Die besten Lastenräder für Familien

last updateZuletzt aktualisiert:
Lastenräder für Familien im Test.

Lastenräder liegen im Trend. Vor allem junge Familien kaufen sie gerne als Autoersatz für kürzere Strecken und packen Kinder, Windeln, Klopapier und was man als Eltern sonst noch mit sich rumschleppt, hinein. Wir haben die zehn gängigsten Modelle in zwei Münchner Fahrradläden getestet. Unser Fazit: Viele E-Bikes lassen das Auto in der Stadt tatsächlich alt aussehen. Aber wir stellten auch fest: Das beste Lastenrad gibt es nicht. Dafür sind die Modelle zu verschieden, genau wie die Bedürfnisse der Käufer.

Update 10. Oktober 2018

Wir haben den Abschnitt zum Lastenrad von Babboe überarbeitet.

Lastenräder sind praktisch und in anderen Ländern schon seit vielen Jahren ein beliebtes Transportmittel. Auch bei uns erleben diese Fahrzeuge seit einiger Zeit einen regelrechten Hype. Hinzu kommt: Immer mehr Städte, Gemeinden oder Kommunen fördern die umweltschonende E-Mobilität und gewähren Lastenrädern mit Elektroantrieb Zuschüsse.

So unterstützt die Stadt München den Kauf eines Lasten-Pedelecs mit bis zu 1.000 Euro. Der politische Grund: Das Lastenrad soll ein umweltfreundlicher Autoersatz werden. Auch andere Länder und Städte wie Heidelberg, Regensburg oder die österreichische Steiermark geben Privatleuten Zuschüsse für den Kauf von Pedelecs. Sie sollten sich also vor dem Kauf unbedingt informieren, schließlich bekommt man vom Staat nicht jeden Tag etwas geschenkt.

Bis zu 1.000 Euro Subvention für Lastenräder mit E-Motor

Florian Borde, Inhaber der Münchner »Velocompany«, empfiehlt seinen Kunden, genau darauf zu achten, was die verschiedenen Marken fürs Geld bieten – und was noch an Zubehörkosten auf einen zukommt. Entscheidend ist dabei vor allem, was man von einem Lastenrad erwartet, denn hohes Ladevolumen, tolle Qualität, schöne Optik und neueste Technik haben ihren Preis.

Manchen Käufern kommt es nur rein auf die Optik an, andere interessiert ausschließlich die Funktionalität, der nächste hat ein knappes Budget oder fährt selten damit. Um sein ganz persönliches Traum-Lastenrad zu finden, braucht es deshalb Zeit. Etwa zwei Stunden sollten potentielle Käufer mit ins Fachgeschäft bringen. Denn erst während einer Probefahrt merkt man, auf welchem Bike man sich am wohlsten fühlt. »Ich finde es wichtig, dass die ganze Familie mitkommt. Gerade die Kinder sollten beim Test dabei sein. So sehen die Eltern auch, ob sie bequem einsteigen und drin sitzen können«, sagt Marc Stauß, Geschäftsführer vom Münchner Radl-Laden »Almtrieb«.

Wir haben uns die wichtigsten Lastenräder, die für den Kindertransport geeignet sind, angesehen und sie Probe gefahren. Einen richtigen Testsieger zu küren, ist in diesem Fall schwierig, denn zum einen sind die Anforderungen, die man an sein Lastenrad stellt, sehr unterschiedlich und zum anderen ist vieles auch Geschmacksache. Daher stellen wir Ihnen alle getesteten Lastesel vor und sagen Ihnen, welche Vor- und Nachteile sie haben.

Vergleichstabelle

Der KlassikerDas ZuverlässigeDas GünstigeKippsicherFür ganz GroßeMit NeigetechnikPreis-LeistungstippDas PowerpaketDas SportlicheLeichtgewicht
Modell Christiania Bikes Light Nihola Family Babboe Curve TrioBike Boxter Winther Kangaroo Cargoo Butchers & Bicycles MK1-E Bakfiets CargoBike kurz Rapid Radkutsche Larry vs. Harry Bullitt Douze Messenger
Test Lastenrad: Nihola FamilyLastenräder für Familien Test: Babboe Curve
Pro
  • Solide Verarbeitung und gute Qualität
  • Viel Platz in der Kiste
  • Leichter Einstieg durch schräge Kistenwände
  • Guter Fahrkomfort
  • Einfaches Lenken
  • Zuverlässiger Motor
  • Einige Zusatzleistungen sind standardmäßig im Preis enthalten
  • Zuverlässiger Motor
  • Gute Verarbeitung
  • Guter Fahrkomfort
  • Sehr günstig
  • Bequemer Einstieg
  • Leichte Beladung
  • Viel Platz in der Kiste
  • Gepäckträger
  • Sehr leicht
  • Tolles Design
  • Sportlich
  • Besonders kippsicher
  • Superbequeme Sitzpolster
  • Viel Platz in der Kiste
  • Technisch auf dem neuesten Stand
  • Problemloses Beladen wegen schräger Kistenwände
  • Jede Menge Platz in der Transportkiste
  • Sehr viel Beinfreiheit für große Fahrer
  • Cool und stylisch
  • Mit Neigetechnik
  • Schnelle Kurvenfahrt möglich
  • Aufklappbare Tür für kinderleichten Einstieg
  • Viele Extras im Grundpreis
  • Sehr wendig
  • Gute Verarbeitung
  • Gepäckträger
  • Sehr stabiler Ständer
  • Komfortabler Sattel
  • 10 Jahre Garantie
  • Leicht und schmal
  • Große Auswahl an Zubehör
  • Unkaputtbarer, leistungsstarker Motor
  • Sehr großer Akku
  • Bequemes Einladen in die Familienwanne
  • Leicht und sportlich
  • Bequemer Einstieg in die Kiste und leichte Beladung
  • Extremes Leichtgewicht
  • Gutes Reiserad, weil klappbar
  • Sportliches und wendig
  • Gleitet sanft über Unebenheiten
  • Leistungsstarker Motor
Contra
  • Technisch nicht sehr fortschrittlich
  • Dafür hoher Preis
  • Viele Extras nur gegen Aufpreis
  • Lenker etwas wacklig
  • Stolzer Preis
  • Tiefe Transportkiste
  • Schlechte Verarbeitung
  • Reparaturanfällig
  • Schwer
  • Nicht wendig
  • Zu schwacher Motor in der E-Variante
  • Nur für kleinere Fahrer geeignet
  • Schlechter Fahrkomfort
  • Unbequemer Sattel
  • Preislich gehoben
  • Ziemlich schwer
  • Neigetechnik ist sehr gewöhnungsbedürftig
  • Sehr teuer
  • Ziemlich schwer
  • Eher kleine Transportkiste
  • Sehr langes Rad
  • Preislich gehoben
  • Sehr langes Rad
  • Teuer
  • Zum Beladen muss man sich tief bücken
  • Wenig Sitzkomfort in der Kiste
  • Teuer
Bester Preis
  Technische Daten anzeigen

Was Sie über Lastenräder wissen sollten

Wer zum ersten Mal auf einem Lastenfahrrad sitzt, wird sich wundern, wie anders sich das im Vergleich zu einem »normalen« Fahrrad fährt. Vor allem an die dreirädrigen Exemplare muss man sich erstmal gewöhnen. Denn normalerweise balanciert man unwillkürlich auf einem Fahrrad hin und her. Das geht beim dreirädrigen Rad nicht, denn es steht mit seinen drei Rädern stabil auf der Straße – und so fährt man unweigerlich erstmal Schlangenlinien. Aber keine Bange: Nach ein paar Minuten hat man den Dreh raus.

Die nächste Herausforderung ist das Kurvenfahren. Das geht mit Dreirädern längst nicht so schnell wie mit Zweirädern, denn man kann sich ja nicht in die Kurve legen. Auch das erfordert erstmal Eingewöhnung.

Zwei- oder Dreirad?

Modelle mit zwei Rädern fahren sich fast wie ein normaler Drahtesel, sie sind leicht und wendig. Mit ihnen kann man kleine Ausflüge machen und sogar sportlich biken – sie verfügen teils sogar über bis zu 22 Gänge. Das Zweirad ist weit schmaler als sein dreirädriger Kollege, was das Parken ebenfalls einfacher macht. Der Nachteil: Es kippt beim Einstieg eher mal, trotz überwiegend guter Ständer.

Dreiräder sind nicht sicherer – im Gegenteil

Das Dreirad wiederum gondelt durch seine größere Reibung schwerfälliger durch den Verkehr. Es ist größer und nimmt mehr Parkplatz auf dem Gehweg ein. Allerdings verfügt es meist auch über mehr Stauraum und steht sicher beim Einstieg, vor allem mit der Feststellbremse. So haben Eltern die Hände für Kinder oder Einkauf frei. Sie haben außerdem den Vorteil, dass man an der Ampel nicht absteigen muss und dass Kinder auch alleine ein- und aussteigen können, ohne dass ein Erwachsener das Rad halten muss.

Was allerdings gerade Mamas überraschen dürfte: Dreiräder sind nicht sicherer als Zweiräder. Denn ein Dreirad kann während der Fahrt schneller umkippen als ein Zweirad, vor allem wenn Mutti zu schnell in die Kurve geht. Das hat man natürlich auch nicht vor, wenn man seine Kinder transportiert, aber wenn man in einer Gefahrensituation blitzschnell ausweichen muss, stellt es ein Dreirad schon mal auf.

Lastenräder für Familien im Test.
Links das Triobike Boxter, in der Mitte die Rapid Radkutsche und rechts das Babboe Curve.

Die zweite überraschende Feststellung: Dreiräder fahren sich für die Kinder in der Kiste deutlich weniger komfortabel. Denn drei Räder bedeuten schlichtweg 50 Prozent mehr holpern. Fährt man über einen abgesenkten Randstein, ruckelt ein Zweirad zweimal, ein Dreirad in aller Regel dagegen dreimal, denn meistens fährt man nicht genau senkrecht über den Randstein. Die Folge: Die Kinder werden mehr durchgeschüttelt.

Auch für den Fahrer haben Dreiräder einen Nachteil: Ist die Straße oder der Gehweg abschüssig, sitzt man schief auf dem Rad, was Rückenschmerzen verursachen kann. Einspurige Räder sind daher für längere Strecken besser geeignet. Aber vor allem Mütter scheuen in der Regel einspurige Lastesel mit nur zwei Rädern, weil sie befürchten, dass sie das hohe Gewicht des Rads samt Transportkiste und wertvollem Inhalt nicht stemmen können und Angst haben, umzukippen. Tatsächlich braucht man fast keine Kraft, um ein einspuriges Lastenrad in der Balance zu halten. Aber wie gesagt: Das muss jeder selbst ausprobieren. In erster Linie muss man sich auf dem Lastenrad wohl fühlen, sonst fährt man auch nicht sicher.

E-Motor oder stramme Waden?

Ob man lieber strampelt oder sich mit einem elektrisch angetriebenen Rad fast von allein kutschieren lässt, ist jedem selbst überlassen. Für den E-Antrieb spricht aber einiges: Selbst mit 80 Kilo in der Kiste kommt man relativ mühelos den Berg hoch und trudelt nicht komplett verschwitzt morgens bei der Arbeit ein. Gerade bei Dreirädern fällt das Anfahren ohne Motor schwer – außer Sie haben Waden wie Lance Armstrong.

Lastenfahrräder im Test
Auch mit Lastenrädern kann man flott unterwegs sein – dank E-Motorunterstützung.

Allerdings sind E-Bikes in der Anschaffung deutlich teurer und benötigen wesentlich mehr Pflege. Vor allem der Akku ist ein Verschleißteil, das beim Austausch teuer kommt. Deshalb müssen Käufer von E-Bikes mit deutlich höheren Wartungskosten rechnen als beim Lastenrad ohne E-Antrieb. Zweimal jährlich sollte man zum Service, was jeweils rund 90 Euro kostet, denn die Wartung ist aufwändiger: »Wir müssen ein Backup wie beim Computer machen. Aber die E-Systeme werden immer besser. Trotzdem sollten E-Bikes immer in die Garage oder den Schuppen. Dort ist der Akku nicht nur gegen Regen und Schnee, sondern auch gegen Diebstahl geschützt«, so Florian Borde.

E-Bikes müssen öfter gewartet werden und sind teurer

In der Stadt haben allerdings die wenigsten einen überdachten Parkplatz parat. Sogenannte Fahrradgaragen aus Stoff, die vor Nässe schützen, sind dann eine Alternative. Allerdings raubt es viel Zeit, das Fahrrad immer zu verpacken und zu entpacken. Dabei macht dem Motor Regen an sich nichts aus. Nur der Akku ist empfindlich. »Den Akku kann man problemlos ausbauen und in die Wohnung mitnehmen«, rät Marc Stauß. Das muss man zum Laden ohnehin machen, und gerade im Winter sind die tiefen Temperaturen Gift für die Langlebigkeit des Stromspeichers.

Für welche Art von Motor sich der Kunde entscheidet, kommt auf seine Bedürfnisse und Wünsche an. Hinterrad-, Mittelrad- und Frontmotoren stehen zur Auswahl. Sie alle haben ihre Vor- und Nachteile. So dreht das Vorderrad schnell durch, wenn der Motor vorne angebracht ist. Der Nachteil des Hinterradmotors ist vor allem, dass das Hinterrad dann nur schwer ausgebaut werden kann. Im Tretlager verbaute Mittelmotoren sind dagegen oft deutlich teurer.

Ob mit oder ohne Motor, auch Lastenräder gibt es entweder mit Ketten- oder Nabenschaltung. Marc Stauß empfiehlt letztere. Mit ihr kann der Fahrer selbst bei den relativ schweren Lastenrädern sofort losstrampeln, weil sie sich auch im Stand schalten lässt. Außerdem ist sie weit weniger wartungsintensiv. Ebenfalls praktisch: Die Kette springt nicht runter. Der Nachteil? Sie ist meist teurer und schwerer.

Kinder sicher in der Kiste

So komfortabel wie in einem Auto kutschieren Sie Ihren Nachwuchs in einem Lastenrad nicht, denn das ist nicht gefedert. Da kann man noch so vorsichtig fahren, in der Kiste rumpelt es gehörig. Kindern macht das zwar nichts aus, Babys sollten daher aber erst ab frühestens einem halben Jahr im Lastenrad transportiert werden.

Zwar werden die oft gemütlich mit Fell verkleideten Babyschalen in der MaxiCosi-Halterung von den Herstellern schon ab drei Monaten empfohlen, aber Marc Stauß, Vater zweier kleiner Jungs, hält davon nichts: »Erst ab etwa sechs Monaten dürfen Kinder länger aufrecht sitzen. Davor sollten sie vor allem liegen. Zudem sind Kopf und Rücken der Kleinen in der Babyschale nicht besonders gut geschützt.«

Kinder müssen in der Kiste gut gesichert werden

Er empfiehlt außerdem, die Babyschale so lange es geht zu benutzen. Denn auch ältere Kinder haben darin eine bessere Kopfstütze. Obwohl viele Hersteller Babyschalen anbieten, empfiehlt Marc Stauß das Modell von Babboe, das in jedes Lastenrad passt.

Ebenfalls wichtig zu wissen: Cargobikes dürfen normalerweise höchstens mit bis zu 100 Kilo beladen werden und Kinder dürfen nur bis zu einem Alter von sieben Jahren transportiert werden.

Auch wenn es keine Pflicht ist: Kindern in der Kiste bitte unbedingt einen Fahrradhelm aufsetzen. Und natürlich sollte man seine Kinder immer nur angeschnallt transportieren.

Was ist mit Anhängern und Kindersitzen?

Natürlich kann man Kinder auch mit dem Fahrradanhänger transportieren oder ganz einfach mit dem Kindersitz auf dem Fahrrad. Vor allem, wenn man nur ein Kind hat, ist ein Kindersitz die einfachste Lösung. Bei zwei Kindern wird es aber schon schwierig. Wenn man zusätzlich noch Einkäufe oder Gepäck transportieren will, wird man auf dem Fahrrad schnell selbst zum Packesel.

Der Fahrradanhänger hat dagegen gegenüber dem Lastenrad einige Vorteile: Er ist kippsicherer als Lastenräder und mit einen Überrollbügel bietet er den Kindern auch innen große Sicherheit. Er kann außerdem gefedert sein und besitzt komfortable Sitze, so dass die Kleinen drinnen gemütlich schlafen können. Außerdem kann man ihn abhängen. Marc Stauß vom »Almtrieb«-Lastenrad-Shop findet: »Ein Lastenrad ist ein hippes, romantisches Produkt, während der Anhänger das praktische Pendant ist.«

Lastenräder im Test
Fahrradanhänger sind eine praktische Alternative.

Aber Fahrradanhänger haben auch Nachteile: Problematisch ist, dass sie über keine Bremsen verfügen. Muss man in einer Gefahrensituation scharf bremsen, schiebt der Hänger das Fahrrad vor sich her, was zu Stürzen führen kann. Immer wieder kommt es im Stadtverkehr auch zu Unfällen, weil Autofahrer den Hänger übersehen. Ein weiterer Nachteil: Man kann mit seinem Nachwuchs im Hänger nicht kommunizieren und hat die Kleinen nicht im Blick.

Gerade wenn es darum geht, Kinder zu transportieren, hat ein Lastenrad also Vorteile – zumal ein guter, gefederter Fahrradanhänger samt Fahrrad in etwa so viel kostet wie ein Lastenrad.

Der größte Vorteil von Lastenrädern ist aber, dass man dank der großen Transportboxen mehr Platz hat. Hier kann man auch mal drei oder vier kleine Kinder transportieren, im Anhänger geht das nicht. Die meisten Familien nutzen ein Cargobike auch weit länger, als sie anfangs annehmen. Vor allem als Einkaufswagen sind die dicken Dinger unschlagbar: Wenn die Kinder aus dem Haus sind, lassen sich damit auch Bierkisten oder der alte, gehfaule Hund prima durch die Gegend kutschieren.

Aber letztlich ist die Wahl zwischen einem Fahrradanhänger und einem Lastenrad wie auch beim Auto vor allem eine emotionale Entscheidung. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.

Tipps zum Kauf

Ein Lastenrad ist also eine Anschaffung fürs Leben. Da sollte man auf gute Verarbeitungsqualität setzen. Aber das ist gar nicht so einfach, wie Florian Borde weiß, denn: »Jedes Rad fährt generell ein Jahr lang top. Erst danach stellt sich heraus, ob wirklich gute Qualität verbaut wurde.« Eine ehrliche Beratung ist deshalb wichtig.

Wenn Sie sich für ein Lastenrad interessieren, sollten Sie sich daher unbedingt kompetent im Fachhandel beraten lassen und die Lastenräder Probe fahren. Eine ausführliche Liste von auf Lastenräder spezialisierten Händlern finden Sie hier.

Im guten Fachhandel kann man sich sein ganz eigenes Wunschmodell zusammenbauen lassen. Vieles ist – je nach Modell und teils gegen Aufpreis – möglich. Ein Lastenrad kauft man nicht von der Stange, sondern stellt es sich ganz nach Wunsch zusammen.

Brauchen Sie ein Transportrad nur ab und zu, können Sie sich in immer mehr Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz eines leihen. Eine aktuelle Liste von Lastenrad-Sharing-Systemen finden Sie hier.

Die 10 beliebtesten Lastenräder für Familien

Wir haben mit Unterstützung der beiden auf Lastenräder spezialisierten Fahrradläden »Velocompany« und »Almtrieb« in München die zehn wichtigsten Lastenräder, die man für den Transport von Kindern nutzen kann, getestet. Auch wenn uns einige Modelle besser gefallen haben als andere, macht es in diesem Fall wenig Sinn, einen Testsieger zu küren. Dazu sind die Lastenräder und auch die Wünsche und Anforderungen der Käufer zu unterschiedlich.

Damit Sie einen genaueren Überblick über die einzelnen Räder bekommen, haben wir im Folgenden die wichtigsten Erkenntnisse unseres Test zu jedem Lastenrad zusammengefasst. Wie gesagt, Vor- und Nachteile gibt es bei jedem Modell. Es entscheiden letztendlich die individuellen Bedürfnisse – und der persönliche Geschmack.

Dreiräder

Vor dem ersten Ausprobieren dachten wir, dass es kinderleicht sein muss, ein Dreirad zu fahren. Schließlich kann es nicht umkippen. Wir wurden eines besseren belehrt. Das Fahrgefühl ist völlig anders als auf einem zweirädrigen Fahrrad, mit dem man es gewohnt ist, zu balancieren.

Die fehlende Schräglage macht sich vor allem auch in Kurven bemerkbar. Mit einem dreirädrigen Lastenrad kann man daher nur sehr langsam um Kurven fahren, es sei denn, es ist wie das High-Tech-Lastenrad von Butchers & Bicycles mit einer Neigetechnik ausgestattet. Die macht das Fahren aber wider Erwarten nicht einfacher, sondern erstmal noch ungewohnter.

So ungewöhnlich das Fahren mit einem Dreirad anfangs auch ist, nach ein paar Minuten ungelenker Fahrweise hat man es meist raus.

Der Klassiker

Christiania Bikes Light

Der Klassiker unter den Lastenrädern seit 1984.

Das Christiania Light ist ein sehr gutes, toll verarbeitetes und schönes dreirädriges Cargobike – und ein echter Klassiker, immerhin baut Christiania seine Räder schon seit 1984. Es ist inzwischen ein echtes Statussymbol, gewissermaßen der Porsche unter den familientauglichen Lastenrädern.

 

In unserem E-Testrad Light von Christiania Bikes mit hydraulischer Scheibenbremse vorne und hinten ist bequem für zwei Kinder Platz. Bis zu vier Minis sind möglich, aber dann wird es eng in der Holzkiste. Auch der Einstieg für Kinder gestaltet sich okay. Allerdings ist es schade, dass eine Tür an der Frontseite der Kiste nur gegen Aufpreis zu haben ist, diese Lösung erscheint uns nämlich am komfortabelsten.

Den Promovec 250 Watt-Motor empfanden wir recht spritzig, gleichzeitig schiebt er nicht allzu stark an, was wir als angenehm empfanden. Auch das Lenken gestaltet sich beim Christiania Transportrad recht einfach, weil wir erst gar nicht in Versuchung kommen zu balancieren, da es einen kompletten Lenkerrahmen besitzt.

Was uns besonders positiv auffiel: Dieses Modell lässt sich auch ohne E-Antrieb mit reiner Beinkraft im ersten Gang easy anfahren. Das ist bei weitem keine Selbstverständlichkeit. Überhaupt rumpelt das Christiania kaum, sondern gleitet stabil selbst über Unebenheiten und vermittelt so ein gutes Fahrgefühl.

Für die technisch nicht allzu fortschrittliche Ausstattung ist das Christiania mit einem Preis von rund 3.700 Euro mit und 1.900 Euro ohne Motor allerdings ziemlich teuer – zumal das Modell nur in der Standardfarbe Schwarz geliefert wird, fünf andere Farben gibt es nur gegen Aufpreis.

Generell lässt sich Christiania vieles extra zahlen, was den Preis noch weiter in die Höhe treibt. Trotzdem ist und bleibt es ein echter Bestseller.

Das Zuverlässige

Nihola Family

Das Nihola Family mit der Shimano-Nexus-8-Gang-Nabenschaltung mit Rücktrittbremse ist ein zuverlässiges und ziemlich leichtes Dreirad, das preislich allerdings ebenfalls in der Luxusklasse spielt. Wie das Christiania kommt es aus Dänemark, ist aber jünger, die Firma wurde erst 1998 gegründet.

Obwohl man bei Nihola auf Handarbeit setzt, ist es leider ein bisschen weniger solide verarbeitet: Beim Test wackelte der Lenker etwas mehr, das Rad fühlt sich für uns dadurch weniger robust an.

Das von uns getestete Modell ist mit einer Sitzbank inklusive Gurt und Sitzkissen für zwei Kinder ausgelegt. Die relativ tiefe Transportkiste finden wir nicht besonders rückenfreundlich. Leider gibt es eine Fronttür auch hier nur gegen Aufpreis, da muss man die Kinder hinein- und herausheben, bis sie alt genug sind, dass sie das selbst schaffen.

Der Motor unseres Testmodells ist der gleiche wie beim Christiania. Der Vorteil dieses starken Motors: Wir sind spritzig unterwegs und das Rad ist leichtgängig – auch wenn es bergauf geht. Außerdem ist das Nihola Family sanft zu Fahrer und Fracht, denn selbst über Schotterwege trägt es uns bequem und zuverlässig.

Insgesamt ist das Nihola Family ein komfortables und hübsches Lastenrad, das bei Tests in Dänemark, Holland und Schweden oft als Bester unter den Familien-Lastenrädern abschneidet – wenn auch zu einem stolzen Preis ab etwa 4.400 Euro mit Motor. Ohne sind rund 2.600 Euro fällig. Anders als beim Christiania ist hier jedoch mehr Ausstattung dabei, zum Beispiel acht Kistenfarben zur Auswahl oder das Regenverdeck in verschiedenen Ausführungen.

Das Günstige

Babboe Curve

Lastenräder für Familien Test: Babboe Curve
Ein günstiges Einstiegsmodell, das allerdings bei der Qualität etwas Federn lässt.

Entsteht ein Trend, gibt’s sofort Firmen, die auf den Zug aufspringen – vor allem wenn dem Markt eine günstige Alternative fehlt. Babboe aus den Niederlanden liefert mit dem Curve ein dreirädriges Lastenrad für Familien, die nicht so viel ausgeben wollen oder können. Standardmäßig werden gleich zwei Sitzbänke für insgesamt vier Kinder mitgeliefert.

Bei der Verarbeitungsqualität können die Räder von Babboe allerdings nicht mit den teureren Konkurrenten mithalten. Laut Marc Stauß, der das Babboe in seinem Laden verkauft, gibt es beim Babboe regelmäßig Reklamationen und Reparaturen. So brächen die Speichen häufig, auch Sattel und Pedale gingen oft kaputt. Allerdings sei der Hersteller bei Reklamationen ziemlich kulant.

In unserem Test klemmte sofort der Reißverschluss. Nervig! Auch auf den hauseigenen 250-Watt-Motor sollte man nicht setzen: Schon bei kleinen Steigungen kommt er an seine Grenzen. Alternativ kann man einen stärkeren Motor einer anderen Marke nachrüsten.

Unser Eindruck im Sattel: Das Babboe Curve-E mit der Sieben-Gang-Shimano-Kettenschaltung fährt sich recht flott, allerdings ist es kein wendiges Rad – und es ist verdammt schwer. Puh…

Außerdem knarzt es wie ein altes Mütterchen beim Schuhe anziehen. Auch vom Design her kann es vielen Konkurrenten nicht das Wasser reichen, es sieht etwas bieder aus. Praktisch und alltagstauglich finden wir dagegen die bequemen Einstiegstritte. Auch gut: Ein Kleinkind oder eine Kiste reinzuheben, fällt im Babboe Curve dank niedriger Seitenwände relativ leicht.

Trotz allem ist das Babboe Curve ein Bestseller, ganz einfach weil es für ein Lastenrad ziemlich günstig ist. Ohne Motor kriegt man es bereits ab verlockenden 1.750 Euro, mit E-Antrieb ab etwa 2.700 Euro. Das Babboe dürfte zwar nicht besonders langlebig sein, aber wer damit nur um die Ecke zum Kindergarten fährt, muss auch nicht unbedingt mehr Geld ausgeben.

Noch günstiger geht es übrigens mit dem Babboe Big, das statt mit einem schicken runden Transportkasten mit einer schlichteren eckigen Variante kommt: Es ist schon für unschlagbare 1.500 Euro ohne E-Motor zu haben, mit Motorunterstützung werden gerade mal 2.200 Euro fällig.

Kippsicher

TrioBike Boxter

Sehr moderne Optik und nur wenig Gewicht. Wer es sportlich mag, ist hier richtig.

Unser erster Eindruck vom Triobike Boxter: Wir sind sowohl begeistert von der Optik als auch der Leichtigkeit dieses dänischen Dreirads, dass man problemlos am Hinterrad hochheben und wenden kann. Möglich ist das, weil das Boxter einen Alurahmen hat, ein echtes Federgewicht.

Dank seiner schrägen Räder ist das Triobike außerdem besonders kippsicher und für ein Dreirad sogar ziemlich sportlich. Beim Test sind wir positiv überrascht von den für ein Lastenrad superbequemen Polstern und dem praktischen, schnell aufklappbaren Cabriodach der Kiste, die viel Stauraum bietet.

Das Modell Mono fällt etwas großzügiger aus als das ansonsten sehr ähnliche Modell Boxter, in dem sich selbst mittelgroße Fahrer schon eingequetscht fühlen: Als wir das Boxter probefahren, stoßen wir mit den Knien an der Kiste an. Das nervt.

Außerdem ist unser Testrad nicht besonders wendig. Das dickste Minus vergeben wir aber beim Fahrkomfort. Das Triobike Boxter rumpelt ziemlich, man kriegt fast Mitleid mit der Fracht.

Das Lastenrad ist ab 1.500 Euro ohne Motor erhältlich, mit elektrischer Unterstützung muss man etwa 4.000 Euro einplanen. Für diesen stolzen Preis könnte das Triobike ruhig etwas mehr Fahrspaß und Bodenhaftung bieten. Was uns ein bisschen entschädigt, ist die Wahlfreiheit die der Hersteller bietet: So stehen dem Kunden nicht nur zwei Motoren sondern auch einiges an Ausstattung zur Auswahl.

Für ganz Große

Winther Kangaroo Cargoo

Die Wanne bietet enorm viel Platz, da haben Kind und Einkäufe bequem Platz.

Die dänische Firma Winther bietet drei verschiedene Lastenrad-Modelle für Familien an. Wir probierten das Kangaroo Cargoo aus, das technisch deutlich moderner ist als etwa das Christiania.

Das Winther Kangaroo Cargoo bietet einen zuverlässigen 250 Watt starken Motor, hydraulische Scheibenbremse vorne, Shimano-3-Gang-Schaltung mit Rücktrittsbremse und eine externe 8-Gang-Schaltung bei Motorbetrieb.

In seiner großzügigen, relativ niedrigen Kunststoffwanne können bis zu drei Kinder problemlos selbst einsteigen, kombiniert mit dem Doppelsitz hätten sogar fünf Platz – ein echtes Raumwunder.

Im Gegensatz zum Triobike Boxter werden beim Winther Kangaroo Cargoo auch große Fahrer mit langen Beinen glücklich, denn sie haben zwischen Knie und Wanne reichlich Platz. Nur den Sattel finden wir nicht besonders bequem, wofür es aber nur ein klitzekleines Minus gibt, denn man kann ihn ja auswechseln. Der Preis liegt in der oberen Mittelklasse: mit Motor ab 3.900 Euro, ohne ab 2.400 Euro.

Mit Neigetechnik

Butchers & Bicycles MK1-E

Sehr stylisch und technisch mit moderner Neigetechnik ausgestattet. Wer das will, muss aber ordentlich Schotter mitbringen.

Wow, was für ein cooles, stylisches Teil! Das war unser erster Gedanke beim Anblick des Butchers & Bicycles MK1-E. Ein Design-Dreirad aus Kopenhagen mit kraftvollem Bosch-Motor, NuVinci-Nabenschaltung, leichtem Alurahmen – für Dreiräder ungewöhnlich – einer speziellen Neigetechnik.

Das klingt nicht nur toll, sondern sieht auch fantastisch aus. Es ist genau das richtige für für hippe und sportliche Technikfreaks – mit dickem Geldbeutel. Denn das Rad ist nur mit Motor erhältlich und kostet ab 5.000 Euro. Für das Geld kaufen sich andere einen Gebrauchtwagen.

Wer glaubt, dank Neigetechnik sei das MK1-E so einfach zu fahren wie ein normales Fahrrad, wird schnell eines besseren belehrt: Wer sich auf dieses Dreirad setzt, fühlt sich so, als würde er gerade Fahrradfahren lernen. Tatsächlich müssen wir auf den ersten Metern immer mal wieder anhalten, weil das Fahrrad einfach nicht so fährt wie wir wollen. Vor allem das Lenken fällt uns beim Butchers & Bicycles MK1-E schwer. Das muss man üben – am besten auf einer ruhigen Straße.

Nachdem wir uns nach einer Weile sicherer im Sattel fühlen, lernen wir jedoch den Vorteil dieser Technik zu schätzen: Mit der Neigetechnik kann man deutlich flotter in die Kurven gehen und es fährt sich auch sonst sehr sportlich. Keine Frage, das Mk1-E ist die die Rennmaschine unter den dreirädrigen Lastenrädern. Dazu trägt auch der kräftige Motor bei der das Rad tüchtig anschiebt.

Seine Kunststoffwanne für maximal zwei Kinder gefällt uns wegen ihrer aufklappbaren Tür super, das macht das Einsteigen kinderleicht.

Unser Fazit: Das Butchers & Bicycles MK 1-E sieht super aus. Seine Neigetechnik ist allerdings gewöhnungsbedürftig und sicher nichts für jedermann. Vor allem Mamas, die einfach gemütlich und kippsicher ihren Nachwuchs zur Kita bringen möchten, werden sich wohl kaum damit anfreunden können.

Und dann wäre da noch der Preis: So viel Geld werden die wenigsten Familien für ein Lastenrad ausgeben können und wollen. Doch wer auf raffinierte Technik steht und es sich leisten kann, für den ist das MK1-E von Butchers & Bicycles ein Traum.

Zweiräder

Bei Lastenfahrrädern denkt man meist zuerst an Gefährte mit drei Rädern, aber es gibt auch einspurige Modelle mit nur zwei Rädern. Das sieht auf den ersten Blick waghalsig aus, hat aber seine Vorteile.

Zum einen fährt sich ein einspuriges Lastenrad fast wie ein normales Fahrrad, nur dass es deutlich länger ist, woran man sich aber schnell gewöhnt. Außerdem ist man mit ihnen deutlich schneller und sportlicher unterwegs als mit Dreirädern.

Vor allem zierliche Muttis befürchten oft, dass sie ein zweirädriges Rad mit voller Kinderbeladung nicht halten können und damit umkippen. In der Praxis ist das meistens kein echtes Problem, weil man nur wenig Kraft braucht, um das Rad aufrecht zu halten. Und beim Fahren besteht sogar weniger Gefahr, umzukippen, als mit einem Dreirad, weil man sich damit wie auf einem normalen Fahrrad in die Kurven legen kann.

Wirklich wohl fühlen sich auf zweispurigen Lastenräder am Ende aber doch eher sportliche Fahrer, die damit auch schneller unterwegs sein wollen.

Preis-Leistungstipp

Bakfiets CargoBike kurz

Bequem zu fahren und für die gebotene Leistung ein wirklicher Preis-Leistungstipp.

Das Bakfiets CargoBike Classic Kurz überzeugt mit sehr guter Verarbeitung zu einem sehr guten Preis. Es kommt mit einer verleimten und verschraubten Multiplex-Holzwanne, die in den Niederlanden handgefertigt wird. Außerdem gibt es Pluspunkte für sein hübsches Äußeres, den sehr stabilen und praktischen Gepäckträger sowie dem erstklassigen Licht und einem Nadeldynamo mit LED-Scheinwerfern.

»Soll das Lastenrad das Auto ersetzen und wird es zum Familienfahrzeug Nummer eins, ist das zweirädrige Bakfiets für mich das Fahrrad auf dem Markt mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis«, sagt Marc Stauß, Inhaber des Fahrradladens »Almtrieb«. Florian Borde von der »Velocompany« bläst ins gleiche Horn: »Für mich das beste Lastenrad aus Holland.«

Erhältlich ist das Rad mit Shimano Nexus 8-Gang-Schaltung oder stufenloser NuVinci-Nabenschaltung, Scheiben- oder Rollenbremsen sowie verzinktem und pulverbeschichtetem CrMo-Rahmen ohne Aufpreis in Rot, Schwarz und Grau. Ohne Motor kann man es außerdem noch in einem hübschen Türkis kaufen.

Auch gut: Sein Akku ist relativ leicht und hat einen bequemen Tragegriff. Praktisch, denn gerade im Winter empfiehlt es sich, den Akku mit in die Wohnung zu nehmen, da die Kälte seine Kapazität mindert und er öfter geladen werden muss.

Kinder können bequem ins Bakfiets Cargo gesetzt werden, da das Zweirad über einen sehr stabilen Ständer verfügt und seine Kiste niedrig ist. Es gibt zwei Sitzbänke zum Aufklappen inklusive zweier Sitzgurte, so dass maximal zwei Kinder transportiert werden können. Deshalb wird es oft von Menschen gekauft, die nicht so viel Platz brauchen.

Als angenehm empfanden wir, dass das Bakfiets sehr wendig ist. Fahrtechnisch habe ich im Bakfiets jedenfalls meinen Liebling gefunden. Zumal ich mich bei der Probefahrt wie auf einem gemütlichen Holland-Rad fühle und der breite Sattel herrlich bequem ist. Deshalb braucht man hier auch kaum Eingewöhnung. Toll finden wir auch die Zehnjahresgarantie auf Rahmen und Gabel.

Gibt es kein Manko? Ja, denn das Bakfiets ist ziemlich schwer. Bei Müttern, die es öfter umherhieven müssen, könnte das auf den Rücken gehen.

Das Bakfiets CargoBike Classic Kurz ist ab einem Preis von rund 1.800 Euro ohne Motor, mit Motor von Shimano ab rund 3.800 Euro erhältlich. Damit gehört es zu den günstigeren Lastenrädern.

Das Powerpaket

Rapid Radkutsche

Sehr kraftvoller Motor und sehr stabil gebaut, doch ist es eher etwas für die Väter.

Mit diesem Zweirad, das im schwäbischen Mössingen gefertigt wird, kutschiert »Almtrieb«-Inhaber Marc Stauß täglich seine beiden zwei- und sechsjährigen Jungs durch die Stadt – und ist superzufrieden. Er hat schließlich den Vergleich: Auf seinem normalen Radl vorne und hinten hat er Fahrradsitze montiert, er besitzt einen Anhänger und zwei Lastenräder von Triobike Mono und eben Rapid Radkusche. »Das Rapid ist ein sehr sportliches Rad. Vor allem Väter lieben dieses Powerpaket«, erklärt Marc Stauß.

Der eZee-Frontennabenmotor ist zwar etwas lauter, ist dafür aber sehr robust. Während man mit Lastenrädern meist 40 bis 60 Kilometer mit einer Akkuladung kommt, schafft die Rapid Radkutsche locker über 100 Kilometer – je nach Witterung und Steigung. Allerdings ist der Akku schwer und hat keinen Griff.

Als wir uns in den Sattel schwingen, geht’s ab. Der Motor ist der kraftvollste unter den Testmodellen. Mir zieht er etwas zu heftig an, aber glücklicherweise kann man die Kraft, mit der er anschiebt auch herunterregeln.

Seinem Ruf als Männerliebling wird es jedenfalls gerecht. Es fährt sich toll, hat einen kleinen Wendekreis und man kann sich gut in die Kurve legen. Aber mir ist es fast zu spritzig. Ich würde mir dieses Lastenrad nicht kaufen.

Die Rapid Radkutsche ist sehr wendig. Wenn man dennoch mal nicht um eine Kurve kommt, hebt man das ziemlich leichte Rad einfach hinten krz an. Den sehr stabilen Stahlrahmen kriegt man so schnell nicht klein. Er dämpft Unebenheiten super ab, wie wir unterwegs merken. Denn die Rapid Radkutsche fährt sich um einiges ruhiger als viele andere Testmodelle.

Auch die stufenlose Schaltung des NuVinci-Getriebes erweist sich als erfreulich bedienungsfreundlich und überträgt Trittkraft ohne Verzögerung. Toll finden wir, dass wir uns hier ein Unikat bauen könnten. Allein elf Farben und sechs Aufbauten stehen zur Auswahl.

Ein weiteres Plus: Eltern holen sich keinen Bandscheibenvorfall, wenn sie ihre Kinder in die Kiste setzen, die für maximal zwei Kleine und bis zu zwei Sitzbänke ausgelegt ist. Auch ihr Dach können wir superschnell aufklappen. Sehr praktisch! Leider ist die Regenabdeckung am Lenker hinten offen, was zwar den Vorteil hat, dass der Fahrer mit seinen Kindern sprechen kann, aber auch den Nachteil, dass es ein bisschen reinregnen kann.

Mit E-Antrieb kostet die Rapid Radkutsche ab etwa 3.700 Euro. Ohne Motor ist es nicht erhältlich.

Das Sportliche

Larry vs. Harry Bullitt

Sehr sportliches Design, das man sich sogar individuell zuammenstellen kann.

Dank seiner Spritzigkeit und Leichtigkeit eignet sich das Larry vs Harry Bullitt aus Dänemark besonders für sportliche Fahrer. Elegant und schnittig wie ein Windhund ist es, schick obendrein, zumal man ohne Aufpreis unter neun coolen Rahmenfarben wählen kann.

Überhaupt kann sich der Bullit-Kunde sein ganz persönliches Traumrad zusammenbasteln. Zum Beispiel ist es möglich, unter verschiedenen Wannen und Schaltungen seinen Favoriten auszusuchen, was natürlich auch ein Sümmchen mehr kostet.

Man bekommt gegen Aufpreis zum Beispiel einen erstklassigen Shimano STePS-Motor, einen der leichtesten E-Antriebe, die momentan auf dem Markt sind.

Für mich war der Rennradsattel beim Bullitt allerdings tödlich. Das Rad fährt sich etwas umständlich, weil die Kiste vorne extrem lang ist – gewöhnungsbedürftig. Wie schon das Rapid von Radkutsche ist auch das Bullitt eindeutig eher was für Papas. Allerdings ist die Wanne schön niedrig, was Einstieg und Beladung zum Kinderspiel machen.

Beim Preis kommt einiges zusammen, denn beim Grundpreis von 2.300 Euro für die Version ohne Motor ist weder ein Aufbau noch Beleuchtung dabei. Mit E-Motor geht es bei 4.400 Euro los.

Leichtgewicht

Douze Messenger

Dank Stoffwanne sehr leicht und dementsprechend wendig beim Fahren.

Dank seiner Stoffkiste ist das Douze Cycles Messenger ein extrem leichtes Zweirad aus Frankreich, das sich toll fährt und mit dem man flott unterwegs ist. Es sieht mit seiner Cruiser-Optik gut aus und kann zudem mit Top-Qualität punkten, etwa mit Hydraulikbremsen vorne und hinten, einem Stahl- und Alurahmen sowie acht verschiedenen Antriebsmöglichkeiten. Außerdem lässt es sich dank eines Schnellverschlusses in weniger als fünf Minuten zusammenklappen (ohne Wanne!) und so im Auto oder Zug transportieren. Eine echtes Reisemodell also.

»Wir verkaufen es ausschließlich an Männer, denn Mütter mögen nicht, dass sie sich ziemlich tief bücken müssen, um ihr Kind reinzusetzen«, erzählt Marc Stauß. Außerdem fehlt dem Radl etwas der Komfort. Es gibt keine richtige Sitzbank, sondern nur Bodenpolster. Unser Testmodell bei »Velocompany« war gleichzeitig auch eines der Längsten. An diesen »Vorbau« muss sich der Fahrer erstmal gewöhnen.

Aber dann fährt sich der Douze Cycles Messenger toll und liegt super in den Kurven. Gelenkt wird über ein Seilzugsystem, das Wendemanöver auf engstem Raum erlaubt. Das Douze ist ein Rad, das definitiv für den anspruchsvolleren, längeren Radlausflug geeignet ist – auch dank seines leistungsstarken Motors.

Leider ist es aber ein echtes Luxusprodukt: Mit BionX-Nabenmotor kostet das Douze ab 6000 Euro. Ohne ab rund 2.500 Euro.

Andere Tests und Meinungen

Weder Ökotest noch die Stiftung Warentest haben bisher Lastenräder für Familien getestet. Auch sonst finden sich kaum seriöse deutschsprachige Tests. Wenn überhaupt nehmen sich Magazine dieses Themas an.

Pablo Sennett hat beispielsweise mit seinen beiden kleinen Töchtern für die Zeitschrift Men’s Health (03/2016) drei Lastenräder getestet: das Bakfiets CargoBike Classic, das Larry vs Harry Bullitt und das Winther Kangaroo Cargoo. Sein Fazit:

»Ich entscheide mich persönlich für die Familienkutsche von Bakfiets.nl. Es war nicht nur bequem, sondern auch schnell und wendig – ideal für den Wochenendeinkauf oder einen spontanen Ausflug zum Spielplatz. Es fährt sich nach ein- bis zwei Runden wie ein ganz normales Fahrrad. Pluspunkt: Der E-Antrieb vereinfacht die Anfahrt auch für Ungeübte und die elektrische Unterstützung macht sich gerade bei Steigungen und dem Gewicht von zwei Kindern als »Last« schnell bemerkbar. Zwar kann das Bullitt mit einer unschlagbaren Optik punkten, fährt sich akkurat und lässt sich gut kontrollieren. Die (leicht) nach vorne gebeugte Körperhaltung ist mir auf Dauer allerdings etwas zu sportlich, gerade mit voller Transportbox. Das dreirädrige »Cargoo« landet für mich auf dem letzten Platz. Die Anfahrt ist nichts für unsichere Anfänger – das Fahrgefühl war mir zu ungewohnt und der benötigte Körpereinsatz erheblich. Auch das langsame Vorwärtskommen überzeugt mich nicht. Das große Beförderungsvolumen kann aber der entscheidend Pluspunkt sein, falls häufig schwere Lasten oder mehr als ein Kind zu transportieren sind.«

Beim österreichischen Fahrradmagazin Drahtesel (06/2014) schneiden das Larry vs Harry Bullit und das Bakfiets unter acht Modellen am besten ab.

Die dänische Zeitung »24Timer« testete gemeinsam mit einem Expertem der »Danish Cyclist’s Union« fünf der populärsten Cargo Bikes, darunter auch Nihola und Christiania. Ihr Ergebnis:

»Das Winther Kangaroo ist der Testsieger, weil die Transportkiste großzügig und sehr sicher ist. Außerdem ist es fast unmöglich, dass das Rad kippt.«

Die Süddeutsche Zeitung (06/2017) hat sich ebenfalls einige Lastenräder angesehen. Bei den zweirädrigen Modellen schnitt das Bakfiets in der Version Cargo Bike Cruiser Long Steps am besten ab. Bei den dreirädrigen Lastenrädern waren die Tester vom Winther Cargoo angetan.

2
Kommentare

avatar
B Hausmaninger
B Hausmaninger

Hallo! Das ist ja eine schöne Information für Lastenradkäufer, vielen Dank! Zum Rapid von Radkutsche kann ich noch 500km Erfahrung beitragen: Zunächst ein Fehler im Bericht: Radkutsche ist superbunt, das kann keiner der Anderen, auch das Bullitt nicht! Das Rapid kann für 100 Euronen Aufpreis -in jede RAL Farbe- lackiert werden! Viel Spaß beim auswählen! Das Rapid ist sehr flott, das stimmt, aber mit etwas Übung lässt es sich im Langsamfahrbetrieb auch elegant und feinfühlig mit dem „Gasdrehgriff“ bewegen. Die Fahrleistungen sind eine helle Freude, die Reichweite im Power-Modus sagenhaft! Ich liebe es! Der niedere Schwerpunkt und der tiefe Durchstieg… Mehr... »

Ahmet Özkan
Ahmet Özkan

Ich fahre das Rapid seit 15 Monaten und kann dem geschriebenen beipflichten. Der rasssige Motor, schiebt einen sogar vollbeladen steile Steigungen hinauf. Zu bemängeln gibt es nicht viel. Außer dass die undurchdachten Kleinigkeiten bei mir zu Beginn ein Kopfschütteln hervorgerufen haben. Warum der Akku, der ja das meist beanspruchte Bauteil ist, dermaßen unkomfortabel zu entfernen ist. Klaf kann man darüber streiten wie grobmotorisch jemand ist aber auch bei Vorsicht kann einem mal ein Missgeschick unterlaufen und ab ist dass Kabel dass am Akku hängt. Weil man das riesige Teil nirgendwo sonst anpacken kann. Evtl den Schlüssel als Griff benutzen. Was… Mehr... »