Inhalte satt

Wie gewohnt präsentiert sich die Amazon Fire TV-Bedienoberfläche ein wenig bieder aber aufgeräumt und sinnvoll strukturiert. Die Einrichtung ist in wenigen Minuten erledigt, beim Kauf über Amazon ist sogar das zugehörige Konto bereits vorkonfiguriert.

Damit lässt sich dann gleich im Amazon Medienkosmos stöbern, der integraler Bestandteil der Streaming-Box ist. Wer ein Amazon Prime-Abo für 49 Euro im Jahr abgeschlossen hat, kann über Prime Instant Video weit über 10.000 Filme- und Serienfolgen ohne zusätzliche Kosten streamen.

Zusätzlich können aktuellere Titel ebenso unkompliziert in HD- oder SD-Qualität geliehen oder gekauft werden. Leihen kostet dabei bis zu fünf Euro, Kauf-Filme in HD können mit 15 Euro und mehr zu Buche schlagen. Ähnlich wie bei Apples iTunes lassen sich einmal gekaufte Inhalte jederzeit wieder abrufen, geliehene Filme stehen für 24 Stunden zur Verfügung.

Das Angebot an Filmen und Serien ist überaus umfangreich. Zwar bietet Apples iTunes Store nominell ein größeres Angebot, bei unserer Suche nach aktuellen Titeln war das Angebot aber identisch.

Ein weiterer Vorteil von Amazon Prime: CDs, die man irgendwann einmal bei Amazon gekauft hat, werden automatisch dank «AutoRip” der eigenen Musikbibliothek hinzugefügt und stehen sofort zum Streaming über Fire TV oder die Amazon Music Smartphone App zur Verfügung.

Außerdem können Prime-Nutzer über Prime Music rund 1 Million Songs auf die Box oder das Smartphone streamen oder eine Radio-Station einschalten. Ein breiteres Angebot liefert Amazon mit Music Unlimited.

Für rund 8 Euro im Monat oder 79 Euro im Jahr bietet der Streaming-Dienst Zugriff auf über 30 Millionen Songs. Damit liefert Amazon eine adäquate Alternative zu Spotifiy, Apple Music und Co.

Wer stattdessen ein Spotify-Premium-Abo nutzt, kann per Spotify Connect Musik von Spotify auf das Fire TV streamen. Mit der kostenlosen Version von Spotify funktioniert das allerdings nicht, denn Spotify Connect ist ein Premium-Feature.

Die Fire-TV-Box spielt aber auch klaglos MP3s vom internen oder externen Speichermedien ab. Wer also eine große Musikbibliothek aus gerippten CDs hat, kann die problemlos mit Fire TV hören.

Auch beim Video-Streaming sind Fire TV-Käufer nicht exklusiv auf Amazon-Inhalte angewiesen. So finden sich beispielsweise die Streaming-Konkurrenten Netflix und Watchever im App-Angebot und auch die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen-Sender lassen sich abrufen.

Maxdome fehlt dagegen leider, genauso wie Sky – das gilt allerdings auch für andere Streaming-Boxen wie das Apple TV. Sky will offenbar sein Pay-TV-Geschäft nicht mit einer Streaming-App gefährden und bietet daher einfach keine an. Bei Maxdome wird seit längerem über eine App gemunkelt, passiert ist bislang aber nichts.

Gamer freuen sich auf Spiele-Streams via Twitch.tv und Radio-Fans holen mit Tune In Radio tausende Radiosender auf den Fernseher oder die angeschlossene Stereo-Anlage.

Tolle Bedienung mit Alexa-Sprachsuche

Die meisten Apps lassen sich sehr gut mit der Fernbedienung steuern, sofern sie von den Entwicklern entsprechend angepasst wurden. Aufgaben wie die Verwaltung von Dateien machen naturgemäß auf dem Fernseher nur wenig Spaß – da hilft auch die gute Fernbedienung nicht viel. Wer auf solche Funktionen Wert legt, kann aber auch per Bluetooth oder USB eine Maus und eine Tastatur anschließen.

Die Menüführung des Fire TV ist übersichtlich und durchdacht strukturiert. Zuletzt benutzte Apps und die kürzlich über Prime Video angesehenen Filme und Serien werden direkt auf der Startseite präsentiert und lassen sich schnell wieder öffnen. Man kann nach Genres und beliebten Inhalten stöbern und eine eigene Watchlist anlegen.

Vor allem aber gibt es eine gut funktionierende Sprachsuche. Dieses basiert seit dem Update der Fire-TV-Software auf Version 5.2.4.1 auf Amazons Sprachassistentin Alexa. Per Druck auf die Mikrofontaste an der Fire-TV-Fernbedienung nimmt Alexa Anfragen entgegen und versteht dabei auch genuschelte Ansagen erstaunlich gut.

Das hilft vor allem bei der Suche nach Inhalten: Ob Genres, FSK-Freigaben oder eben Schauspieler, Regisseure und Filmtitel – Alexa reagiert auf Basis-Anfragen fehlerfrei.

An anspruchsvolleren Suchen (»oscarprämierte Filme«, »Komödien mit Reese Witherspoon« etc.) scheitert aber auch die überarbeitete Amazon-Suche.

Gut funktioniert hingegen die Musikwiedergabe. Sowohl Radiokanäle von Prime Music als auch die Wiedergabe von Alben oder Interpreten per Sprachbefehl klappt tadellos. Musik, die noch nicht in der eigenen Sammlung bzw. dem Musik-Abo enthalten ist, spielt der Fire TV immerhin als Hörproben ab. Wer Amazons Hörbuchdienst Audible verwendet, kann die Hörbücher via Alexa zudem auch auf dem TV abspielen.

Amazon vermarktet Alexa aber vor allem als smarte Assistentin. Ganz überzeugen kann sie dabei aber noch nicht. So zeigt Alexa beispielsweise auf Nachfrage die neuesten Nachrichten der Tagesschau  oder die Wettervorhersage an. Auch kann sie einfache Fragen beantworten, zeigt sich dabei aber weniger flexibel als beispielsweise Apples Siri oder der Google Assistent. So beantwortet Alexa die Frage »Wo liegt Köln?« korrekt, scheitert aber bei der Frage nach der Einwohnerzahl der Domstadt.

Zudem kann Alexa auf dem Fire TV funktional nicht mit ihrer Kollegin auf den smarten Lautsprechern Amazon Echo und Amazon Echo Dot mithalten. So fehlt der TV-Version die Möglichkeit, andere Smart-Home-Geräte zu steuern. Immerhin kann sie ToDo- und Einkaufslisten verwalten, sofern die Nutzer parallel die passende Alexa-App auf dem Smartphone installieren.

Als smarte Assistentin auf dem Fernseher ist Alexa also derzeit noch kein Kaufgrund. Die Suche nach Inhalten in der Amazon-Bibliothek ist hingegen ein echter Pluspunkt.

Beim ursprünglichen Test haben wir an dieser Stelle kritisiert, dass Amazon seine Sprachsuche nur für die eigenen Inhalte anbietet. Das ist erfreulicherweise nicht mehr der Fall! Ist beispielsweise die Netflix-App mitsamt passenden Zugangsdaten installiert, zeigt die Alexa-Suche auch Ergebnisse des Amazon-Konkurrenten an und spielt diese direkt ab.

Im Test der neuen Version verwies Alexa sogar auf  Filme, die über die Video-App von Clipfish kostenlos verfügbar sind – obwohl die App noch gar nicht installiert war! Hier hat Amazon gut auf die Kritik der Nutzer und die Funktionen des Apple TV 4 reagiert. Die Suche nach Inhalten ist in der aktuellen Version deutlich komfortabler als beim Verkaufsstart des Amazon Fire TV – doch leider gibt es einen Wermutstropfen!

Die Box unterscheidet bei der Suche nicht zwischen Inhalten, die im »All inklusive«-Prime-Abo enthalten sind und bezahlpflichtigen Inhalten – ein »Nur Prime«-Filter fehlt derzeit noch. Schlimmer noch: In der aktuellen Version 5.2 der Software hat Amazon die »Prime«-Banderole in den Suchergebnissen entfernt. Bei der Suche nach einem Film oder einer Serie erfahren die Nutzer also erst auf der Detailseite, ob sie nochmals extra zahlen müssen oder ob der Content inklusive ist.

Hier sollte Amazon im Sinne seiner Kunden dringend nachbessern. Immerhin gibt es diverse Kategorien, in denen Amazon die Prime-Inhalte zusammenfasst. Dennoch wäre eine klare Kennzeichnung der Suchergebnisse die elegantere und vor allem kundenfreundlichere Lösung.

Von diesen kleinen Nachteilen abgesehen funktioniert die Bedienung des Amazon Fire TV durch die Bank hervorragend. Die Navigation durch die Menüs mit der übersichtlichen Fernbedienung läuft flüssig, Verzögerungen und Ruckler konnten wir im Praxistest nicht feststellen – hier zeigt Amazon den Smart-TVs,  wie man es richtig macht.

Gaming

Auch Zocker will Amazon mit dem Fire TV ansprechen und bietet in der Spiele-Sektion des Stores eine ganze Reihe interessanter Titel an. Viele davon sind für die Steuerung mit einem Gamepad ausgelegt.

Amazon verkauft zu diesem Zweck den passenden Gamecontroller, alternativ kann aber auch ein vorhandenes Gamepad per USB- oder Bluetooth mit der Box verbunden werden.

Fehlende Funktionen lassen sich zum Teil per App nachrüsten. So bringt der ES File Explorer einen Dateimanager auf den Fernseher und ein AirReceiver macht das Fire TV zum AirPlay-Empfänger. Letzteres klappt aber nur mit nicht-kopiergeschützten Inhalten – ein vollwertiger Apple TV-Ersatz ist die Lösung daher nicht.

Flexibel dank Android

Allzu umfangreich ist das App-Angebot im Amazon-Store auch ein Jahr nach der Einführung des Fire TV noch nicht. Wer mehr Auswahl braucht, kann sich aber selbst helfen.

Denn auch wenn Amazon es gut versteckt: Im Herzen des Fire TV schlägt weiterhin ein Android-System mit (fast) allen damit verbundenen Möglichkeiten.

Dank des so genannten «Sideloading” lassen sich viele Apps auf dem Fire TV installieren, die nicht im Amazon-Angebot enthalten sind. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise auch das beliebte Open Source-Mediencenter Kodi auf der Amazon-Box installieren. Einmal eingerichtet spielt das aktuelle Fire TV nahezu alle Videoformate ab, die via USB oder über das heimische Netzwerk zugänglich gemacht werden – ein großer Vorteil gegenüber der Apple TV.

Alternativ steht auch eine App für den Medienserver Plex für das Fire TV 2015 zur Verfügung. Darüber lassen sich ebenfalls Medien streamen, wobei allerdings ein dauerhaft laufender Plex-Server Voraussetzung ist. Ist dieser aber erstmal eingerichtet, liefert er eine schöne Medienübersicht und macht das Fire TV noch ein Stückchen flexibler.

Diese Vielseitigkeit ist es vor allem, die Amazons Fire TV gegenüber der Apple TV auszeichnet und sie für uns zur Empfehlung für die meisten macht. Etwas anders sieht die Sache aus, wenn man zuhause ohnehin schon tief in die Apple-Welt investiert ist.

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Kommentare

15 Kommentare zu "Die beste Streaming-Box"

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Die haben wir und Ist Hammer

Apple? Bringt es doch nicht mehr!

Ich kann mich dieser Erkenntnis nur anschließen .

Ca 6 Monate und die ATV4 ist im Test garantiert wieder Top.

Oliver Friesenecker

Macht richtig Spaß das Ding. …Ich ertapp mich dabei schon kein herkömmliches Tv mehr zu sehn.
Werbefrei und ohne lästig Einblendungen.

Bin sehr zufrieden

Und wieviele Filme auf 4 k konntest anschauen???

Magic box. I love it. Free tv war gestern. Ohne Werbung und ohne Schnitte. So macht tv sehn Spaß

Den Wegfall des optischen Ausgangs finde ich fragwürdig. Das erschwert unnötig hohe Wiedergabequalität von Musik.

Thomas Mantel glaubst kann das was ?

Der neue Stick ist super …

Gibts da auch Sport

Der Wegfall des optischen Ausgangs ist für mich auch ein Schildbürgerstreich. Amazon Music über die TV – Lautsprecher? Neee, oder?

Hdmi!?

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