetzt, hört nicht mehr viel von seiner Umwelt, andersrum ist es genauso, auch meine Umgebung bekommt nicht viel von meinen Musik-Exzessen mit.

Solide fürs Studio

Der Namenszusatz „Studio“ bedeutet bei Kopfhörern von Beyerdynamic meist, dass sie sich aufgrund ihres neutralen Klangbildes vorzüglich zum Abhören im Studio eignen. Außerdem überzeugt ein Studio-Kopfhörer mit der soliden Qualität eines Arbeitsgerätes, was sich unter anderem auch in einem etwas höheren Anpressdruck der Hörkapseln auswirkt.

Das ist beim Custom Studio nicht anders: Das Kabel ist einseitig steckbar angebracht, kann also bei Defekt einfach ausgetauscht werden. Das gleiche gilt für die Ohr- und Bügelpolster, auch die können selbst nach Jahren intensiver Nutzung einfach ausgetauscht werden.

Geliefert wird der Custom Studio mit samtenen Ohrpolstern, sie lassen sich jedoch problemlos gegen welche aus Kunstleder tauschen. Die dichten das Ohr noch mehr ab und sorgen damit für noch mehr Bassempfinden. Im Sommer werden sie allerdings von vielen Musikliebhabern als zu schweißtreibend empfunden.

Der etwas höhere Anpressdruck wird von den großen Polstern gut abgefangen, so dass der Hörer auch nach längeren Hör-Sessions nicht lästig oder gar anstrengend wird.

Hörtest

Beim Klang geht der Custom Studio keine Kompromisse ein. Sauber und ausgewogen spielt er auf, dabei gelingt es ihm trotz eines guten Schusses Analytik, die Spielfreude nicht aus den Augen, pardon, aus den Ohren zu verlieren.

Er öffnet eine große Bühne und schafft durch seine hervorragende Tiefenstaffelung ein beinahe dreidimensionales Klangbild.

Andererseits offenbart er auch jeden Patzer, sei er nun musikalischer oder aufnahmetechnischer Natur. Deshalb sollte man Wert auf hochwertiges Quellmaterial legen. MP3s in geringer Auflösung klingen so dünn, wie sie nun mal sind und auch Kompressionsartefakte unterschlägt der Beyerdynamic nicht.

Er lässt sich allerdings sehr wohl auf Klangspiele ein. Soll’s mehr Bass sein, bitteschön, ein oder zwei Positionen am „Sound Slider“ und der Druck, den der Custom Studio auf die Trommelfelle bringt, lässt sich beinah bis in die Magengrube spüren.

Analytiker möchten sich, insbesondere bei klassischer Musik, weniger auf den Bass und dafür intensiver auf den dort so wichtigen Mittelhochton-Bereich konzentrieren – kein Problem, den „Sound Slider“ in genau die andere Extremposition, also über die Neutralstellung hinaus, und schon treten Vocals in den Vordergrund.

Bei allen Einstellungen bleibt der Tiefbass immer knackig und der sensible Mittelhochtonbereich wird weder zugesumpft, noch gerät er unbotmäßig in den Hintergrund.

Meine favorisierte Einstellung ist tatsächlich die neutrale Position des „Sound Sliders“. Nichts wird aufgebauscht oder unterdrückt – perfekt zum intensiven Dauerhören.

Wenn mir nach mehr Tiefbass ist weil es das Stück oder die Quelle nicht hergeben, taste ich mich allerdings auch gern an die zweistufige Bassanhebung der „Sound Slider“ heran. Das hilft dem Bass auf die Sprünge, ohne dass wichtige Details dabei verloren gehen.

In den meisten Fällen genieße ich jedoch den beinahe spielerisch überzeugenden Klang in der Neutralstellung. So kann der Beyerdynamic das Livefeeling eines Konzerts ebenso rüberbringen wie die Intimität einer Studio-Session mit wenigen Instrumentalisten.

Kurzer Exkurs zu Impedanzen

Mit Impedanz bezeichnet man den Wechselstromwiderstand eines Kopfhörers. Im Zusammenspiel mit dem Quellgerät wirkt sich dieser auf die Lautstärke und auf den Klang aus.

Hochwertige Studio-Kopfhörer arbeiten für gewöhnlich mit einer Impedanz von etwa 300 Ohm. Mobilgeräte wie Audioplayer oder Smartphones harmonieren aufgrund der begrenzten Verstärkerleistung dagegen am besten mit Kopfhörern mit einer Impedanz von 32 Ohm oder niedriger. Stationäre HiFi-Geräte mit Kopfhörer-Ausgang erfordern wiederum meist eine Impedanz, die mit etwa 100 Ohm zwischen den beiden Extremen liegt, werden aber meistens auch mit höheren Impedanzen fertig.

Der Custom Studio ist mit seiner Impedanz von 80 Ohm perfekt an einen Verstärker, CD- oder Blu-ray-Player mit Kopfhörer-Ausgang angepasst. Er ist also vor allem zum Hören an der Stereoanlage im Wohnzimmer gedacht.

Doch auch an den meisten mobilen Quellen macht er eine gute Figur – es sei denn, Sie lieben extrem hohe Pegel, denn allzu laut spielt er am Smartphone nicht.

Doch das lässt sich zur Not mit einem mobilen-Kopfhörer-Verstärker beheben. Wenn der dann noch über zwei Ausgänge verfügt, muss der Kopfhörersound unterwegs kein einsames Vergnügen mehr sein.

Leider ohne Mikro

Wer sein Smartphone nicht nur als Abspielquelle für Musik benutzt, sondern mit dem Kopfhörer auch telefonieren möchte, guckt leider in die Röhre: Der Custom Studio hat zwar ein abnehmbares Kabel, es gibt aber keines mit integriertem Mikrofon, er kann also nicht als Headset verwendet werden.

Wer also überwiegend mobil hört und aufs Telefonieren nicht verzichten möchte, sollte sich unsere Alternativen ansehen.

Beyerdynamic Custom Studio im Testspiegel

Die Vielseitigkeit des Custom Studio schlägt sich in der Bandbreite der Testartikel nieder. Neben den üblichen Fachzeitschriften melden sich auch Profis aus dem Musiker-Umfeld zu Wort, was allerdings nicht heißt, dass der Custom Studio nicht auch was für „normale“ Musikliebhaber ist.

Im Vergleichstest des Magazins Professional Audio rangiert der Custom Studio auf Platz 4 von 10, ausgerechnet dem Custom One Pro Plus sowie den deutlich teureren AKG K267 Tiësto und K701 muss er sich dort geschlagen geben, so dass der Vergleich meines Erachtens hinkt. Dennoch erhält er ein „gut – sehr gut“ in der Oberklasse und es wird ihm eine sehr gute Preisleistung bescheinigt (Ausgabe 4/2015):

„Der Custom Studio kann mit einer guten Räumlichkeit, präzisem Impulsverhalten, feiner Auflösung und scharfer Kanaltrennung aufwarten. Das Klangbild ist tendentiell ausgewogen, wobei die oberen Mitten etwas zurückhaltend ausfallen […]. Das variable Bassreflexsystem überzeugt mit einem klaren, transparenten  bis dominanten Bass, der aber in allen Stellungen fein und samtig bleibt.“

Die Studio-Equipment Tester von Delamar vergeben 4 von 5 Punkten. Ihr Fazit lautet:

„Der Beyerdynamic Custom Studio eignet sich für das, was sein Name verspricht – die Arbeit im Studio, einerseits zum Monitoring des eigenen Gesangs beim Recording, andererseits zum Abhören des Mixdowns. […] Die Detailtreue ist erfreulich hoch. Das darf in diesem Preisbereich bereits erwartet werden und trägt zum Musikgenuss sowie zum Analysevermögen beim Mixing und Mastering bei. Durch gute Impulstreue sind Anschläge von Kickdrums & Co. schön knackig. Ferner wird durch ein für die Verhältnisse von geschlossenen Kopfhörern recht breites Stereopanorama abgebildet.“

Im Vergleichstest von Videoaktiv  muss sich unser Favorit nur dem doppelt so teuren Sennheiser HD 630VB geschlagen geben. Er erreichte ein „gutes“ Ergebnis mit 69 von 100 Punkten. Gelobt wird die neutrale Abstimmung, bemängelt ein „vergleichsweise dünner Bass“ (Ausgabe 1/2016). Die von den Kollegen bemerkten “ kleinen Verarbeitungsmängel“ traten bei unserem Testmuster nicht auf.

Doch nicht nur bei den Profis, auch bei den Musik-Konsumenten schneidet der Custom Studio gut ab.

Bei AreaDVD empfiehlt Tester Philipp Kind den Custom Studio als „anpassungsfähigen Kopfhörer für Individualisten“ und vergibt das Prädikat „überragend“:

„Der Custom Studio von Beyerdynamic ist zwar eigentlich ein Studio-Kopfhörer und auf die Belange bei der Aufnahme und zum Abhören optimiert, bietet aber aufgrund seiner akustischen Wandelbarkeit auch im Alltag eine exzellente Basis. […] Im Hochtonbereich spielt er klar und löst recht hoch auf, betont die oberen Bereiche aber nicht zu stark. Seine Stärken sind Instrumentaldifferenzierung und Räumlichkeit. Trotz des vergleichsweise hohen Anpressdruckes wird der Custom Studio auch bei längeren Hör-Sessions nicht unangenehm.“

Im c’t Magazin  ließ man den Custom Studio gegen die eigenen Geschwister antreten und kommt zu folgender Einschätzung (Ausgabe 5/2015):

„Im Vergleich hebt der Custom Studio Mitten etwas weniger hervor als der DT-770. Er erreicht nicht die Auflösung eines DT-880 oder die luftigen Höhen des DT-990, kommt mit seinem warmen detaillierten Klang letzterem jedoch am nächsten. Durch seine Bassöffnungen lässt er sich im Studio sehr variabel einsetzen und ist somit der vielseitigste Allrounder des exzellenten Kopfhörer-Quartetts.“

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Kommentare

1 Kommentar zu "Der beste Kopfhörer"

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AKG ist auch nicht übel 😉

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